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Hausarbeit statt Hausarbeit

Vom Schwarz und Weiß einer Hausarbeit

Ein Brief an die Hausarbeit

15.04.2019

von Mandy Krause

Liebe Hausarbeit,

Weiß ist keine Farbe, sagt man.

Schwarz auch nicht.

Beides sind feste Bestandteile von Dir.

3. Semester, Studienfach Russistik. Worüber soll ich schreiben?

Ziemlich farblos dieses Vorhaben. Für Buchstaben: in Schwarz auf Untergrund: in Weiß, sinnvoll angeordnet, kriege ich am Ende eine Note.

Hoffentlich eine gute. Wie bunt das Leben dann immer ist, mit so einer guten Note.

Aber bloß nicht mischen, diese Nicht-Farben. Das ergibt grau. Und grau ist die lange Phase, bevor wir zueinander finden und ein Endprodukt schaffen, das, wenn es gut gemischt wurde, einen richtigen Glanz zaubert.

Ach, wenn ich nur zaubern könnte…

Egal. Los geht’s. 9:43 Uhr, sagt das Smartphone. Vormittags anfangen ist immer gut, sagt das Gewissen. Kurz noch das Frühstücksgeschirr räumen, sage ich.

Beim Abräumen eben gesehen, wie dreckig die Schubfächer sind, und das auch noch innen.

Das muss mal wieder angegangen werden.

Wie praktisch, dass das Staubsaugerrohr in alle Ecken kommt. Jetzt nur noch die Schubfächer einräumen. Wie spät ist es eigentlich? 11:08 Uhr. Uff.

Jetzt in die Bib!

Jetzt noch? Um nach kurzer Zeit mit Bauchknurren für extremen Lärm zu sorgen zwischen all den stillen Denkern? Nein. Lieber zu Hause essen und danach los.

Spare ich mir einmal aufstehen in der Bib, einmal Bücher einsperren, um sie dann wieder zu entsperren und zurück an den Platz zu bringen. Quatsch eigentlich.

Lieber die Zeit zu Hause nutzen. Hatte doch da ein Buch ausgeliehen. „Wissenschaftlich Arbeiten: Wie es richtig geht.“.

Genau, denke ich mir, keine schlechte Idee. Erstmal lesen, was andere sagen. Erstmal über DIE Sache lesen, bevor ich sie anfange. Metaebene halt. Lernt man doch so an der Uni.

Nochmal eben auf den Menübutton vom Smartphone gedrückt. 11:55 Uhr.

5 vor 12 also.

Wie spannend: ein Prokrastinations-Selbsttest auf Seite 18.

Nochmal den Menübutton gedrückt. 11:57 Uhr.

Wie doof, denke ich, hatte doch eben erst gedrückt.

25 Minuten später habe ich das Testergebnis. 90% der Befragten geben weniger Aufschiebeverhalten an als ich.

Oh!

12:22 Uhr. Mist, wieder nicht geschafft, vormittags in der Bib zu sein.

Egal. Bei einem Selbsttest letztens rausgefunden, dass ich meinem Chronotyp folgen soll. Ich bin eine Eule, keine Lerche.

Liebe Hausarbeit, ich soll Dich abends (!) schreiben, denn da habe ich ein Konzentrationshoch.

Eule sein heißt, erst das Vergnügen, dann die Arbeit.

(Nochmal eben geschaut, wer ein neues Profilbild bei WhatsApp hat.)

Gut, dann schon mal Tasche packen, Vorhängeschloss und Seminarunterlagen nicht vergessen.

Ich bin eine Eule. Eine, die abends produktiv wird. Zu grau ist mir der Vormittag.

17:36 Uhr in der Bib. Dann mal einen Platz suchen und den Laptop aufschlagen.

Wie gut, dass ich gestern noch die Ordner auf dem Desktop so übersichtlich gemacht habe.

Word öffnen.

Das Blatt ist: weiß.

Nicht schlimm, sage ich mir, nicht schlimm. Ich bin eine Eule. Ich wollte eh erst heute anfangen.

Schaffe ich das alles überhaupt noch pünktlich abzugeben? Meine Gedanken kreisen. Ich sehe schwarz.

Morgen! Morgen fange ich früher an!

 

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