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Wissenschaftlich Schreiben – keine Tugend, sondern Handwerk

Die Angst vor dem geschriebenen Wort ist groß, die Unterstützung seitens der Uni klein. Warum ein Besuch bei der Schreibberatung hilft.

von Mandy Krause

An jedem Absatz ein Fragezeichen. Als ich mein Kurzessay von der Professorin zurückbekomme, ist der Text gefüllt mit Satzzeichen und Wellenlinien. Eine Woche ist vergangen seit ich es geschrieben habe. Mit der Fertigstellung war ich einige Zeit lang beschäftigt. Zu lang, denke ich jetzt. Nur was sollte ich mit den Fragezeichen anfangen?

Das Ende des Sommersemesters naht und für viele heißt es wieder: raus aus der Sonne, rein in die Bibliothek. Hausarbeiten, Essays oder vielleicht sogar die Abschlussarbeit stehen an. „Wissenschaftliches Schreiben ist ein Handwerk, das jeder erlernen kann. Es wird nur leider zu wenig gelehrt“, erklärt Constanze Keiderling, Leiterin der Schreibberatung vom studierendenWERK BERLIN.

Während Hausarbeiten in geisteswissenschaftlichen Studiengängen als Prüfungsform gang und gäbe sind, stehen Studierende anderer Fächer spätestens beim Verfassen der Abschlussarbeit vor der Herausforderung des eigenen wissenschaftlichen Beitrags. Die meisten sind damit schlichtweg überfordert. Nicht selten fängt die Blockade schon bei der Wahl des Themas an. Worüber kann ich schreiben? Ist mein Wunschthema zu groß gefasst? Finde ich dazu überhaupt Literatur? Auch bereits vor dem eigentlichen Schreibprozess kann ein Termin in der Schreibberatung Abhilfe schaffen – zum Beispiel mit der Methode des spontanen Clusters, so die Schreibberaterin. Dabei schreiben die Studierenden schnell und intuitiv auf, was ihnen zu einem bestimmten Oberthema oder Begriff einfällt.

Ziel der Schreibberatung ist es, während der Beratung sehr individuell auf Probleme rund um den gesamten Schreibprozesses einzugehen: von der Themenfindung über die „Angst vorm leeren Blatt“ bis hin zu Fragen zur richtigen Zitierweise. Die Textsorte spielt dabei keine Rolle. Englischsprachige Texte und Essays können ebenso besprochen werden. „Eine Patentlösung haben wir nicht. Jeder schreibt anders. Wichtig ist jedoch, dass die wissenschaftlichen Standards eingehalten werden. Und dabei gibt es keine falschen Fragen“, so Keiderling.

Gemeinsam mit vier Peer-Schreibtutor*innen verfolgt sie das Credo „Hilfe zur Selbsthilfe“. – Und das lieber früher als später.

Das Team der Schreibberatung bietet kein Lektorat und Korrektorat an. Vielmehr achten sie auf die Argumentation, logische Schlussfolgerungen und das Einhalten der formalen Aspekte. Bis zu fünf Seiten lesen die Schreibberater*innen dafür auch mal gegen.

Wer sich beim Gedanken an die bevorstehenden Semesterferien dennoch dabei ertappt, eher die Rooftop-Bar im Blick zu haben als die Bibliothek, sollte das Angebot des Schreibmarathons nicht unberücksichtigt lassen. In 42,18 Stunden, verteilt auf eine Woche von jeweils 10:00 bis 18:26 Uhr, kann das eigene Schreibprojekt regelmäßig und zielstrebig gemeinsam mit anderen begonnen oder sogar zu Ende gebracht werden.

Als ich am Ende des Seminars meine Professorin auf die Randnotizen anspreche, sagt sie mir, dass ich mich an manchen Stellen nicht verständlich genug ausgedrückt habe, und meiner Argumentation deshalb schlecht zu folgen sei. Es ist ja ein Handwerk, denke ich, ein Handwerk, was ich lernen kann. Warum wissenschaftliches Schreiben an der Universität von Anfang an verlangt, dagegen jedoch kaum gelehrt wird, bleibt offen. „Allmählich etablieren sich Schreibzentren, vor allem an den Hochschulen“, berichtet Constanze Keiderling. „Es fehlt aber nach wie vor flächendeckend an einer ausgeprägten Feedbackkultur.“ Mehr über das Schreiben zu sprechen und konstruktive Rückmeldung zu geben, das ist sicherlich etwas, was Universitäten und Hochschulen noch lernen müssen. Den Studierenden würde es dabei helfen, die Scheu davor zu verlieren, etwas zu Papier zu bringen.

Es gibt jedoch eine Technik, die für jede*n leicht zugänglich sei, so die Schreibberaterin: so zu schreiben, wie man selbst gern lesen möchte.

 

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