Video-Interview: Barrierefrei Studieren

Wusstet ihr, dass 11 Prozent der Studierenden eine studienerschwerende Beeinträchtigung haben? Im Interview erfahrt ihr von Beraterin Beate Domrös, wie die Beratung Barrierefrei Studieren beim Studium mit Beeinträchtigung unterstützt.

02.10.2020


Transkript des Interviews

Interviewer: Hallo, ich bin Marc vom Werkblatt, und heute reden wir über die Beratung Barrierefrei Studieren. Bei mir sitzt Beate Domrös, sie ist Sozialarbeiterin bei der BBS. Zunächst erst einmal die Frage: Was ist die Aufgabe der BBS?

Beate Domrös: Unsere Aufgabe besteht eigentlich aus drei Schwerpunkten: Zum einen beraten wir zu allen Anliegen und Fragen, die Studierende mit Beeinträchtigung rund um Studium und zum Studienalltag haben können. Als Zweites kann man bei uns personelle sowie auch finanzielle Hilfen – die sogenannten Integrationshilfen – beantragen. Damit meine ich Studienassistenzen oder Kommunikationshilfen wie Gebärdensprachdolmetschende. Als Drittes führen wir Seminare und Informationsveranstaltungen durch.

Interviewer: Bei dem Wort „barrierefrei“ denkt man ja zunächst an eine körperliche Beeinträchtigung. Auf wie viele Studierende, die das Angebot der BBS nutzen, trifft das denn zu und wer kommt sonst so zu Ihnen?

Beate Domrös: Mehr als das Doppelte der Beratung führen wir für Studierende mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen durch. Es sind nur gut vier Prozent, wo man die Beeinträchtigung auf Anhieb erkennt. Das heißt, der Mehrheit der Studierenden sieht man ihre Beeinträchtigung gar nicht an.

Interviewer: Sie haben ja jetzt schon die Integrationshilfen erwähnt. Können Sie uns mehr erzählen über diese Arbeit?

Beate Domrös: Ein ganz wichtiger Teil sind dabei die Studienassistenzen. Das ist eine prima Sache, das sind nämlich in der Regel Kommiliton*innen, die solche Tätigkeiten durchführen. Sie unterstützen in verschiedensten Bereichen, zum Beispiel bei Wegen innerhalb der Hochschule. Eine Studienassistenz kann Mitschriften anfertigen, Studienassistenzen können aber auch bei der Organisation und Struktur behilflich sein.

Interviewer: Können Sie uns denn etwas über chronische Erkrankungen erzählen und kann man sich auch mit psychischen Erkrankungen an die BBS wenden?

Beate Domrös: Mit chronischen Erkrankungen meinen wir Erkrankungen mit einer Dauer von mindestens sechs Monaten oder länger. Das können zum Beispiel chronische Magen-Darm-Erkrankungen sein, das können HIV oder Krebserkrankungen sein. Natürlich können sich auch Studierende mit psychischen Erkrankungen an uns wenden, zum Beispiel Studierende mit Depression. Und wir beraten auch Studierende mit Autismus, Legasthenie oder anderen nicht sichtbaren Beeinträchtigungen.

Interviewer: Inwiefern sind denn Studierende mit Beeinträchtigung anders von der aktuellen Corona-Krise betroffen?

Beate Domrös: Manche Studierende berichten tatsächlich von weniger Barrieren, weil zum Beispiel Wege zur oder innerhalb der Hochschule wegfallen. Die Mehrheit der Rückmeldungen von Studierenden bezeichnet aber mehr Barrieren. Das können zum Beispiel Studierende mit Sehbeeinträchtigung sein, weil die verlängerte Bildschirmzeit jetzt auch die Augen noch mehr anstrengt oder weil das Einarbeiten in weitere Portale und Plattformen auch nochmal eine zusätzliche Herausforderung darstellt. Taube Studierende berichten, dass das Gebärdensprachdolmetschen über Videoformate funktioniert, aber dass es in dieser Zweidimensionalität dann auch etwas schwerer verständlich ist.

Interviewer: Inwieweit ist das nicht nur abhängig von der Arbeit der BBS, sondern auch von der Umsetzung der Hochschulen, wie gut auf die Belange der Studierenden mit Beeinträchtigung eingegangen wird?

Beate Domrös: Das spielt eine große Rolle! Dabei stellt sich die Frage: Wie barrierearm werden die Onlineformate angeboten? Damit meine ich zum Beispiel das Untertiteln von Veranstaltungen.

Interviewer: Welche Themen stehen denn jetzt aktuell bei der BBS an und was planen Sie für das kommende Digitalsemester?

Beate Domrös: Im Moment prüfen wir, wie wir unsere Formate als Onlineformat gestalten können.

Interviewer: Dann bedanke ich mich für das Gespräch! Wenn ihr euch noch mehr informieren wollt über die Arbeit der BBS oder euch für einen Job als Studienassistenz interessiert, dann schaut doch mal auf die Website des studierendenWERKs Berlin. 

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