Foto: Felix Noak / stW BERLIN
Studierende im Gespräch

Was beschäftigt die Studierenden vor der Berlinwahl?

Am 26. September wird wieder gewählt, sogar sehr viel.

21.09.2021

von Mengna Tan

Neben der Wahl zum Deutschen Bundestag, zur Bezirksverordnetenversammlung und für den Volksentscheid findet am Sonntag auch die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus statt. Wahlberechtigte sollten somit unbedingt wählen gehen! Anlässlich dazu habe ich fünf Berliner Studierende aus unterschiedlichen Studiengängen gefragt, was sie so kurz vor den Wahlen in Berlin besonders beschäftigt.


Lehrerin mit Schüler*innen

Lehrer*innen verbeamten

Was mich zurzeit besonders beschäftigt, ist die Bildungs- und Schulsituation in Deutschland und natürlich in Berlin. Zum Beispiel finde ich es wichtig, dass endlich auch Berliner Lehrer*innen die Möglichkeit erhalten, sich verbeamten zu lassen. Berlin ist das einzige Bundesland, in dem Lehrer*innen nicht verbeamtet werden. Gerade in Bezug auf den massiven Lehrer*innenmangel in Berlin ist das meiner Meinung nach ein wichtiger Schritt. Wichtig finde ich auch, dass das Kopftuchverbot für Beamt*innen aufgehoben werden sollte.

Generell finde ich, dass es an vielen Stellen im Bildungskontext an Pädagog*innen, Lehrer*innen und Psycholog*innen mangelt. Ich habe während meines Studiums ein Jahr in einer Willkommensklasse unterrichtet, die eine zu große Klassengröße hatte und in der es auch keine pädagogische oder psychologische Unterstützung gab. Gerade für Willkommensklassen ist es wichtig, viel mehr geschultes Personal einzustellen. Ich finde auch, dass es wichtig ist, umsonst Deutschkurse für Geflüchtete und auch mehr staatliche Nachhilfe anzubieten. Darüber hinaus würde ich mir für Berlin auch noch erhoffen, dass der öffentliche Nahverkehr kostenfrei genutzt werden kann und dass Berliner Museen und Kultur kostenlos besucht werden können.

Lisa, Lehramt in den Fächern Kunst und Politik an der Universität der Künste und Freien Universität

 

(Foto: 14995841 / pixabay.com)

Dach mit Solaranlage

Klimaschutz und erneuerbare Energien

Was mich am meisten beschäftigt, ist der Klimaschutz und eben auch Klimaschutz in Städten und wie er umgesetzt wird. Zum Beispiel sollten in Berlin mehr Fahrradwege ausgebaut werden. Gut finde ich, dass es bereits Pop-up-Radwege gibt. Wir sind halt leider voll hinterher – zum Beispiel im Vergleich zu den ganzen skandinavischen Städten, wo man überall problemlos durchfahren kann. Berlin hat zwar mittlerweile auch mehr Fahrradwege, aber manchmal enden sie mitten auf der Straße oder auf einmal steht man dann auf der Autobahn. Es gibt aber auch coole Projekte. Zum Beispiel wurde die Friedrichstraße auch mal zur Fußgänger*innenzone gemacht.

Ich arbeite in der Branche für erneuerbare Energien und plane Solaranlagen für einen Mieter*innenstrom-Anbieter. Da habe ich gemerkt, wie schwierig es in den letzten Jahren war, weil die Branche von der Politik ausgebremst wird. Zum Beispiel letztes Jahr, wo die ganze Zeit noch der Solardeckel bestand und nicht sicher war, ob er aufgehoben wird oder nicht. Damit hat die Branche keine Planungssicherheit. Wir müssen weiter ausbauen, denn irgendwo muss der Strom ja herkommen, wenn wir die Kohle abschalten wollen, was ich sehr gut und wichtig finde.

Kiki, Wirtschaftsingenieurswesen mit der Vertiefung Energie und Ressourcen an der Technischen Universität Berlin

 

(Foto: schropferoval / pixabay.com)

Briefkästen

Wohnraum verstaatlichen

In Berlin beschäftigt mich das Thema rund um den Wohnraum. Jetzt aktuell zum Volksentscheid finde ich „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ auch sehr wichtig, weil meiner Meinung nach ein Wohnmarkt in einer Großstadt nicht hauptsächlich in privater Hand liegen sollte. Luxuswohnungen und Penthäuser können gerne auf dem freien Markt verkauft werden, aber Wohnsiedlungen nicht und sie sollten auch nicht vom Preis her steigen, nur weil zum Beispiel umliegende Häuser renoviert werden.

