Foto: Luise Wagener

Warten auf den Wohnheimplatz

Wer in Berlin eine Wohnung sucht, braucht vor allem eins: Durchhaltevermögen.

06.09.2019

von Celia Parbey

Ellenlange Schlangen bei Besichtigungen, unzählige Anfragen bei WG-Gesucht und der verzweifelte Aufruf an Freund*innen auf Facebook sind für viele suchende Studis Alltag. Abhilfe sollen eigentlich die Studierendenwohnheime leisten, die über die Stadt verteilt stehen. Problem: Auch diese sind inzwischen komplett überfüllt. Warum das so ist und was dagegen unternommen wird, erklärt Jana Judisch, die Pressesprecherin des studierendenWERKs BERLIN, im Interview.

Wie viele suchende Studierende kommen jedes Jahr auf wie viel verfügbare Wohnheimplätze?

Aktuell hat das studierendenWERK BERLIN 9.185 Wohnheimplätze. Wir wissen aus Erfahrung, dass diese Zahl der Wohnheimplatzsuchenden im September stark ansteigen wird und wir nicht allen Bewerber*innen rechtzeitig einen Platz anbieten können. Die theoretische Versorgungsquote für Berlin beträgt fünf Prozent. Diese Quote ist aber ein bisschen irreführend. Fakt ist, dass natürlich nicht alle 175.000 Studierende, die es in Berlin gibt, bei uns wohnen wollen. Noch immer wohnen Studierende am liebsten in einer WG. Trotzdem haben wir inzwischen immer bis zu 3.000 Studierende auf der Warteliste für unsere Wohnheime.

Wie lang sind die Wartezeiten für die Studis, die auf der Liste stehen?

Wartezeiten beginnen momentan bei einem Semester Minimum und können sich bis zu über drei Semester ziehen – abhängig von Lage und Ausstattung des jeweiligen Wohnheimes.

Warum gibt es nicht genug Plätze für die Studierenden?

Zum einen, weil nicht rechtzeitig darauf reagiert worden ist, dass der private Markt sich in eine prekäre Lage entwickelt hat. Dass das Studierendenwerk nicht genügend Plätze hat, ist schon seit einer Weile bekannt. Diese langen Wartelisten haben wir schon seit dem Jahr 2012 und sie werden jedes Jahr länger. Wir wissen, dass immer mehr Studierende nach Berlin kommen. Der Wohnraummarkt ist aber weiterhin angespannt. Bis 2010 hatten wir sogar noch Leerstände, weil auf dem freien Markt genügend Wohnungen zu finden waren. Der ist inzwischen gekippt – und das merken auch die Studierenden.

Zum anderen liegt es auch daran, weil es nicht gelungen ist, genügend neuen Wohnraum zu schaffen. Im Jahr 2015 hat das Land Berlin beschlossen, dass 5.000 neue Wohnheimplätze für Studierende gebaut werden sollen. Beauftragt wurden damit die Berlinovo und die städtischen Wohnungsbaugesellschaften - das studierendenWERK blieb hier außen vor. Leider sind die Unternehmen noch nicht soweit. Bis Ende 2020 sollen aber wenigsten 2.000 neue Plätze entstanden sein.

Hat das studierendenWERK BERLIN auch versucht, von sich aus zu bauen?

Wie gesagt: Wir waren bei der Vergabe von Grundstücken außen vor. Aber wir haben trotzdem einige Plätze geschaffen. Wir haben beispielsweise in der Mollwitzstraße 86 Plätze gebaut sowie 50 neue Plätze im Dauerwaldweg. Uns fehlen zum Weiterbauen aber schlichtweg die Grundstücke und auch das Geld. Das einzige, was wir tun können, ist auf unsere Bestandsgrundstücke weitere Häuser zu stellen. Das nennt man Verdichtung. Damit kann man einige Plätze schaffen. Inzwischen sind jedoch unsere Reserven verbraucht. Ohne zusätzliche Finanzspritzen werden wir nicht weiter bauen können.

Gleichzeitig muss aber unser Bestand auch saniert werden. Die Wohnheime haben teilweise schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Auch für die Instandhaltung sind wir auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Nach welchen Kriterien werden die Plätze vergeben?

Das studentische Wohnen ist an keine Einkommensgrenze gebunden. In dem Sinne gibt es keine Kriterien, außer dem „First come, first serve“-Prinzip. Ausnahmen gibt es natürlich, wenn beispielsweise eine barrierefreie Wohnung gebraucht wird. Trotzdem haben wir keine klassische Härtefallregelung. Es braucht nur eine gültige Immatrikulationsbescheinigung einer der Berliner Hochschulen, mit denen das studierendenWERK zusammenarbeitet, und es braucht ein bisschen Geduld.

Was können Studis tun, die noch immer auf einen Platz warten?

Auf unserer Webseite findet sich eine Sammlung an Links, die über Vermieter*innen informieren. In der Hardenbergstraße hat im letzten Jahr das InfoCenter „studi@home” eröffnet. Dort kann man hingehen und sich bei der Suche auf dem freien Markt unterstützen lassen. Außerdem hat das studierendenWERK die Wohnraumbörse ins Leben gerufen, eine weitere Plattform, auf der private Vermieter*innen ihre Zimmer annoncieren können.

Was wir immer wieder merken, ist, dass Studierende gerne im Zentrum wohnen wollen, innerhalb des Rings. In diesen Bezirken ist die Situation aber am prekärsten. Bezahlbaren Wohnraum gibt es eher in Reinickendorf, in Spandau, in Treptow und Steglitz. Studierende müssen deshalb Kompromisse eingehen – in Berlin muss man leider Wege in Kauf nehmen.

 

 

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