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Life in plastic, it’s not fantastic

Ich versuche weniger zu fliegen, esse meist vegan und beziehe Ökostrom. Aber mein Plastikmüll quillt jede Woche über.

26.11.2019

von Mascha Malburg

Geht halt nicht anders, wenn alles bis aufs Kleinste verpackt ist und man keine Kohle für schicke Bioläden hat ­– dachte ich. Dann habe ich Alena und Patrizia bei der Veranstaltung „Plastikfrei leben“ in Ottilies Café kennen gelernt.

Als ich an diesem Nachmittag die Coffeebar c.t. betrete, um in der gemütlichen Frauenrunde von Ottilies Café über das Thema „Plastikfrei leben“ zu sprechen, fühle ich mich gut gewappnet. Schon lange kaufe ich keine Plastiktüten mehr und meine Trinkflasche habe ich auch immer dabei. Außerdem ist mir sehr wohl bewusst, dass mein Plastikmüll nur äußerst selten zu einem neuen Gartenstuhl recycelt wird, sondern viel eher in den Ozeanen Tiere tötet oder ganze Landstriche in Südostasien unbewohnbar macht. Deswegen verzichte ich ja auch darauf – wenn es geht.

Ich setze mich also selbstsicher in den Stuhlkreis der Studentinnen. Während die anderen sich vorstellen, greife ich nach einem Teebeutel und versenke ihn im dampfenden Wasser meiner Tasse. Die leere, glänzende Hülle des einzeln verpackten Beutels bleibt auf dem Tisch zurück. Oh Mist, denke ich. „In 90 Prozent der Teebeutel selbst ist übrigens auch Plastik enthalten, das trinken wir quasi mit“, sagt Alena, die mir gegenübersitzt. Doppelt Mist, denke ich. Für eine Tasse Tee eine völlig unnötige Verpackung und dann auch noch Mikroplastik im Magen ist keine sehr gute Bilanz. Ich glaube, ich sollte meine Selbstzufriedenheit schnellstens entsorgen und Alena zuhören.

Alena versucht seit anderthalb Jahren, auf Plastik zu verzichten. Seitdem werfen sie und ihr Freund monatlich nur noch 200-300 Gramm Plastikmüll weg. Alena findet das viel. Ich finde das sehr beeindruckend. Noch beeindruckender finde ich, dass Alena damit auch noch weniger Geld ausgibt. Das rührt vor allem daher, dass sie insgesamt weniger kauft. Keine neuen Klamotten, kein Krimskrams. Und wie macht sie das mit dem Essen? Alena geht alle zwei bis drei Monate in den Unverpackt-Laden. Dort kauft sie kiloweise Nudeln und Reis und sogar Schokolade in Bruchstücken. Vieles macht sie auch selbst: ein Löffel Haselnussmus wird mit Wasser im Mixer vermischt – fertig ist die günstige Pflanzenmilch. Alles Frische kauft sie lose oder in möglichst großen Verpackungen. Da kann es dann auch mal ein 5-Kilo-Glas Tomatenmark sein. „Schlecht wird das ja nicht“, sagt Alena. Ganz selten, wenn sie mal einen stressigen Tag hat, kauft sie sich eine Tüte Tiefkühlpommes oder abgepacktes Tofu. Aber es ginge ja auch nicht darum, sich alles zu verbieten, meint sie. Ihrem Freund hat Alena auch nichts verboten. Aber irgendwann hat sie seine Shampooflasche durch ein Stück Seife ausgetauscht. „Und er fand das eigentlich super. Er ist in dieser Hinsicht wirklich sehr entspannt“, lacht sie. Mittlerweile geht auch er mit dem Stoffbeutel Brötchen holen.

Bei Patrizia mussten gleich fünf Personen vom Plastikverzicht überzeugt werden. Sie wohnt mit ihrem Mann und den Kindern in Brandenburg, weit weg vom Unverpackt-Laden und der Berlin-Blase, in der alle möglichst nachhaltig sein wollen. „Ich bin in meiner Straße die einzige mit Biotonne“, erzählt Patrizia. Alles hat bei ihr angefangen, als sie vor ein paar Jahren auf Facebook einen Artikel über die Plastikinseln im Meer gelesen hat. Patrizia klickte sich von Link zu Link und eine Plastiksünde nach der anderen flog bei ihr zuhause raus: Bambus- statt Plastikstrohhalme, Essig und Backpulver statt Rohrreiniger, Zitronensäurepulver und Spüli statt Putzmittel. Ihre Kinder versucht sie dabei immer in das Selbermachen mit einzubeziehen. Als Belohnung dürfen sie sich etwas auf dem Flohmarkt kaufen. Wenn Patrizia zu einer Gartenparty eingeladen wird, fragt sie, ob sie sich einen Porzellanteller aus der Küche nehmen darf.  Dafür wird sie von den Gästen mit den Papptellern in den Händen schon mal schräg angeschaut. Und bei ihrer besten Freundin bringt sie sich ihren Kaffee mit, weil die nur eine Maschine mit Kapseln hat. „Das finde ich ok, sie ist ja nicht militant“, sagt die Freundin, die heute auch gekommen ist. Sie sei eigentlich froh, dass Patrizia so lebe. Vieles übernehme sie von ihr.

Und genau darum geht es auch heute bei Ottilies Café. Alena und Patrizia geben wertvolle Tipps zum Nachmachen und zeigen, dass es eben doch anders geht. Am Ende des Abends schaue ich mir die plastikfreien Gegenstände an, die die beiden auf den Tischen ausgebreitet haben. Spülschwämme aus Kupfer, Edelstahlbrotdosen und ein Teesieb liegen da. Stimmt, ein Teesieb, denke ich. Und nehme mir ganz fest vor, morgen meinen losen Tee und ein Sieb von Zuhause in die Uni mitzubringen.

 

 Mehr Tipps, wie du Abfall vermeiden kannst, gibt's hier.

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