Foto: Sara Feilen / stW BERLIN
Blick vom Pubikum auf die Bühne

Lyrischer Abend unter freiem Himmel

Seit Anfang Juni finden regelmäßig Events auf dem Charlottenburger Steinplatz statt – ob Schachturnier oder Jonglierworkshop, das studierendenWERK bietet ein abwechslungsreiches Open-Air-Programm. Ich war zu Gast auf einer stimmungsvollen Lesung.

08.07.2021

von Viktoria Eckert

Es ist Dienstagabend und ich seit längerer Zeit mal wieder auf dem Weg zu einer Live-Veranstaltung mit Publikum. Genauer gesagt handelt es sich dabei um eine Lesung des interkulturellen und mehrsprachigen Schreibprojekts TextTransit, das 2020 vom Kulturbereich des studierendenWERKs ins Leben gerufen wurde. An diesem lauen Juniabend steht die Präsentation ihres „Zwischenstücks“ an, dem Abschluss- und Höhepunkt der Schreibgruppe des vergangenen Semesters – aufgrund von Corona überhaupt die erste Live-Lesung aller Autor*innen. Das Wetter zeigt sich trotz anderslautenden Vorhersagen von seiner besten Seite und nach kurzer Einweisung und Versorgung mit einem kühlen Getränk ist das Publikum bereit für einen Abend voller Lyrik. 

Die Begrüßung erfolgt durch Theresa Brehm vom studierendenWERK, und die Leiterin der Schreibgruppe, die Berliner Autorin Yael Inokai, richtet im Anschluss ein paar einleitende Worte an die Zuhörenden. Sie begleitete die Autor*innen in den vergangenen Monaten, sorgte immer wieder für neue Impulse und eine kreative Weiterentwicklung. Den Anfang macht ein mehrsprachiges Stück von Jara Nassar, gefolgt von einer kurzen Fragerunde. Nun ist der 21-jährige Daniel Beschareti an der Reihe. Er beschreibt in seinem Text sehr detailliert das Innenleben eines Hochhauses in einem Berliner Wohnviertel, von ihm beschriebene Sinneseindrücke sind in dem Moment nahezu greifbar und nachzuempfinden. Im darauffolgenden Stück von Mel_anie Irmey geht es u. a. um die wiederkehrende Bewegung eines Akkordeons, welche mir nachhaltig im Kopf bleibt und auf Nachfrage wohl auch ein zentrales Element jenes Textes darstellt.

Nach einer Stunde gibt es eine 15-minütige Pause, welche zur Erfrischung oder zum Austausch mit den Autor*innen genutzt wird – selbstverständlich unter Einhaltung der Hygiene-Regeln, lediglich am eigenen Sitzplatz durfte die Maske abgenommen werden. Im zweiten Teil der Lesung trägt Oualid El Khattabi sein Stück auf Arabisch vor – und obwohl die Mehrzahl des Publikums die Sprache wohl nicht versteht, war in diesem Moment eine besondere Stimmung auf dem Steinplatz zu spüren. Anschließend las der Student den Text noch einmal in englischr Übersetzung. Im Laufe des Abends gesellten sich übrigens von Zeit zu Zeit auch Passant*innen auf das saftige Grün oder lauschten der Veranstaltung gemütlich vom Balkon aus.

Viele Autor*innen präsentieren nun einen weiteren Text, was stets mit Applaus von Seiten des Publikums und einer kleinen Fragerunde abgerundet wird. Das letzte Stück des Abends kommt von Jara Nassar und handelt vom unvergesslichen Zusammentreffen mit einer alles andere als gewöhnlichen Taube – einzigartig und mit viel Humor vorgetragen. Ob es sich dabei tatsächlich um eine wahre Begebenheit handelt oder sie das Ergebnis überschäumender Fantasie darstellt, lässt die Autorin offen. – So oder so ist es ein mehr als gelungener Abschluss eines lyrischen Abends unter freiem Himmel.

Die Autor*innen auf der Bühne, Foto: Theresa Brehm / stW BERLIN


P.S.: Die nächste TextTransit-Lesung findet am 15. Juli statt! Einfach anmelden!

#Kultur & Freizeit