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Uni von Zuhause: Wie läuft das digitale Studium?

Dieses Sommersemester ist ganz und gar nicht normal.

11.05.2020

von Mascha Malburg

Die Coronavirus-Pandemie hat den Lehr-, Studien- und Arbeitsalltag der Universitäten völlig auf den Kopf gestellt. Der überwiegende Teil der geplanten Veranstaltungen findet nun digital statt. Drei Studentinnen haben uns erzählt, welche Erfahrungen sie bisher im Online-Semester gemacht haben.

Gesa, M.A. Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation, Universität der Künste

Insgesamt bin ich positiv gestimmt, was das Online-Semester betrifft. Ich habe das Gefühl, dass Studierende und Lehrende die Situation nutzen, um kreative Lösungen zu finden und gemeinsam neue Formate zu entwickeln, die auch in Zukunft Anwendung finden können.

Wir haben wirklich sehr engagierte Lehrende. Das Medienhaus der UdK hat einen eigenen digitalen Klassenraum gestaltet, in welchem wir in bestimmten Modulen arbeiten. Diese beinhalten Diskussionsräume für Studierende und Dozierende, Videocalls und Livestreams für Vorlesungen. Ich denke, dass die Möglichkeiten an dieser Stelle noch längst nicht ausgeschöpft sind und ich bin mir sicher, dass wir im Laufe des Semesters weitere praktische Funktionen kennenlernen werden.

Der Vorteil von meinem Studiengang ist, dass wir digital sehr gut arbeiten können. Problematisch ist es für Künstler*innen an der UdK, da die Ateliers und Proberäume zu sind und kein Face-to-Face-Unterricht stattfinden kann. Das Motto der UdK ist, Synergien zu nutzen und Seminare anzubieten, die interdisziplinär ausgerichtet sind. Zudem gab es einen Open Call der Uni mit dem Aufruf für Studierende, sich zu engagieren und selbst Seminare zu Themen zu entwickeln, die uns und andere interessieren.

Die aktuelle Situation erfordert mehr Eigenverantwortung und Eigenorganisation der Studierenden, da die Diskussion ins Digitale verlagert wird und wir deutlich weniger Präsenzzeit und mehr Selbststudium im Sinne von Produktion und Gestaltung haben. Zudem erfordert die Situation eine sehr gute Kommunikation von Seiten der Dozierenden und auch der Studierenden.

Vilu, Rechtswissenschaft, Humboldt-Universität

Wie gut die digitale Uni klappt, kommt auf den Professor oder die Professorin an, darauf, wie sicher sie sich mit der Technik und auch selbst fühlen. Eine Professorin war sich nicht sicher, wie sie die Vorlesung online umsetzen soll und obwohl sie Folien hat, sehen wir diese in der Vorlesung nicht. Sie lädt sie vorher hoch und dann sollen wir ihr Fragen schicken, die sie dann während der Zoom-Vorlesung mit uns besprechen kann. Am Anfang hat sie uns auch gebeten, unsere Videos anzumachen, weil sie sich seltsam fühlt, so ohne jegliches Feedback in die Kamera zu reden. Ein anderer Professor nimmt alles im Vorhinein auf: In der Ecke sieht man dann sein Sprechervideo, er teilt seinen Bildschirm während der Zoom-Veranstaltung und dadurch sehen wir alle Folien. Er hat von Anfang an ganz klar dazu aufgerufen, dass wir einfach reinreden sollen, wenn wir etwas sagen wollen. Er probiert wirklich, eine Interaktion mit uns hinzubekommen, was auch einigermaßen funktioniert.

Insgesamt finde ich, dass sich alle sehr bemühen, uns Studierende bei Fragen zu unterstützen. Nur ist es beim digitalen Lernen schwieriger, einzuschätzen, wie die anderen Studierenden auf Fragen reagieren, also ob man selbst gerade eine relevante Frage stellt, die auch wirklich alle haben. Ansonsten wurde alles relativ schnell organisiert und ich finde es gut, dass versucht wurde, das komplette Programm zu ersetzen.

Mette, M.A. Kunstgeschichte im globalen Kontext, Freie Universität

An der FU haben wir Webex, so etwas wie Zoom. Die FU hat dafür die Lizenz gekauft, sodass jeder eingeschriebene Studierende einen Account hat. Das finde ich gut, denn ich habe gehört, dass Zoom Datenschutzprobleme hat und ich finde es ein bisschen schwierig, das als Uni zu verantworten. Die Seminare an sich funktionieren gut, was daran liegt, dass immer irgendjemand aus dem Kunstgeschichte-Lehrapparat gelernt hat, wie all diese Webex-Anwendungen funktionieren und das dann an die verschiedenen Dozierenden weitergegeben hat, sodass die alle ungefähr verstehen, wie es geht.

Schwierig ist die Meldefunktion: Offiziell meldet man sich, indem man auf eine kleine Hand drückt und dann kann der Dozierende das in der Teilnehmerliste sehen. Manchmal bemerkt der Dozierende das sehr lange nicht und dann muss man einfach lossprechen oder real die Hand in die Kamera halten, um zu zeigen: „Hey, ich melde mich!“. Außerdem bin ich gestern nach einer kurzen Unterbrechung in eine Anwendung nicht mehr hineingekommen, weil der Link zum Meeting abgelaufen war. Das war blöd. Ansonsten ist es wie immer, aber es ist natürlich schade, dass man durch die Situation nicht in die Uni fährt und Leute kennenlernt. Ich bin im zweiten Semester und habe in meinem Studiengang jetzt noch nicht so viele Freunde.

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