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TempSta – Der Gewinner des TROPHELIA 2019

Einmal im Jahr schreibt der Forschungskreis der Ernährungsindustrie den bundesweiten Food-Innovation-Wettbewerb TROPHELIA aus. Werkblatt hat mit einer der Gewinner*innen gesprochen.

07.06.2019

von Celia Parbey

Gesucht werden talentierte Studierende der Lebensmittelwissenschaften, die gemeinsam in Gruppenarbeit innovative Lebensmittelprodukte konzipieren. Das Siegerprodukt soll hierbei nicht nur besonders originell, sondern vor allem auch nachhaltig produziert werden. Die sechs besten Teams von Hochschulen aus ganz Deutschland kommen dafür jährlich in Bonn zusammen, um ihre Produkte vor einer Jury zu präsentieren. 2019 kam das Gewinnerinnenteam von der Technischen Universität Berlin – der zweite und dritte Platz wurden ebenfalls von TU-Studierenden belegt. Mit ihrem gesunden Kräcker „TempSta“ konnten die fünf Studentinnen Cigdem Özbilen, Carla Großpietsch, Sakurako Yagami, Imani Reiser und Deborah Becker, die Jury restlos überzeugen. Wir haben uns mit Deborah Becker unterhalten.

Wie seid ihr auf den TROPHELIA-Wettbewerb gestoßen?

In unserem Studiengang Lebensmitteltechnologie an der TU Berlin gibt es ein Wahlpflichtfach, in dem die Teilnahme an dem Wettbewerb integriert ist. Im Rahmen des Moduls bekommen die Studierenden einen Einblick in die tollen, innovativen Techniken im Lebensmittelherstellungsbereich. Davon lässt man sich inspirieren und denkt sich in der Gruppe dann ein Produkt aus, um an dem Wettbewerb teilzunehmen. 

Und wie kamt ihr in eurer Gruppe auf die Idee für den TempSta?

Das war ein relativ langer Prozess. Es gibt wahnsinnig viele Produkte auf dem Markt zu kaufen. Am Anfang waren wir etwas überfordert, weil wir nicht wussten, was überhaupt noch gebraucht wird. Wir fünf waren uns aber ganz schnell einig, dass wir ein recht simples, regionales Produkt mit kurzer Zutatenliste produzieren wollten.

Irgendwie sind wir dann auf das Fermentationsprodukt Tempeh gekommen. Das ist im europäischen Bereich noch recht unbekannt und wird eigentlich aus Sojabohnen hergestellt. Die werden aber größtenteils importiert. Genau das wollten wir aber nicht. Wir haben dann angefangen, andere Hülsenfrüchte auszuprobieren. Nach einer Weile des Herumexperimentierens kamen wir auf die Erbse und die Idee einen gesunden Kräcker daraus herzustellen: den TempSta.

Kannst du die Zusammensetzung des TempSta noch einmal genauer erklären?

Das Schöne ist, dass unser Kräcker zu 90 Prozent aus grüner Erbse besteht – unser Hauptrohstoff, den wir in Bioqualität aus Deutschland beziehen. Anschließend braucht man tatsächlich nur noch eine Starterkultur. Das ist ein vollkommen unbedenklicher Edelschimmelpilz. Dann nur noch ein bisschen Apfelessig und einen Hauch Öl hinzufügen. Schon ist der Kräcker geboren.

Und wie schmeckt das Ganze dann?

Nicht direkt nach Erbse. Es hat eher die Konsistenz von Brot. Tempeh hat einen leicht nussigen Geschmack und der Kräcker selbst ein Röstaroma würde ich sagen.

Wie lange dauert es den TempSta herzustellen?

Die Fermentation selbst braucht zwischen 24 und 30 Stunden. Der gesamte Prozess einschließlich der Vorbereitung der Fermentation und der Weiterverarbeitung zum Kräcker dauert ungefähr drei Tage.

Und wie geht es für euch und das Produkt jetzt weiter?

Im Oktober fahren wir zum europäischen Wettbewerb ECOTROPHELIA nach Köln und messen uns dort mit internationalen Konkurrent*innen. Das wird nochmal eine Nummer größer. Wir vertreten dort Deutschland im Wettbewerb. Ziel ist es, erst einmal erfolgreich teilzunehmen. Bis dahin wollen wir unser Produkt noch weiter optimieren. Die Verpackung ist zum Beispiel noch ein Thema, das wir gerne nachhaltiger gestalten wollen.

Gibt es Pläne den Riegel auf den Markt zu bringen? 

Wir spielen mit dem Gedanken, weil wir wirklich viel positives Feedback bekommen haben. Wir stehen hinter unserem Produkt und würden das auch selbst kaufen. Das ist ein großer Ansporn.

Es ging aber alles sehr schnell. Und wir sind noch ziemlich überwältigt. Wir müssen jetzt erst einmal zur Ruhe kommen und überlegen, wie wir das Ganze anpacken. Es ist relativ einfach, den Kräcker im kleinen Stil für den Wettbewerb zu produzieren. Im großen Maßstab sieht das natürlich anders aus. Wir sind aber auf jeden Fall motiviert.

So sieht das fertige Produkt aus. © FEI

Dr. Georg Böcker (Sprecher der TROPHELIA-Jury; links) überreicht dem TempSta-Team den 2000-Euro-Scheck. Freuen sich mit dem Team: Die Betreuerinnen Prof. Dr. Cornelia Rauh (2. v. rechts) und ihre Mitarbeiterin Nele Märtens (rechts). © FEI

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