Foto: Felix Noak / stW BERLIN
Studentin schaut in ein leeres Portemonnaie.

Warum werden Anträge auf Überbrückungshilfe abgelehnt?

Jana Judisch, Pressesprecherin des studierendenWERKs, erklärt im Interview, warum es bei den Überbrückungshilfen des Bundes häufig zu Ablehnungen kommt und was ihr beachten solltet.

12.05.2021


Transkript des Interviews

Wendy Sexton: Hallo. Ich bin Wendy. Ich bin Redakteurin beim Werkblatt und spreche heute mit Jana über die Überbrückungshilfen für Studierende. Jana ist Pressesprecherin des studierendenWERKs. Hallo Jana.

Jana Judisch: Hallo Wendy.

Wendy: Über 40 Prozent der Anträge auf Überbrückungshilfen werden abgelehnt. Dabei heißt es doch, der Bund will Studierenden in der Pandemie helfen. Wie passt das zusammen?

Jana: Es ist leider wirklich so, dass wir eine relativ hohe Ablehnungsquote haben. Das ist leider der Fall aufgrund der Tatsache, dass Studierende häufig die Richtlinie nicht gelesen haben oder eben nicht in die Richtlinien passen. Die sind sehr, sehr streng. Die sind so ausgelegt, dass diese Überbrückungshilfen nur für Studierende sind, die sich in einer pandemiebedingten Notlage befinden. Das heißt, die Notlage muss wirklich aufgrund von Corona sein, weil man eben coronabedingt seinen Nebenjob verloren hat oder seine Einnahmen auf selbständige Erwerbstätigkeit oder weil die Eltern coronabedingt vielleicht nicht mehr unterstützen können. Und sie muss nicht nur corona- oder pandemiebedingt sein diese Notlage, sie muss auch akut sein. Das überlesen viele. Diese Notlage muss in den letzten zwei Monaten eingetreten sein. Ist sie länge her, muss man nachweisen, dass man in der Zwischenzeit versucht hat, sich aus dieser Lage zu befreien. Zum Beispiel, indem man sich um einen Job beworben hat.

Zweiter häufiger Ablehnungsgrund ist zudem, dass die Kontoauszüge nicht vollständig eingereicht werden. Man muss ja seine Kontoauszüge einreichen, bis zum Vortag des Antrags müssen sie auch gehen. Wenn man also zum Beispiel am 15. den Antrag stellt, müssen die Kontoauszüge bis zum 14. gehen. Also ist es ganz, ganz wichtig, dass die vollständigen Unterlagen zur Antragstellung vorliegen, damit dann eine Bewilligung erfolgen kann. Wir fragen in Einzelfällen einmalig nach, wenn irgendwas fehlt, aber besser ist es schon, auch im Sinne von Zeitersparnis, dass man das wirklich vollständig hat und dass man auch wirklich darauf achtet, dass es alle Kontoauszüge sind. Auch das wird häufig vergessen. Wer eine Kreditkarte noch hat oder ein Sparkonto oder vielleicht auch ein PayPal-Konto. Manche Leute haben bei Amazon Payments noch Geld rumliegen oder auch eine Trading-App, wo Geld ist. All diese Dinge müssen offengelegt werden. Es ist ganz wichtig, denn auch das verstehen wir unter vollständigen Unterlagen. Also nicht vergessen: jedes Konto ist gemeint.

Wendy: Man darf ja nur 500 Euro auf dem Konto haben, was nicht besonders viel ist. Davon gehen ja noch die Fixkosten ab, wie zum Beispiel die Miete. Wird es berücksichtigt?

Jana: Auf dem Konto dürfen … oder auf allen Konten kumuliert sogar. Man darf insgesamt zum Zeitpunkt der Antragstellung, nicht mehr als 500 Euro auf dem Konto haben. Das ist korrekt. Der Bund hat hier die Notlage sehr, sehr streng definiert, dass heißt … Also wir merken das schon, dass zahlreiche Studierende, dann eher am Ende des Monats den Antrag stellen. Einfach weil dann die Miete schon abgegangen ist und das Vermögen sozusagen da bereinigt worden ist um die Fixkosten, die man hatte. Das kommt sehr oft vor und das ist natürlich auch verständlich.

Wendy: Und was ist mit den Studierenden, die noch bei ihren Eltern wohnen oder wenn die Eltern Hartz-4 beziehen? Wird dann diese Überbrückungshilfe vom Jobcenter angerechnet?

Jana: Es ist tatsächlich ein Phänomen, das kennen wir sogar schon aus dem BAföG-Bereich, dass das Einkommen des Studierenden oder wie soll ich sagen, oder naja, in dem Fall ist so eine Hilfe ja auch ein Einkommen, das das dann in die gesamte Bedarfsgemeinschaft hinein gerechnet wird, das haben wir oft gehört. Wir können da tatsächlich nichts machen. Wie ein Jobcenter das Einkommen einer Bedarfsgemeinschaft definiert und ob dann das Einkommen der Studierenden, obwohl das ja eigentlich die Unterstützung zum Studium ist, wie das definiert wird. Da haben wir keinen Einfluss drauf. Diese Dinge müssen mit den Jobcentern besprochen werden.

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