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Smartphone mit Videokonferenzteilnehmerin im Bild lehnt an aufgeklapptem Laptop.

Zwischen-Check: Was sagen Dozierende zum Online-Semester?

Vieles scheint inzwischen routiniert. Wenn Vorlesung und Seminar beginnen, klappen wir den Laptop auf, testen die Technik, und lassen die Jogginghose an.

10.06.2020

von Mandy Krause

Doch wie geht es eigentlich Dozierenden in Zeiten von Videokonferenz und Online-Lehre? Spätestens seit dem Frühling dieses Jahres lehrt und lernt die Welt digital. Corona hat uns dazu in die heimischen vier Wände verdonnert. Was anfangs kaum vorstellbar war, hat inzwischen Routine erlangt. Oder nicht? Ich habe zwei Dozentinnen gefragt, was sie von den aktuellen Gegebenheiten halten, welche Nachteile sie sehen, aber auch welche Chancen sich für die zukünftige Lehre auftun können.

 

Nina A., Staatliche Universität Tomsk

Ich lehre Russisch als Fremdsprache an der Staatlichen Universität Tomsk und sehe ein großes Defizit in der ausbleibenden „lebendigen Kommunikation“, die normalerweise innerhalb der Lehrräume stattfindet. Jedes Studienfach hat gewiss seine Besonderheiten. Aber wenn wir von der Lehre einer Fremdsprache reden, dann ist der persönliche Kontakt vor allem für die Sprachpraxis unersetzlich.

Die Zeit der Selbstisolierung ist auch eine Zeit der gefragten Selbstdisziplin. Ich muss mir meine Zeit in Arbeitszeit und Zeit für mich einteilen. Eine räumliche Trennung für diese Aspekte des Lebens gibt es nicht. Aber das ist eine Typfrage. Ich weiß, dass das für viele Dozierende und Studierende zu einem erheblichen Problem geworden ist.

Letztendlich ist die Technik einer der anstrengenden Aspekte. Auch wenn im Prinzip nur einer das Mikrofon eingeschaltet haben muss, so können Hallen und Rauschen, stockende Verbindungen den Unterricht erheblichen erschweren und verlangsamen. Es erfordert wahnsinnig viel Konzentration.

Doch ich sehe an dem aktuellen Format auch etwas Positives. Bei unklaren Begriffen und Redewendungen kann ich schnell auf das Internet zurückgreifen und auch anhand von Bild- und Videomaterial demonstrieren, auch auf andere Onlinesoftware greife ich nun viel öfter und interaktiver zurück.

In meinem Fall sehe die größte Chance darin, dass meine internationalen Studierenden zwar Tomsk verlassen haben und in ihre Länder zurückgekehrt sind, aber das nicht das Ende des Seminars bedeutet hat.

 

Anna B., Staatliche Universität Tomsk

Am Anfang war es sehr schwer für mich, die ersten ein bis zwei Wochen. Meine Augen und Hände sowie mein Rücken fühlten sich müde an von der ständigen Verweildauer am Computer. Ich musste nach neuen Wegen und Ideen für den Unterricht suchen, die ganze Zeit versuchte ich, eine Antwort auf die Frage „Wie kann man bei Studierenden nun Interesse für das Thema wecken?“ zu finden. Ich wusste sehr wohl, dass weder mir noch meinen Studierenden diese Art der Arbeit gefiel.

Aber ich arbeite jetzt seit fast drei Monaten im Online-Modus und habe mit zunehmender Erfahrung die Antworten auf alle meine Fragen fast vollständig gefunden. Es stellte sich heraus, dass mir dieser Modus viel mehr gefällt als die direkte Arbeit im Unterricht.

Hier sind die Vorteile, die ich aus dieser Situation ziehen kann: Ich muss keine Zeit mehr darauf verwenden, zum Unterricht zu kommen, ich spare eine Menge Material und, vor allem, konnte ich diesen Modus endlich ausprobieren und habe dabei erkannt, dass ich online immer einen Job als Lehrerin finden kann, wodurch ich überall auf der Welt arbeiten und zuversichtlich in die Zukunft blicken kann.

Fernunterricht ist nicht schlechter oder besser als Offline-Lehre, im Unterricht ist es nur anders. Folglich erfordert sie völlig andere Lernmethoden und -ansätze. Die pädagogische Welt war noch nicht so weit, diese zu suchen und anzuwenden. Ich glaube, dass der Fernunterricht ein neuer Trend in der Pädagogik ist, der auf seine Sternstunde gewartet hat, und der definitiv die Aufmerksamkeit von uns Lehrenden erfordert.

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