Foto: Felix Noak / stW BERLIN
Studentin mit Kellnerschürze

Woher kommt unser Acht-Stunden-Tag?

Der Tag der Arbeit fiel dieses Jahr leider auf einen Samstag. Aber wieso eigentlich Tag der „Arbeit“?

03.05.2021

von Mandy Krause

Die Amerikaner*innen machen den Anfang

Um zu verstehen, warum es den Tag der Arbeit gibt, ist es notwendig, zuallererst in den amerikanischen Geschichtsbüchern zu blättern. Am 1. Mai 1886 streiken dort vielerorts mehrere hunderttausend Arbeiter*innen für einen kürzeren Arbeitstag. In Chicago kämpfen die Menschen am 3. und 4. Mai 1886 gewaltsam für ihre Rechte. Diese blutigen Tage gehen mit dem sogenannten Haymarket Riot in die Geschichte ein. Demonstrant*innen und Polizisten sterben, einige Organisatoren der Streiks werden angeklagt und hingerichtet. Die Proteste stoßen daraufhin in vielen Ländern auf ein großes Echo.

Vom Kampftag zum Feiertag

In Deutschland protestieren die Menschen ab 1890 regelmäßig am 1. Mai. Auch in Frankreich setzen sich die Menschen für höhere Löhne und kürzere Arbeitstage ein. Doch erst 1919 erklärte man den 1. Mai in Deutschland zum ersten Mal als Feiertag. Bis dahin kämpften Arbeiter*innen gegen schlechte Arbeitsbedingungen. Sein Status als gesetzlicher Feiertag hielt sich in der Weimarer Republik jedoch nur für ein Jahr.

Die Nationalsozialisten  haben den Tag für ihre Propaganda benutzt, ihn zum gesetzlichen Feiertag erklärt und ihn ab 1933 zum „Tag der Nationalen Arbeit“ umbenannt. Später im geteilten Deutschland hatte man auf beiden Seiten arbeitsfrei. In der DDR war der Tag der Arbeit nicht nur ein gesetzlicher Feiertag, sondern gleichzeitig die Verpflichtung, an Demonstrationen, Kundgebungen und Feierlichkeiten teilzunehmen.

Gefeiert wird nicht überall am ersten…

Viele Bewohner*innen dieser Erde müssen am Tag der Arbeit nicht zur Arbeit. Doch der Feiertag fällt nicht überall auf den ersten Mai. In den USA wird Labour Day am ersten Montag im September gefeiert. In Neuseeland ist der letzte Montag im Oktober ein Feiertag. In Australien kommt es ganz darauf an, wo man wohnt. So kann es sein, dass dort Labour Day auf den ersten Montag im Oktober fällt oder aber auf den zweiten Montag im März.

Und heute?

135 Jahre nachdem Arbeiter*innen in den USA zu streiken begonnen hatten, wandelte sich der 1. Mai weg von einem Kampftag hin zu einem willkommenen arbeitsfreien Tag. Der Acht-Stunden-Arbeitstag, Jahresurlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – all das, was heute so selbstverständlich ist, haben andere erkämpft. Vor allem jetzt, wenn sich der Arbeitsmarkt erneut wandelt – wir sprechen von Corona-Krise, Homeoffice, Digitalisierung – sollten wir uns am 1. Mai daran erinnern.

 

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