Wohnung sollten meiner Meinung nach deswegen verstaatlicht werden, mit einem festen Preis, angepasst an Inflation und durchschnittlichem Einkommen der Bürger*innen in Deutschland. Ich finde auch, dass es mehr Wohnraum für Studierende geben sollte und auch mehr sozialen Wohnungsraum.

Auch die Geflüchtetenlage finde ich sehr schwierig. Dass Abschiebungen im letzten Jahr nach Afghanistan und Syrien stattgefunden haben und auch immer noch stattfinden, finde ich absolut schrecklich. Da muss noch sehr viel getan werden.

Ich bin ukrainische Staatsbürger und darf deswegen leider auch gar nicht wählen, weil Deutschland keine doppelte Staatsbürgerschaft zulässt. Das beschäftigt mich sehr, denn ich würde sehr gerne wählen.

Vladimir Merkushev, Wirtschaftsingenieurswesen mit der Vertiefung Energie und Ressourcen an der Technischen Universität Berlin

 

(Foto: Jan Eric Euler / DSW)

Kleidung in einem Geschäft

Schluss mit Fast Fashion

In meinem Studium und auch privat beschäftige ich mich mit nachhaltigen Textilen und Flächen und nachhaltigen Prinzipien. So zum Beispiel mit dem Cradle-to-Cradle-Prinzip, einem Produktkreislauf, in dem Ressourcen wiederverwendet werden. Statt einmaliger Nutzung steht die Weiterverarbeitung im Vordergrund. Zum Beispiel sind Plastik und Polyester für immer auf der Welt, daher müssen wir uns Gedanken machen, wie wir diese Stoffe weiterverwenden können.

Berlin hat zwar schon ein großes nachhaltiges Angebot wie etwa Flohmärkte, Second-Hand-Läden oder auch Unverpackt-Läden, ich finde aber, dass gerade, was unseren Konsum angeht, es viel mehr Aufklärung braucht. Zum Beispiel an Schulen. Junge Leute probieren gerne unterschiedliche Styles aus, das ist wichtig. Aber es ist auch wichtig, sich bewusst zu machen, wie problematisch Fast Fashion ist und aufzuklären, wie man auch nachhaltig Kleidung konsumieren kann. Generell ist die Textilindustrie riesig und auf so vielen Ebenen problematisch, dass ich es schade finde, dass es auf Bundesebene fast gar kein Thema spielt. Daher wünsche ich mir somit mehr Aufklärung in den Schulen und noch mehr Angebot an bezahlbaren nachhaltigen Produkten.

Charlotte Neubauer, Modedesign an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

 

(Foto: markusspiske / pixabay.com)

Kuh auf der Weide

Soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Landwirtschaft

Mir liegt das Thema soziale Gerechtigkeit sehr am Herzen. Ungerecht ist, dass Durchschnittsbürger 50 Prozent ihres Einkommens für Wohnen ausgeben. Dementsprechend finde ich das Konzept sehr gut, Wohnungen von staatlicher Hand aufzukaufen. Wenn die Hälfte des Gehalts für Wohnen ausgegeben wird, dann noch für Essen und Kinder zu versorgen sind, dann bleibt nichts übrig. Und wenn dann der Lohn gleich bleibt, Miete und Lebensmittel jedoch teurer werden, dann erzeugt es Existenzängste. Den Mietendeckel finde ich eigentlich super und das sollte auch auf Bundesebene durchgesetzt werden und natürlich muss die Rente aufgestockt werden. Ich habe den kurzzeitigen Mietendeckel in Berlin als große Entlastung empfunden.  

Die Landwirtschaft ist mir auch ein wichtiges Thema. Es kann nicht sein, dass die Arbeit der Bauern so wenig Wertschätzung erfährt und die Lebensmittelhändler für die Arbeit der Bauern das Geld einnehmen. Das Subventionssystem muss sich verändern. Ziel sollte es sein, mit den Subventionen umweltfreundliches Verhalten und Produktivität zu fördern und nicht einzig und allein die Größe des Betriebs. Es sollte großzügigere Mindestpreise für Agrarprodukte wie zum Beispiel Milch gezahlt werden. Einsatz von Reserveantibiotika in der Tiermast sollte unter Strafe stehen.

Arik, Gartenbauwissenschaften an der Humboldt Universität



(Foto: Werner Detjen / pixabay.com)

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