Foto: Jana Judisch/ STW BERLIN

#tassenfassen: Die Hintergründe

Das studierendenWERK verbannt Pappbecher aus den Mensen und steht jetzt vor einem Problem, mit dem niemand gerechnet hat.

13.05.2019

von Cosmia Kopp

Entlaufene Porzellantassen. Gesichtet wurden sie in einer U-Bahn-Station, auf offener Straße und in Hörsälen. Mit Fahndungsfotos versucht das studierendenWERK nun Aufmerksamkeit zu gewinnen. Wie kam es dazu, dass Tassen aus den Mensen entwendet werden?

Nachdem die Preise von Heißgetränken in Pappbechern über Jahre kontinuierlich erhöht wurden, fiel 2018 die Entscheidung: Pappbecher wird es zum Jahresanfang 2019 nicht mehr geben. Eine mutige Entscheidung. Berlin hat als das einzige von 57 Studentenwerken in Deutschland diese radikale Entscheidung getroffen. Doch dieser Schritt kam nicht plötzlich, sondern entwickelte sich über die Jahre. Als der Zuschlag für Pappbecher 2018 bei 40 Cent lag, fielen auch die Verkäufe von To-go-Getränken. Im August 2018 wurden unter 10 Prozent der Heißgetränke in Pappbechern mitgenommen. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 waren es noch 70 Prozent.

Jedoch steht das studierendenWERK nun vor einem neuen Problem: Anstelle der Pappbecher nehmen die Kund*innen die Porzellantassen mit. Diese finden sich jetzt überall auf dem Campus wieder. Über 3000 Tassen sind mittlerweile allein auf dem Campus der FU seit Beginn des Jahres abhanden gekommen. Das Problem besteht jedoch an allen Berliner Standorten.

Der Trend einen Kaffee nur noch to-go zu trinken, scheint mittlerweile zu fest gesellschaftlich verankert zu sein. Doch der To-go-Lifestyle geht auch in ökologisch. Als Alternative zum Pappbecher können vor Ort in den Mensen Becher aus Porzellan oder Bambus erworben werden. Fünf Euro kostet ein Exemplar. Und wer seinen eigenen Becher mitbringt, bekommt sogar Rabatt auf die Heißgetränke.

Eine Porzellantasse kostet das studierendenWERK ca. einen Euro. Das klingt nicht nach viel, doch auf das Jahr hochgerechnet wären dies mehrere tausend Euro. Das würde sich zwangsläufig auf den Verkaufspreis auswirken. Ein Tassenpfandsystem wäre logistisch derzeit nicht realisierbar, da die Abläufe in den Mensen sehr präzise aufeinander abgestimmt sind. Und ein Rückgabesystem, beispielsweise in Form eines Automaten, müsste in dieser Form erst entwickelt werden.

Falls ihr entlaufene Tassen auf dem Campus seht, bringt sie zurück in die nächstgelegene Mensa. Ihr tut damit nicht nur dem studierendenWERK und der Natur einen Gefallen, sondern auch euch selbst. #tassenfassen

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