© Rie Yamada

Interview: Künstlerin Rie Yamada

Die japanische Künstlerin Rie Yamada hat kürzlich im Rahmen des internationalen Ausstellungsprojekts „Emerging Lines“ in Paris ausgestellt.


von Celia Parbey

Kannst du dich selbst einmal kurz vorstellen? Warum hast du damals entschieden, für dein Masterstudium nach Berlin zu kommen?
 
Ich komme aus der Stadt Nagoya in Japan. Deutschland ist für mich aus vielen Gründen ein interessanter Ort zum Studieren. Bereits in Japan war ich von der Becher-Klasse [die von Bernd und Hilla Becher begründete Schule künstlerischer Fotografie an der Düsseldorfer Kunstakademie, Anm. d. Red.] und der Neuen Sachlichkeit inspiriert und fasziniert. Ich halte das Motiv, den Prozess und die Formalisierung der Aufnahmemethoden sowie den historischen und neuzeitlichen Hintergrund für wichtige Bestandteile der Fotografie. Berlin ist eine multikulturelle Stadt, deren Geschichte einen ständigen Wandel durchlebt. Für mich und mein künstlerisches Arbeiten ist hier die Herausforderung, die Geschichte und Fotografie mit meinem Wissen und meiner Erfahrung zu verbinden. Während meines Bachelor- und Masterstudiums in visueller Kommunikation an der Kunsthochschule Berlin Weißensee empfand ich es als eine Bereicherung, mich in anderen gestalterischen Gebieten auszuprobieren und mich nicht nur mit der Fotografie zu beschäftigen – so zum Beispiel die Buch- oder Ausstellungsgestaltung. Durch das bereichsübergreifende Denken habe ich meine Arbeitsweise hinterfragen und optimieren können.

Du hast im Rahmen des „Emerging Lines“-Projektes bereits in Paris ausgestellt. Was für eine Ausstellung hattest du damals in den Räumen des CROUS Paris konzipiert?

Ich stelle meine Arbeit: „Familie werden“ immer im gleichen Stil aus. Dieser Stil zeigt die Familienfotos, die ich nachgespielt habe, und die Alben, die ich aus den ursprünglichen Familienfotos produziert habe.

Wie würdest du deine Arbeit beschreiben?

Fotografie ist ein Medium, mit dem ich Geschichten und Themen visualisieren kann. Anstatt durch Fotografie eine Antwort zu finden, benutze ich das Medium, um den Betrachter*innen und mir selbst die Wahrnehmungen zu vermitteln, die ich durch meinen Prozess und meine Forschung erhalte. Der fotografische Prozess meiner letzten Arbeit, wie auch meiner aktuellen Arbeit, geht in die Richtung einer Performance, und das visuelle Produkt ist eine Dokumentation dieses Prozesses. Mein zentrales Familienthema ist dabei ein Thema, das sich besonders gut mit dem fotografischen Medium verträgt.

Deine Kunst hat schon für viel Aufmerksamkeit gesorgt und du wurdest zum Beispiel schon vom WIRED-Magazin interviewt. Wie fühlt es sich an, auch international ein so positives Feedback auf deine Arbeit zu bekommen?
 
Ich bin selbst überrascht. Wenn eine Ausstellung fertig ist, kommt die nächste Ausstellungsanfrage, und wenn der Interviewartikel veröffentlicht wird, kommt die nächste Interviewanfrage. Ausstellung und Interviews verbinden sich wie eine Brücke. Ich kann neue Perspektiven und Gedanken entdecken, indem ich Fragen beantworte und Kommentare von Interviewern und Ausstellungsbesuchern lese.

Welche weiteren Projekte stehen für dich in der Zukunft an?

Mein letztes Projekt „Familie werden“ ist der erste Teil einer dreiteiligen Serie, die sich mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Familie beschäftigt. Der zweite Teil der Serie, an dem ich gerade arbeite, befasst sich mit der Erforschung der heutigen Familienformen, indem ich an „Partner Hunting“ -Veranstaltungen teilnehme und die Dienste von „Mietfamilien“ in Japan in Anspruch nehme. Der dritte Teil befasst sich mit mir und meiner zukünftige Familie. Durch das Projekt bearbeite ich die Frage, „Was ist Familie?” und wie interpretiert oder fasst man eine solche auf.

 

Mehr zum Projekt "Emerging Lines" könnt ihr hier nachlesen.

 

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