Foto: JAN ERIC EULER/DSW
Studentin sitzt am Schreibtisch und lernt

Leistungsfähig im Homeoffice

Die Beraterin und Trainerin Kristina Hermann gibt professionelle Tipps, damit das Studieren im Homeoffice gelingt.

20.04.2020

Gastbeitrag von Kristina Hermann

Homeoffice hat viele Vorzüge. Die Voraussetzung: Die Heimarbeit wird von starker Selbstorganisation getragen. Viele Studierende eignen sich diese im beschleunigten Tempo an, denn sie müssen – wie der größte Teil der Gesellschaft auch – ihre verschiedenen Lebensbereiche nun von zu Hause meistern. Der neue Studienalltag bedeutet, sich selbstständig fachliche Inhalte anzueignen, Vorlesungen online zu verfolgen und den fachlichen und sozialen Austausch mit Kommiliton*innen nur über Social Media-Kanäle ausführen zu können. Die Gefahr liegt auf der Hand: Man kommt nur langsam voran, scheut unliebsame Aufgaben und steht am Semesterende ohne Ergebnisse da. Dabei geht es anders. Unter der Beachtung einiger Spielregeln kann man im Homeoffice sehr wohl produktiv sein und seine Studienziele erreichen.

Trennen Sie strikt Studium und Freizeit

Die erste Regel ist die Wichtigste: Wenn Sie Ihren Tag organisieren, so trennen Sie Studium von anderen Tätigkeiten, wie Hausarbeit, Hobbys oder Kontakt zu Freunden und Familie. Im Mittelpunkt dieser Überlegung steht: Jeder der leistungsfähig sein will, muss sich erholen, auftanken. Das wird nicht gehen, wenn man sich abends noch einen Theorieaufsatz reinzieht. Aus schlechtem Gewissen wohlgemerkt, weil man sich am Tag mit anderen Dingen abgelenkt hat. Das Ergebnis solcher Tage: Im Studium ist man nicht vorangekommen, aber wirklich erholt hat man sich auch nicht.

So simpel, wie wirksam: Schreiben Sie einen Stundenplan

Packen Sie Dinge in eine Reihenfolge und setzen Sie sie in konkrete Zeitfenster:

08:00 – 08:30 Uhr  Statistikaufsatz lesen

08:30 – 09:00 Uhr  Statistikaufgaben durchrechnen

09:00 – 09:15 Uhr  Pause

09:15 – 10:45 Uhr  Physikvorlesung online anschauen und mitschreiben

15:45 – 16:30 Uhr  Teilnahme am Online-Tutorial zu Rechtsgrundlagen für Nicht-Juristen

16:30 – 17:00 Uhr  Englisch-Vokabeln lernen

17:00 – 22:00 Uhr  Feierabend: Einkaufen, mit Freunden telefonieren, Sport machen, Gaming

Machen Sie sich bewusst, dass Sie für jede Aufgabe nur dieses eine Zeitfenster haben. Sobald das Zeitfenster vorbei ist, legen Sie die Aufgabe nieder und fangen mit der nächsten an. Auch wenn man nicht zu 100 Prozent fertig geworden ist.

Dieses Vorgehen entfaltet gerade bei unliebsamen Aufgaben eine sehr starke Wirksamkeit. Wenn man weiß, dass man auch dafür nur ein kurzes, begrenztes Zeitfenster hat und diese Zeit auch nicht nachholen kann, ist man viel motivierter, die Aufgabe anzupacken und hinter sich zu bringen.

Fokus setzen

Zügig arbeiten und sich bloß nicht ablenken. Genau. Wie soll das gehen? Ordnen Sie Ihren Schreibtisch so, dass während einer Aufgabe exakt nur die Dinge auf dem Tisch liegen, die zu dieser Aufgabe gehören. Andere Fachbücher, die Briefe vom BAföG-Amt und auch das Smartphone gehören in die Schublade. Mit Freunden telefonieren oder chatten? Vereinbaren Sie auch dafür Zeitfenster und genießen Sie diese Auszeiten. Kehren Sie dann pünktlich zu Ihrem Stundenplan zurück.

