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Menschen vor der Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße

Unterscheidet ihr noch zwischen Ost und West?

Spielt die Herkunft aus Ost- oder Westdeutschland bei den Nachwendekindern eigentlich noch eine Rolle?

10.11.2020

Mandy

von Mandy Krause

„Ach, bist du Ossi?", fragte mich letztens der Freund einer Freundin. „Ja bin ich", sagte ich dann. Eine der häufigsten Reaktionen ist daraufhin, dass man das bei mir ja gar nicht hören könne. Obwohl ich 1992 geboren bin, und deshalb lieber sage, ich sei als „gesamtdeutsches“ Kind statt als „ostdeutsches“ Kind geboren, scheinen mit der Frage über die Herkunft innerhalb Deutschlands Assoziationen im Kopf anfangen zu rattern.

Ich gehöre zur Nachwendegeneration – der ersten „gemeinsamen“ Generation, die das geteilte Deutschland nicht mehr selbst erlebt hat. In einer im Februar 2019 erschienenen Studie der Otto-Brenner-Stiftung wird genau solchen Wahrnehmungen innerhalb der Nachwendegeneration auf den Grund gegangen. Die Frage, ob es noch einen Unterschied macht, ob man aus West- oder Ostdeutschland kommt, beantworten 65 Prozent der Ostdeutschen und 41 Prozent der Westdeutschen mit einem tendenziellen Ja. Es sieht also ganz danach aus, als würde dieser Unterschied unter den Ostdeutschen mehr von Bedeutung sein. Differenziert wird aber nach wie vor in ganz Deutschland.

In meinem privaten Umfeld ist das aber erfreulicherweise ein nebensächliches Thema. Stellen wir doch kleine Unterschiede fest, so nehmen wir diese mit Humor. Gott sei Dank, denn Deutschland ist seit 30 Jahren wiedervereinigt. Die Frage nach der Herkunft erübrigt sich doch damit irgendwie.

Viktoria

von Viktoria Eckert

Die Deutsche Einheit feiert 2020 bereits 30. Jahrestag. Ein guter Anlass, um dieses Ereignis einmal aus der Perspektive von Studierenden zu betrachten und die Existenz von Klischees à la „Ossi“ bzw. „Wessi“ zu hinterfragen.

Ein Großteil der aktuellen Studi-Generation wurde schließlich erst nach diesem historischen Ereignis geboren, ein geteiltes Deutschland kennen deren Angehörige lediglich aus Erzählungen der Eltern- und Großelterngeneration oder aus dem Geschichtsunterricht.

Ich gehöre selbst zu besagter Generation junger Leute  und meine ostdeutsche Herkunft spielte im Gespräch mit Kommiliton*innen oder innerhalb des Studierendenwohnheims noch nie eine Rolle, geschweige denn irgendwelche Vorurteile. Klar, beim ersten Kennenlernen im Seminar- bzw. Gemeinschaftsraum kommt dann schon mal die Frage auf, aus welcher Ecke Deutschlands man den Weg nach Berlin gefunden hat - aber irgendeinen „dummen“ Ossi-Spruch habe ich in einer solchen Situation noch nie erlebt. Es ist wohl wirklich so, dass die frühere innerdeutsche Teilung in meiner Generation weitgehend überwunden ist  obgleich auch wir uns selbstverständlich mit unserer Heimat identifizieren. Ob diese Heimat nun im Osten oder Westen der Bundesrepublik liegt, vielleicht auch irgendwo anders auf dieser Welt, ist unter Studierenden heutzutage nicht mehr der Rede wert.

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