Studierende in der Ausstellung
Foto: Felix Noak / stW BERLIN

Zwischen Innen und Außen

Endlich wieder Berlin Art Week. Zwischen Isolation und Rückkehr in den öffentlichen Raum stellt sich die Gruppenausstellung Visceral Collectivities die Frage, was passiert, wenn wir nicht teilnehmen dürfen und wie wir auf die Welt reagieren, wenn sie wieder zurückkommt.

07.10.2021

von Mengna Tan

Harte Technobeats, feministische Perspektiven, die Piazza Maggiore, Erinnerungen, Kindheitserinnerungen und malerische Zwischenräume, die Arbeiten vonCora Marin, Yves Haltner, Paula Schwabe, Eva Maria Unglaube, Om Bori, Niklas Apfel, Dana Kirijak und Kiwan Choi behandeln sowohl Innen- als auch Außenraum und ihre Leer-und Zwischenstellen. Die Weiterführung der Fragen zeigt sich in den Arbeiten und in ihrer Kommunikation miteinander, denn sie stehen nicht für sich, sondern gehen ineinander über und entwickeln zusammen ein Narrativ.

Beim Betreten des Raumes sieht man die Arbeit Piazza Maggiore April von Yves Haltner, die sich im weiteren Verlauf der Ausstellung als eine Serie entpuppt. Der gleiche Platz wird zu unterschiedlichen speziellen Zeiträumen festgehalten: vor, zu Beginn und zur Hochphase der Pandemie. Dabei wird die Antwort offengelassen, wie das vierte Motiv des Piazza Maggiore wohl aussehen wird.

Neben den Arbeiten, die einen Außenraum beobachten, hängen Malereien von Paula Schwabe. Sie zeigen eine Introspektive. Die Malereien auf Holz erinnern mitunter an mittelalterliche Tafelbilder. Dabei sind ihre Bilder jedoch empowernd, denn sie werden aus einer feministischen und biografischen Perspektive gezeigt. Gedanken und Geschichten von Frauen, deren Wahrnehmungen und Perspektiven viel zu lange in der Kunstgeschichte ausgelassen wurden.              

Ausstellungsansicht

Collage von Cora Marin, Foto: Michael Schulte / stW BERLIN

Ausstellungsansicht

Mixed-Media-Arbeit von Eva-Maria Unglaube, Foto: Michael Schulte / stW BERLIN

Ausstellungsansicht

Malerei von Kiwan Choi, Foto: Michael Schulte / stW BERLIN

Ausstellungsansicht

Video- und Soundinstallation von Niklas Apfel, Foto: Michael Schulte / stW BERLIN

Eva Maria Unglaubes Arbeiten geben Einblick in einen großen Innenraum, in dem sie sich mit ihrer eigenen Identität und Familie beschäftigt. Dabei nutzt sie Fotovorlagen, die sie bearbeitet und dessen Oberfläche sie mit einer Mixed-Media-Technik mit Lacken und Lösungsmitteln verändert und auflöst. In ihren Arbeiten wird dadurch deutlich, dass Erinnerungen ein modularer Prozess sind.

Installiert zwischen den Arbeiten von Om Bori und Dana Kirijak, zeigt sich hier besonders, dass die Arbeiten untereinander kommunizieren und Schnittstellen aufzeigen und die Frage nach Identität und Erinnerung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird.

Und plötzlich hört man einen harten Technobeats, der zu einem Hinterraum führt. Dunkel, schnell, laut und nach vorne treibend ist die Arbeit Teknik Goal. Darauf folgt ein träumerisches Video, sommerlich und weicher ist die zweite Videoarbeit Fuganza Trance Energy. Niklas Apfels Arbeiten setzten sich aus verschiedenen Medien zusammen und finden sich auch in verschiedenen Bereichen des Ausstellungsraumes wieder. Von Video, Grafik, Mode bis hin zu Musik wird ein futuristischer und kaleidoskopartiger Blick auf die Techno-Subkultur geschaffen. Inmitten des Ausstellungsraumes ist eine riesige Zielfahne installiert, Goal Prop, die auch im Video zu sehen ist. Bei Niklas Apfel sind die Arbeiten miteinander verknüpft. Die Zielfahne lässt Assoziationen zu: Wir haben das Ende bald erreicht, ein Aufatmen, finished.

Finished ist man mit der Ausstellung nach dem Besuch nicht.  Sei es ein QR-Scan von Cora Marins Arbeiten auf dem eigenen Handy, eine Postkarte des Piazza Maggiore oder die Lust auf den Rave, der Raum kommuniziert auch ganz deutlich mit den Besucher*innen, denn auch nach dem Ausstellungsbesuch werden die Arbeiten mitunter mit nach Hause genommen und damit auch die Fragen.

#Kultur & Freizeit