Video: Wie funktionert eigentlich Gruppentherapie?

Zwei unserer Psychotherapeutinnen geben euch Einblick, wie verschiedene Formen der Gruppentherapie funktionieren und wie sie Studierenden auch in Pandemiezeiten helfen können.

20.05.2021


Transkript des Interviews

Was ist eigentlich eine psychodynamische Gruppe?

Ja, also wir haben aktuell zwei laufende psychodynamische Gruppen. Psychodynamik kommt aus der Tiefenpsychologie und Psychoanalyse. Und Gruppentherapien bieten wir deshalb an, weil es ganz gut ist, in einem längeren Prozess sich mit seinen psychischen Problemen auseinanderzusetzen. Und in einer Gruppe gibt es auch viel mehr Ressourcen als so in der Einzelsituation. Weil sich in diesem Prozess ein sozialer Mikrokosmos entwickelt, in dem die Teilnehmenden so erfahren können, was sie auf andere für Wirkungen haben und das vergleichen können, mit ihrer Selbsteinschätzung Und es gibt so korrigierende Möglichkeiten dabei. Es gibt die Möglichkeit, sich gegenseitig zu unterstützen. Viele Studierende erleben das als total hilfreich zu erfahren, dass sie nicht alleine sind mit ihren Problemen. Und bemerken auch, dass manche, die sie so einschätzen würden, als hätten die gar keine Probleme, durchaus innere Schwierigkeiten haben. Was eine große Entlastung darstellt. Gleichzeitig merken sie auch, dass sie andere unterstützen können. Was ja auch dazu dient, sich selber ein Stück gut zu fühlen. Das was vielen Menschen schwer fällt, ist ja auch, sich in einer Interaktion, so auseinanderzusetzen, dass sie auch Konflikte lösen können, die sie vielleicht mitbringen.

Und was gibt es sonst noch für Gruppenangebote?

Die Gruppen waren auch schon immer ein großer Schwerpunkt für unsere Beratungsstellen. Und neben den psychodynamischen Gruppen, gab es auch immer themenzentrierte Gruppen, mit den Themen, die jedes Semester eigentlich immer eine wichtige Rolle spielen, wie Prokrastination, Prüfungsangst. Wir haben auch eine Trauergruppe, die zweimal pro Jahr lief, bevor Corona kam. Es gab auch immer eine Gruppe zur Kommunikation und Interaktion. Aber auch sehr beliebt war immer unser Training ,,emotionale Kompetenzen''.

Und wie funktioniert das im Lockdown?

Während der Zeit der Lockerungen im letzten Jahr haben zwei Kolleginnen angefangen, wieder live mit der Gruppe zu arbeiten. Und das mussten wir umstellen und haben, als der Lockdown stärker wurde, da haben wir umgestellt auf Videogruppen. Das funktioniert tatsächlich, auch wenn einige Dinge nicht möglich sind. Und in den letzten Wochen haben wir versucht, da es ja die Möglichkeiten sich testen zu lassen, auch wieder Live-Situationen zu haben. Und einige Sitzungen sind auch als Hybrid-Veranstaltungen gelaufen, das heißt, einige Klienten konnten per Video dran teilnehmen und einige waren im Raum. Vorteile sind, dass diejenigen, also eine Klientin ist beispielweise krankheitsbedingt in ihrem Heimatland, und die kann durch die Videositzungen dran teilnehmen, ansonsten würde das ausfallen.

Wie finden die Gruppen zusammen?

Ich denke, ein wichtiger Punkt ist, dass wir es inzwischen so machen, dass wir Vorgespräche für jede Gruppe führen, um auch zu gucken, was sind die Themen denn. Und versuchen, so gut es geht, abzuschätzen wie gut passt die Gruppe denn zusammen. Wie gut passt jemand mit seinem persönlichen Thema da auch rein. Ich denke es geht viel darum, dass hat sich vielleicht auch durch Corona verschärft, Einsamkeit, Selbstwert ist immer wieder ein großes Thema, Leistung, Zugehörigkeit. Das wären auch so die Themen, die in psychodynamischen Gruppen angesprochen werden oder auch Raum finden. Weil man einfach einen viel längeren Zeitraum zusammen hat. Teilweise waren es ja bis zu drei Semestern, in denen zusammen gearbeitet wurde. Da wächst man zusammen, da lernt man sich kennen. Da hat man auch die Möglichkeit, Vertrauen zu schaffen und auch Raum für sein persönliches Thema zu kriegen.

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