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Was tun bei einer Winterdepression?

„Dark Night“ heißt die Veranstaltung, die Kulturmanager*innen und Psycholog*innen des studierendenWERKs derzeit gemeinsam vorbereiten. Wir haben Irina Theisen von der Psychologisch-Psychotherapeutischen Beratung zu dem Thema interviewt.

15.11.2019

Interview: Jana Judisch

Die „Gala der November-Depression“ findet am 28. November statt und dreht sich um die Frage: Was tun, wenn die Tage immer kürzer und die Laune immer gedrückter wird? Irina Theisen ist Bereichsleiterin der Psychologisch-Psychotherapeutischen Beratung am Franz-Mehring-Platz. Im Interview spricht sie über den November Blues und wie man ihm begegnen kann. 

Frau Theisen, was ist denn eine November-Depression?

Das Phänomen selbst ist schon sehr lange bekannt – es wurde bereits in der Antike beschrieben. Von der WHO klassifiziert wurde die Winterdepression als leichte bis mittelgradige saisonale depressive Störung, die in den Herbst- und Wintermonaten auftritt. Beschrieben und benannt wurde sie erstmals von Norman E. Rosenthal im Jahr 1984. Ich persönlich möchte das Phänomen trotzdem gar nicht so gern als Störung oder gar Krankheit begreifen – ich sehe es lieber als ein saisonal auftretendes Stimmungstief.

Woran erkenne ich denn eine Winterdepression?  

Es gibt verschiedene Symptome: Auf alle Fälle tritt eine veränderte Stimmung auf, die oft eine gedrückte Stimmung ist. Das kann explizit traurig sein, aber auch einfach eine schlechte Laune oder verstärkte Dünnhäutigkeit. Wie sich das auf den*die Einzelne*n auswirkt, ist schlicht Typsache: Viele Betroffene sagen, sie haben weniger Energie. Manche reagieren ängstlich. Häufig wird von gesteigertem Schlafbedürfnis berichtet und vom permanenten Gefühl, dass der eigene Schlaf nicht mehr erholsam ist. Und was auch häufig auftritt, ist ein gesteigerter Appetit, vor allem auf Kohlenhydrate, z. B. Süßigkeiten. Die Grenzen, ab wann man von einer Winterdepression spricht, sind allerdings fließend.

Und das hängt wirklich an der Jahreszeit?

Für die meisten ist es eine Mischung von verschiedenen Ursachen. Depressive Verstimmungen sind allgemein der zweithäufigste Grund, warum Studierende zu uns kommen. Der saisonale Aspekt – konkret das mangelnde Licht in der kalten Jahreszeit – ist da häufig nur ein Aspekt von mehreren. Dieser wird besonders stark von internationalen Studierenden wahrgenommen, die zum Teil aus Ländern kommen, in denen es deutlich sonniger ist im Winter. Was für viele hinzukommt, ist die Anspannung vor Feiertagen. Man fährt nach Hause zur Familie, hat ganz hohe Erwartungen, dass alles ganz toll wird (oder ahnt, dass die anderen die haben), aber eigentlich gibt es Konflikte. Auch erleben viele Betroffene den Jahreswechsel als Einschnitt. Das Jahr ist zu Ende und eigentlich wollte man viel mehr geschafft haben. Nicht selten merken Studierende in der Jahreszeit, in der man nicht so oft rausgeht, dass sie noch nicht viele Freunde in Berlin gefunden haben und sie fühlen sich einsam. Und ganz allgemein: Der Herbst fällt zusammen mit dem Start des Wintersemesters, das per se Stress bedeuten kann. Sie sehen: so ganz eindeutig definiert kriegen wir die Ursachen häufig nicht.

Dafür planen Sie jetzt eine Gala zum Thema. Was ist das Ziel?

Aus unserer Sicht ist das Thema immer noch ein bisschen tabu. In unserer Selbstoptimierungsgesellschaft sind wir stets angehalten, dass wir immer gut drauf und stets hochleistungsfähig sind. Dieser Druck ist natürlich nicht realistisch. Gerade in den Wintermonaten sind viele von Stimmungstiefs betroffen. Darüber wollen wir offen sprechen und wir wollen aufzeigen, dass es jede Menge Dinge gibt, die man dagegen tun kann.

Und was wären das für Dinge?

Licht hat natürlich eine ganz große Bedeutung. Es beeinflusst den Rhythmus von allen Lebewesen und der Mangel an Licht verändert etwas im Körper. Generell ist dann tagsüber zu wenig Serotonin im Körper vorhanden, was stimmungsaufhellend wirkt und stattdessen zu viel Melatonin, was eher schlaffördernd ist. Helfen kann da ganz einfach, trotz des miesen Wetters einfach mal rauszugehen und ein bisschen Licht abzubekommen. In diesen Zeiten ist es besonders wichtig, Freunde zu treffen, mit Leuten in Kontakt zu treten und ja, auch mal dem Wunsch nach Kohlenhydraten nachzugeben.

Und diese Aspekte greifen Sie bei der Dark Night auf?

Ganz genau: Da wird es Kürbissuppe und Milchreis geben. Es wird eine Kuschelecke geben, wo man sich einigeln kann. Weiterhin ist es wichtig, die Möglichkeit zu haben, Kontakte zu knüpfen, mit denen man auch mal etwas gemeinsam unternehmen kann. Wir bieten also ein Friendship-Speeddating an. Wer zum Beispiel während der kommenden Feiertage allein sein wird in Berlin, kann hier Studierende treffen, denen es genauso geht und sich für diese Zeit gemeinsam verabreden. Weiterhin bietet die Veranstaltung einen Workshop zum Kreativen Schreiben und eine Bastelecke. Und weil Bewegung gegen den Winterblues hilft, werden mehrere Yogakurse angeboten. Es wird die Option geben zum gemeinsamen Tanzen und Singen. Und einen Dankbarkeitsworkshop.

Was ist denn ein Dankbarkeitsworkshop?

Es mag sicherlich für einige Betroffene sarkastisch klingen. Wenn es einem nicht gut geht, will man nicht hören: „Sei dankbar“. „Wofür denn“, wird man sich erstmal fragen, „momentan ist alles gerade nicht so toll“. Aber aus der Forschung ist bekannt, dass es eine antidepressive Wirkung hat, wenn man sich auf das Gute konzentriert, auch wenn es nur kleine Sachen sind. Hierzu kann man verschiedene Methoden erlernen, zum Beispiel das Führen eines  Dankbarkeitstagebuchs. Darum geht es in diesem Workshop: Wir wollen mit verschiedenen Übungen zeigen, wie man sich auf das Positive konzentriert.

Muss man sich für die Teilnahme an der Gala vorab anmelden?

Nein, die Studierenden können einfach vorbei kommen. Der Abend ist kostenfrei und geht von 19 bis 22 Uhr. Wir richten die Veranstaltung bilingual aus, die Moderation ist deutsch und englisch und wir haben uns auch nach allen Möglichkeiten bemüht, die Stationen und die Workshops so zu gestalten, dass auch internationale Studierende, die kein Deutsch sprechen, dort hinkommen können. Zumal es häufig internationale Studierende betrifft, die weit weg von zuhause sind.

Frau Theisen, wir danken Ihnen für das Gespräch. 

 

 

Irina Theisen, Foto: Lichtbilundso

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