Foto: Felix Noak / stW BERLIN
Studentin im Hörsaal

Wie lebenstüchtig bist du?

Wohnung, Versicherung, Steuer, BAföG – alles Themen, mit denen man alleine fertig wird oder ab und an dann doch noch die Unterstützung der Eltern benötigt?

26.10.2021

von Viktoria Eckert

Ich habe ein paar Studis gefragt, wie sie mit den Anforderungen des Erwachsenendaseins zurechtkommen und wo sie noch Hilfe benötigen.

Studentin sitzt ratlos vor einem Formular

„Fake it till you make it"

Richtig erwachsen fühle ich mich nicht. Ich finde, wenn man das BGB kostenlos bekommen kann, sollte es auch so etwas wie eine allgemeine "Anleitung zum Erwachsenenleben" geben, die man ab 16 Jahren kriegen kann. Darin würde es dann alles geben zum Thema Versicherungen, Wohnungsbesichtigungen und Unterlagen und worauf man achten sollte, Bürokratieratschläge, Erklärungen zu Themen wie Steuern oder Bewerbungen oder Waschanleitungen und am besten am Ende noch ein motivierender Abschnitt, dass im Grunde keiner wirklich erwachsen ist und es alle erst lernen mussten nach dem Motto „fake it till you make it".

Johanna (24 Jahre), studiert Werkstoffwissenschaften an der TU Berlin


(Foto: Felix Noak / stW BERLIN)

Student sitzt am Laptop

"Dann ist die einzige Hilfe Google"

Da meine Eltern mir damals kaum bis gar nicht bei bürokratischen Hürden bezüglich Studium und BAföG weiterhelfen konnten, da sie sich damit nicht auskannten, musste ich mich selbst damit einfuchsen bzw. unterstützte mich diesbezüglich mein Bruder ein wenig. Um alle Belange, die heutzutage so anfallen, kümmere ich mich mittlerweile selbst und wenn etwas Neues dazu kommt, dann ist die einzige Hilfe Google, die mich bei der Recherche unterstützt. Auch um Ärzte, Termine usw. kümmere ich mich selbst. Ich würde mich schon als sehr selbstständig und lebenstüchtig sehen.

Nichtsdestotrotz erhalte ich von meiner Mutter noch Unterstützung, indem sie einmal pro Woche vorbeikommt und mich mit Gekochtem versorgt, was aber viel mehr daran liegt, dass sie mir einfach etwas Gutes tun will und ihr Essen einfach zu gut schmeckt als es zu verschmähen.

Alex (26 Jahre), studiert IT-Systems Engineering am Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam


(Foto: Felix Noak / stW BERLIN)

Student am Handy, im Hintergrund stehen die Eltern und schauen skeptisch

"Nicht jeder junge Mensch hat ein so unterstützungsfähiges Elternhaus "

Ich habe meine Hochschulsuche und auch BAföG-Angelegenheiten selbstständig geregelt. Trotzdem ist man gewissermaßen angewiesen auf die Hilfe seiner Eltern, dabei denke ich besonders an die Einkommensnachweise, welche man von beiden Eltern einreichen muss. Der „behördliche Dschungel“ war für mich im Allgemeinen noch ganz gut zu bewältigen, da ich aufgrund meiner körperlichen Einschränkungen schon extrem früh an Thematiken wie z. B. Umgang mit Krankenversicherungen von meiner Mutter herangeführt wurde. Ich kann mir jedoch sehr gut vorstellen, dass die Beschaffung von z. B. Einkommensnachweisen der Eltern bei Scheidungskindern, die aus welchen Gründen auch immer, keinen Kontakt mehr zu einem Elternteil haben, sich als Hürde herausstellen kann.

Grundsätzlich würde ich es begrüßen, viel zeitiger Jugendlichen Dinge beizubringen, wie: Welche Versicherungen gibt es und welche sind in meiner Situation ratsam? Unabhängig davon, ob man nun ein Studium beginnen möchte oder lieber eine Ausbildung. Man lernt zwar in der Schule was der Nukleus ist, geht gefühlt jede Kunstepoche durch oder sämtliche mathematische Funktionen. Versteht mich nicht falsch: Das sind alles wichtige Dinge und es kann im Studium wichtig sein sie zu wissen, aber als genauso wichtig würde ich es ansehen, schon zu Schulzeiten beigebracht zu bekommen, wie man eine Steuererklärung macht oder man den passenden Stromanbieter für sich auswählt, welche Rechte und Pflichten man als Studierende*r hat. Nicht jeder junge Mensch hat ein so unterstützungsfähiges Elternhaus bzw. soziales Netzwerk, um einen guten Start ins Erwachsenenleben zu erhalten. Deshalb würde ich mir von unserem Bildungssystem viel mehr und offensivere Angebote wünschen, vielleicht in Form von Workshops beziehungsweise Projektwochen an Schulen und in Jugendclubs.

Ich persönlich habe mich also relativ gut vorbereitet gefühlt, durch viel eigenes Engagement und ein Umfeld, das glücklicherweise viel Wert daraufgelegt hat, mich zeitnah zu informieren.

Jenny (25 Jahre), studiert Psychologie an der IU Internationale Hochschule


(Foto: Felix Noak / stW BERLIN)

Student unterhält sich in der Vorlesung mit einem Kommilitonen

"Da frage ich meine Kumpels"

Also ich fühle mich auf jeden Fall erwachsen, selbstbestimmt und selbständig. Ich bin der Lage alles selbst zu regeln, allerdings ab und zu brauche ich klar Unterstützung mit Kleinigkeiten und da frage ich meine Kumpels. Genau wie alle anderen auch, wer macht das nicht?

Anas (30 Jahre), studiert Informatik an der TU Berlin


(Foto: Felix Noak / stW BERLIN)

Laptop mit ELSTER

"Hatte überhaupt kein Problem damit, eigenständig zu leben"

Ich würde mich zu 100 Prozent als lebenstüchtig bezeichnen, bin früh ausgezogen und hatte überhaupt kein Problem damit, eigenständig zu leben. Was ich mir jedoch gewünscht hätte: mehr Beratungsangebote bei Themen wie BAföG oder Steuererklärung.

Marie (26 Jahre), studiert Praxisforschung in Sozialer Arbeit und Pädagogik an der Alice Salomon Hochschule Berlin


(Foto: Felix Noak / stW BERLIN)


Du könntest hier und da auch noch etwas Hilfe gebrauchen? Am 2.11. gibt es z. B. ein Training zum Thema Versicherungen. Hier kannst du dich anmelden.

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