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Vielfalt fängt im Kopf an

Zusammenhalt, Toleranz, Respekt, Offenheit, Vielfältigkeit, Gleichwertigkeit. Wir haben viele richtige Vorstellungen von Diversität. Aber ist das nicht alles zu schön, um wahr zu sein?

30.07.2021

von Mandy Krause

Ich habe den Workshop „Unconscious Bias“, den das studierendenWERK BERLIN gemeinsam mit der Agentur IN-VISIBLE auf die Beine gestellt hat, besucht. Dieser soll Studierenden die Möglichkeit geben, sich mit ihren Vorurteilen auseinanderzusetzen. Dabei wurde auch klar, dass das gar nicht so einfach geht. Und dass es sich lohnt.

Der bittere Ist-Stand

Mit ein paar wenigen Statements werden wir sofort thematisch abgeholt: Gleichstellung ist negativ konnotiert. Gendervorurteile sind vor allem zum Nachteil von Frauen. Und, wenn ich an Inklusion denke, dann denke ich an Menschen mit Behinderung. Ist das so? Wir diskutieren und kommen direkt auf Punkte, bei denen es hakt. Viele Teilnehmer*innen äußern sich vor allem zu den Bedingungen an Universitäten und Hochschulen. Barrierefreie Räume gibt es nicht genug, Frauen böte man in der Stillzeit keine Prüfungsleistungen an. Schon im ersten Drittel des Workshops ziehen wir das Fazit: Hochschulen sollten mehr für Diversität tun. Und da reden wir nur von Hochschulen. 

Lasst uns über GEDI reden

Aber was heißt eigentlich Diversity, und was bedeuten all die anderen Begriffe, die damit einhergehen? GEDI setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von Gender, Equity, Diversity und Inklusion zusammen, und bringt auf den Punkt, worum es geht. Gender meint die zugeschriebene Geschlechtsidentität, die nicht zwangsläufig mit unserem biologischen Geschlecht übereinstimmt. Equity steht für Gleichberechtigung, das heißt alle Menschen sollen die gleichen Rechte haben. Diversity spricht die Vielfalt von Identitäten an. Und Inklusion bedeutet, dass sich alle Menschen einbezogen fühlen, sowie gleichermaßen über Teilhabe- und Mitspracherechte verfügen sollen.

Trotz Gleichstellungsgesetzen starten Menschen nicht an derselben Stelle

Diesmal werden wir mit Fragen konfrontiert. Was habe ich über Frauen gelernt? Was habe ich über dicke Menschen gelernt? Was habe ich über Menschen gelernt, die einen geringeren Bildungsabschluss haben als ich? Die Fragen sind bewusst so formuliert, dass sie auf das tiefsitzende Wertesystem in uns anspielen. Keine*r ist frei von Voreingenommenheit. Und der Schlüssel ist, sich dessen bewusst zu sein.

Schuld ist die „Unconscious Bias“, und die hat JEDE*R

Ohne Kategorien wäre die Welt zu kompliziert. Um uns nicht zu überfordern, verfallen wir in ein Schubladendenken. Wir gehen damit Abkürzungen. Mal mehr bewusst, mal weniger. Dabei gib es verschiedene Arten von „Unconscious Bias“, von Voreingenommenheit. Wir bevorzugen Menschen, die uns ähnlich sind (Affinity Bias), wir beurteilen nach Hautfarbe und Religion (Race Bias) oder wir bewerten Personen beispielsweise durch einen Filter (Halo Bias).

Lang etablierte Glaubenssätze lassen sich aufheben. Der Workshop soll dazu ermutigen,  dass sich Menschen aktiv gegen falsche und ausgrenzende Voreingenommenheiten und damit für eine bessere und gleichberechtigtere (Arbeits-)Welt einsetzen. Oftmals braucht es ein kurzes Wachrütteln, um eigene verankerte Denkstrukturen zu hinterfragen. Die Vielfalt fängt zuerst im Kopf an.

 

 

#Diversity