Foto: Felix Noak / stW BERLIN
Spielzeug und Lehrbücher

„Viele haben Respekt vor dieser Mehrfachbelastung“

Studieren kostet Geld, Zeit und Nerven. Schon für eine*n Einzelne*n. Wie stemmen das dann studierende Eltern? Anna* ist 37 Jahre alt, ihre Tochter Sabrina* 11. Für das Werkblatt erzählt sie von ihren Erfahrungen.

13.09.2021

von Mandy Krause

Anna, wie sieht dein Unialltag als Elternteil aus?

Ich bringe meine Tochter morgens zur Schule und hole sie auch nachmittags wieder ab. Ihr Schulweg ist sehr weit, eine Strecke dauert 45 Minuten. Ich passe meinen Stundenplan an den meiner Tochter an, anders würde es nicht funktionieren. Ich selbst teile mir die Erziehung mit dem Vater. Unter der Woche ist Sabrina bei mir und am Wochenende kann ich dann entspannen. Ich weiß nicht, wie es wäre, wenn man wirklich zu hundert Prozent alleinerziehend ist.

Welche Strategie hast du, um das alles gut durchzuhalten?

Am Anfang überwog die Faszination für mein Studium und ich hatte sehr viel Energie, habe viel gemacht, gearbeitet und in der S-Bahn gelernt. Irgendwann gingen mir aber die Kräfte aus. Jetzt studiere ich ausschließlich und versuche, mehr Zeit für meine Tochter aufzubringen. Ich möchte auch leben, und vor allem etwas erleben, Zeit für Hobbys und Freunde haben. Das alles unter einen Hut zu bekommen, ist sehr kompliziert.

In welcher Form erhältst du Unterstützung von der Uni?

Man darf ja in Teilzeit studieren. Und ein Kind unter 10 Jahren kann als Grund für ein Teilzeitstudium gelten. Diese Möglichkeit an sich betrachte ich schon als eine Form von Unterstützung. Als ich nach Bosnien und Herzegowina ins Auslandssemester gegangen bin, bekam ich als Elternteil beispielsweise die Möglichkeit, mehr Geld dafür zu beantragen.

Wie reagieren Professor*innen und Kommiliton*innen an der Uni darauf?

Die meisten Professor*innen hatten nie etwas dagegen, wenn ich meine Tochter mit zur Uni gebracht habe. Viele haben sich sogar gefreut und etwas mitgebracht, wenn sie wussten, wir kommen zusammen. Meine Tochter war sogar bei zwei Prüfungen dabei, da gab es eigentlich überhaupt kein Problem. Lediglich einmal war eine Dozentin etwas verwundert und meinte, dass das irgendwie komisch sei, aber meine Tochter ist dann trotzdem geblieben. Sabrina ist von ihrem Wesen her sehr ruhig und es war nie ein Problem, sie am Unterricht teilnehmen zu lassen. Andere Studierenden fanden das auch immer gut. Ich habe nie etwas Negatives gehört und mir wurde eher eine gewisse Bewunderung entgegengebracht. Viele haben Respekt vor dieser Mehrfachbelastung.

Würdest du es anderen sogar empfehlen, die Kinderplanung in die Studienzeit zu legen?

Ich würde es nicht empfehlen, obwohl es natürlich zu schaffen ist. Es ist aber sehr anstrengend. Und es bleibt die Frage danach, was man eigentlich will. Wofür studiere ich? Für mich ist es kräftezehrend, weil ich mehr vom Studium haben und auch gute Leistungen erzielen will. Deshalb brauche ich mehr Zeit, um die Hausaufgaben gut machen zu können. Wie viele Veranstaltungen packe ich mir also in den Stundenplan und wie wirkt sich das auf meine generelle Studienzeit aus? Ich kenne aber eine Frau, die mit drei Kindern ein Studium gewuppt hat. Sie wollte am Ende einfach nur den Abschluss haben.

 

*Namen von der Redaktion geändert.

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