Foto: Jana Judisch

Vom Worte verwirrt

STW-Pressesprecherin Jana Judisch war beim Spieleabend im Wohnheim Halbauer Weg.

31.10.2019

von Jana Judisch

Rolf Götze ist nicht nur Leiter des Baumanagements im studierendenWERK BERLIN, er ist auch passionierter Brettspieler und gelegentlicher Spielekritiker. So kommt es, dass er in den vergangenen Jahren immer wieder mal für die Printausgabe des Werkblatts Brettspiel-Empfehlungen geschrieben hat. Ob wir diese Rubrik auch ins Werkblatt Online aufnehmen möchten, fragte er neulich. Immerhin, das Spiel des Jahres 2019 sei nun gekürt und das könne man doch mal vorstellen?

Warum nicht, habe ich mir gedacht. Ist ja schließlich Tradition. Und weil es bislang ebenfalls Tradition war, die Tauglichkeit des jeweiligen Jahres-Siegers vorher am lebenden Studierenden auszuprobieren, habe ich mich überreden lassen, beim Spieletest im Wohnheim Halbauer Weg dabei zu sein.

„Just One“ heißt das Spiel des Jahres 2019 und bis zu sieben Leute können mitspielen. Sonst sorgt eine solch große Anzahl an Spieler*innen ja vor allem für eins: Lääääänge. Hier dagegen empfiehlt es sich wirklich, möglichst viele Personen an einem Tisch zu versammeln, das erhöht deutlich den Spaßfaktor. Und sieben Leute sind wir dann auch im Halbauer Weg, wo uns Wohnheimtutor Loay schon mit vorbereiteten Snacks begrüßt. Spieleabende gibt es hier häufig, Loay trommelt die Bewohner*innen regelmäßig zusammen. Sie kommen aus vielen verschiedenen Ländern, auch heute Abend, weshalb das Spiel halb in Deutsch, halb in Englisch gespielt wird.

Das Spielprinzip ist simpel: Alle spielen miteinander, gegen das Spiel. Insgesamt 13 Begriffe muss die Gruppe erraten, es geht reihum. Wer nicht rät, muss erklären. Und zwar schriftlich: Alle Spieler*innen erhalten einen Stift und eine Tafel, auf der sie einen Tipp zum Rate-Wort aufschreiben. Grundlegend ist alles erlaubt, Synonyme und Tipps – solange sie nur aus einem Wort bestehen. Der Wortstamm muss sich unterscheiden und auch bloße Übersetzungen sind nicht erlaubt. Wichtig ist, dass alle Hinweise unterschiedlich sind. Schreiben zwei Spieler*innen ein Wort gleichzeitig auf, muss dieser Hinweis gelöscht werden, die ratende Person muss dann mit weniger Tipps auskommen. Ziel ist es, so viele Begriffe wie möglich zu erraten – am besten natürlich alle 13.

Die besondere Herausforderung im Halbauer Weg ist es, die Begriffe erst einmal zu verstehen. Der Google-Translater bleibt die ganze Zeit über eingeschaltet und auch die Seite für Synonyme wird mehr als einmal aufgerufen. Spaßig bleibt es trotzdem, nicht nur weil einer der Spieler ausschließlich Harry-Potter-Hinweise aufschreibt (obwohl mehr als die Hälfte der Anwesenden keines der Bücher gelesen hat). Grund zur kontinuierlichen Belächelung biete auch ich, die ich offensichtlich ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel habe als die anwesenden Studis und daher irgendwie immerzu in eine Generationsfalle tappe.

Beispiel: Das gesuchte Wort heißt Wind. Verständigt haben wir uns darauf, jetzt mal ausschließlich Filmhinweise aufzuschreiben – welcher Tipp ist also besser geeignet als Scarlett? …würden alle denken, die in meinem Alter sind. Doch ach, der Ratende ist ja dann doch um einiges jünger und er weiß nichts von einer O’Hara, die ja vom gesuchten Wort völlig verweht war und kann an nichts anderes als die Frisur der jungen Johansson denken. Der Punkt ist dann leider verloren… und verloren sind auch gute 5 Minuten, die drauf gehen, sowohl den gemeinten Film als auch das Buch kurz zu beschreiben, denn außer mir kennt das hier gerade wirklich niemand. Und auch Rolf, der sich natürlich sofort auf die Seite der Studis schlägt, will nicht einsehen, dass der Hinweis eigentlich ziemlich gut war...

Für mich ist es trotzdem ein ganz wunderbarer Abend und auch ein ganz wunderbares Spiel. Rolf lässt seine Ausgabe als Geschenk im Halbauer Weg da, ich bestelle mir noch am selben Abend mein eigenes. Denn nicht nur das Raten, auch das Diskutieren darüber, wer was wann wie gemeint hat, macht richtig Spaß. Auch für Studis, die gerade noch Deutsch lernen, ist das Spiel aus meiner Sicht gut geeignet – hier macht Vokabeln googeln einfach Spaß. Vielen Dank an Loay für die tolle Organisation des Abends! Wer im Halbauer Weg wohnt: Kommt doch mal bei seinem Spieleabend vorbei, es ist richtig nett dort!

 

Wer Lust auf Brettspiele gekriegt hat und nicht im Halbauer Weg wohnt, kein Problem: Am 07.11. könnt ihr euch beim großen Games Evening im Freiraum Gleichgesinnte treffen und verschiedenste Spiele ausprobieren. Schaut doch einfach mal vorbei!

 

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