Foto: Mandy Krause

Zwei Zitronen und ein Zero-Waste-Laden in Sibirien

Mit ihrem Laden hat Tatjana Semjonova nicht nur einen eigenen Neuanfang gewagt, sondern auch etwas geschaffen, was es in der sibirischen Stadt Tomsk zuvor noch nicht gab: ein Zero-Waste-Geschäft.

11.10.2019

von Mandy Krause

Bunte Seifenstücke, die auf recyceltem Papier liegen, Reis und Buchweizen, der in großen transparenten Gläsern abgefüllt ist – Wer den Laden von Tatjana Semjonova betritt, findet ein Konzept vor, welches man eher in Berlin vermutet, als in einer kleinen sibirischen Studierendenstadt.

„Dva Limona“ („Zwei Zitronen“) heißt das erste Zero-Waste-Geschäft in Tomsk, dessen Inhaberin eine junge Programmiererin ist. Auf den Namen ist Tatjana, die sich bereits seit der Schule für Nachhaltigkeit interessiert, jedoch zufällig gestoßen. „Als ich im vergangenen Winter in Asien gelebt habe, war ich vom Verpackungsverhalten in Supermärkten entsetzt. Für zwei Zitronen gab es insgesamt drei Plastiktüten. Ich wusste, so soll mein Laden einmal heißen“, so die junge Ladenbesitzerin.

Die Idee für das Geschäft stand zu diesem Zeitpunkt schon. Dabei vergingen vom ersten Gedanken bis zur Eröffnung am 30. Juni dieses Jahres lediglich sechs Monate. Das habe sie, so Tatjana, der Unterstützung ihrer Freunde zu verdanken. Dass sie damit Erfolg haben könne, liege daran, dass Tomsk eine junge Studierendenstadt ist. In Russland gibt es inzwischen zehn Zero-Waste-Geschäfte. Das erste wurde entgegen aller Erwartungen jedoch nicht etwa in Moskau oder St. Petersburg eröffnet, sondern in Sibirien.

Getreideprodukte bestellt sie in der Region Altai, Produkte, die in Sibirien nicht angebaut werden, wie Nüsse und Gewürze, kommen aus Usbekistan und Textilwaren aus Tomsk selbst. Auf die Frage, ob ein Leben mit wenig oder komplett ohne Verpackung eine Frage der Gewohnheit ist, antwortet Tatjana mit „Ja!“.

"Es gibt Personen, die vom anderen Ende der Stadt bewusst zu uns in den Laden kommen und es gibt jene, die eher zufällig auf uns aufmerksam werden, weil sie in der Nähe wohnen." Die Einstellung zum Thema Nachhaltigkeit unter den Bewohnern in Tomsk beurteilt Tatjana positiv. An den Universitäten haben sich Gruppen etabliert, die sich mit ökologischen Ansätzen auseinandersetzen.

Dennoch ist es auch hier noch ein weiter Weg: So kommt es vor, dass in Cafés trotz des eigenen wiederverwendbaren Bechers der Kaffee erst in einen Pappbecher fließt und dann umgefüllt wird. Für die Zukunft hat sich Tatjana vorgenommen, weitere Zero-Waste-Filialen zu eröffnen. Ihr persönlicher Wunsch: ein verpackungsfreies Leben ohne großen Aufwand zu ermöglichen.

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