Die eigentliche Herausforderung ist aber die Online-Vorlesung. Wie leicht öffnet man hier ein anderes Browser-Fenster und sucht plötzlich ein Rezept für das Abendessen oder liest mal schnell Spiegel-Online von oben nach unten durch. Drei wesentliche Tipps: Hören Sie sich alle Online-Sessions im Stehen an. Stellen Sie den Laptop zum Beispiel auf eine Kommode oder in ein Regal. Machen Sie in den Phasen, in denen Sie nicht mitschreiben müssen, leichte Dehnungsübungen für Kopf, Nacken und Rücken oder kneten Sie einen Anti-Stress-Ball. Und nicht zuletzt: Wenn Sie merken, dass Sie die Inhalte der Vorlesung überhaupt nicht voranbringen und Sie sich eh alles durch Fachaufsätze erarbeiten müssen: Brechen Sie die Vorlesung umgehend ab. Und nutzen Sie das verbliebene Zeitfenstern zur Arbeit an den Fachaufsätzen.

Machen Sie Pausen

Verblüffend, aber wahr: Viele Studierende wissen nicht, wie man eine erholsame Pause macht. Mit einem belegten Brot vor dem Rechner sitzen und von Chat zu Chat springen, führt zu mehr Erschöpfung. Der wichtigste Punkt: immer in einen anderen Raum gehen. Nur dann erhält das Gehirn die Nachricht: Jetzt ist etwas anders, jetzt darf ich mich erholen. Das kann die Küche sein oder der Hof hinter dem Studierendenwohnheim. Ebenfalls sehr wirksam: Selbst kurze körperliche Bewegung erzeugt einen Schub. Ob Treppensteigen, zu seinem Lieblingslied abtanzen oder einfach nur zehn Kniebeuge machen – schon lacht der Kreislauf auf. Und das Gehirn gleich mit.

Gut starten. Noch besser fertig werden

Gerade weil das Digitalsemester so viele Umbrüche mitbringt und jede Woche neue Informationen reinkommen, sind Routinen so wichtig. Das beginnt mit der Morgenroutine: Stehen Sie in der Woche immer zur gleichen Zeit auf, frühstücken Sie, was Ihnen gute Laune macht und Ihrer Gesundheit gut tut und ziehen Sie sich so an, als würden Sie nach draußen zu einer Vorlesung gehen. Fangen Sie immer zur gleichen Zeit an zu arbeiten. Je automatisierter man das jeden Morgen macht, desto mehr entlastet einen die Routine und verschafft einen zuverlässigen Start in den Tag. Das gleiche gilt für den Abend: Lassen Sie den Stift um 17 Uhr fallen und denken Sie nicht mehr an das Studium. Legen Sie Freizeitaktivitäten auf festgelegte Tage: Montag- und Mittwochabend die Gaming-Challenge mit den Freund*innen, dienstags ein paar Folgen der aktuellen Lieblingsserie und am Donnerstag der Anruf bei den Großeltern. Auch das sind Routinen, die Sie entlasten und stärken. Last but not least: Gehen Sie immer zur gleichen Zeit ins Bett. Sie werden sich auf den nächsten Tag freuen!

 

Kristina Hermann, Jahrgang 1979, ist Beraterin und Trainerin für Change Management, klassisches und agiles Projektmanagement sowie Zeitmanagement. Für das studierendenWERK BERLIN ist sie seit 2017 tätig und berät Führungskräfte wie auch Studierende. Ihr Hauptanliegen ist die Entwicklung von praxistauglichen Lösungen, welche Erleichterung und Zufriedenheit in den Arbeits- und Studienalltag bringen.

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