Foto: Jan Eric Euler / DSW
Junge Menschen sitzen zusammen auf einer Wiese.

Was jetzt endlich wieder geht

Endlich wieder Normalität? Naja fast ... Die Redaktion berichtet über ihre Erfahrungen und Highlights in Zeiten der Corona-Lockerungen.

28.06.2021

Viktoria

Endlich wieder etwas Normalität genießen

Um ehrlich zu sein, hätte ich vor wenigen Wochen nicht mit einem so schnellen Rückgang der Infektionszahlen und spürbaren Lockerungen der Corona-Maßnahmen gerechnet. Nun ist dieses Szenario glücklicherweise eingetreten und ich fühle in erster Linie große Erleichterung, aber zugegebenermaßen auch einen Hauch von Überforderung. Freund*innen treffen und dafür quer durch die Stadt fahren? Ein Besuch des schmerzlich vermissten Stammkinos? Nach über eineinhalb Jahren mal wieder Klamotten shoppen, so ganz ohne Termin und Zeitdruck?

Nach Monaten des Verzichts und Abwägung etwaiger Risiken muss ich mich an die zurückerlangte Freiheit erst noch gewöhnen. Ich verspüre definitiv einen großen Drang, Aufgeschobenes nachzuholen – sei es ein spontaner Restaurantbesuch oder der Besuch eines Konzerts. Auch ins Studierendenwohnheim kehrt langsam wieder Leben ein, das tolle Wetter dieser Tage lädt förmlich zum Beachvolleyball spielen ein und ist ein erster Schritt zurück zu mehr Gemeinschaft und weniger Isolation. Ich kann es kaum erwarten, bis auch der Partykeller wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden darf: als Veranstaltungsort langer und feuchtfröhlicher Studipartys – am liebsten natürlich so unbeschwert und ausschweifend wie früher! Bis dahin wird’s mit Sicherheit noch einige Zeit dauern, aber Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.

Und ich mache mir jetzt erstmal einen Plan, welches Vorhaben ich wann in die Tat umsetzen möchte. Die To-Do-Liste in meinem Kopf wird immer länger, aber der Sommer hat ja zum Glück auch erst angefangen.

Wendy

Über die neuen alten Freiheiten

Wie sagt man so schön? Es kommt auf die kleinen Dinge im Leben an. Mit den neu gewonnenen Lockerungen haben sicherlich viele von uns eine große Wertschätzung für die sonst kleinen Dinge empfunden.

Mein persönliches Highlight war das erste Frühstück beim Bäcker nebenan. Es war so vertraut und so ungewohnt zugleich, nach so langer Zeit mal wieder von dem netten Team begrüßt zu werden. Genau wie früher bestellte ich das Frühstück, dessen Namen ich mir immer noch nicht merken kann: „Ich hätte gerne dieses eine leckere Rührei. Das mit Paprika und Zwiebeln und so. So ein türkisches. Ich glaube es beginnt mit M“. Sofort wurde ich mit dem wissenden Blick der Verkäuferin belohnt „Ahhh M...“. Und schon kurze Zeit später saß ich auf einem Sonnenplätzchen der Terrasse. Genau wie vor dem Lockdown habe ich mir als erstes am heißen Kaffee die Zunge verbrannt und dann genüsslich mein Rührei verspeist. Auf der einen Seite war alles, als wäre es nie anders gewesen, auf der anderen Seite war es doch etwas ganz Besonderes. Bei Ei und Kaffee in der Sonne zu sitzen, war in diesem Moment einfach das Größte und ich freue mich, auf die weiteren großen und kleinen Freuden, die auf mich warten.

Mandy

Man merkt erst, was man vermisst hat, wenn es wieder da ist

Ich konnte es mir lange nicht so wirklich vorstellen – die Rückkehr in das echte soziale Leben. Und sehr lange habe ich auch nicht wirklich viel vermisst. Von Zuhause aus studieren liegt mir mit meinen geisteswissenschaftlichen Fächern gut, Studienanfängerin und Kontaktsuchende war ich keine und als introvertierte Person war es mir recht, dass es keinen gefüllten Eventkalender gab. Die Corona-Regeln sind tief eingeprägt, das Abstandhalten gut eintrainiert. Umso mehr sind die letzten drei Wochenenden rauschartig an mir vorbeigezogen. So real und unglaubwürdig zugleich. Ein Jungesellinnenabschied machte den Anfang, die dazugehörige Hochzeit folgte zwei Wochen später, die Lücke füllte ein runder Geburtstag. Überall war ich wie selbstverständlich dabei. Während das vergangene Jahr so programmiert war, trotz Social Distancing wenigstens die bestehenden Freundschaften zu pflegen, ist nun innerhalb von drei Veranstaltungen meine Kontaktliste im Handy gewachsen. Das, was ich so lange nicht zu vermissen geglaubt habe, war nun wieder da. Der Sommer in Berlin, bei lauter Musik mit anderen Menschen die kleine Tanzfläche unsicher machen, Small Talk führen und neue Menschen kennenlernen. Jetzt ist klar, was so lange gefehlt hat.    

Daniela

Zwischen FOMO und Freizeitstress

Wie eine dunkle Erinnerung aus grauer Vorzeit erscheinen die düsteren Januartage, deren einziges Highlight aus dem Supermarkteinkauf bestand. Fast schon automatisch füllte sich mein Terminkalender im Juni mit Verabredungen, Feiern, Besuchen von Freund*innen und Verwandten sowie sportlichen Aktivitäten.  Zumindest letztere muss man immer noch vorab buchen, was dazu führt, dass sich die QR-Codes in meinem E-Mail-Postfach stapeln … „Moment, ist das das Testergebnis fürs Yoga? Ach nein, das ist die Buchung fürs Freibad übermorgen.“ Einmal wäre ich sogar fast ins falsche Bad gefahren, da ich versehentlich die Buchung für den übernächsten Tag rausgesucht hatte.

Termine, Termine, Termine – und gleichzeitig der Blick auf die Social-Media-Aktivitäten der Freund*innen und Bekannten, die einem suggerieren, vielleicht just in diesem Augenblick doch irgendwo irgendwas zu verpassen. Ich nenne es mal „Post-Lockdown-FOMO“.  Bevor die Delta-Variante zuschlägt, möchte ich jedenfalls den von Karl Lauterbach prognostizierten „guten Sommer“ noch etwas genießen.

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