Foto: FELIX NOAK
Studentin sitzt mit ihrem Laptop auf dem Bett

Hausarbeiten schreiben in Pandemiezeiten

Das Verfassen von Hausarbeiten sorgt bei Studierenden generell für wenig Begeisterung, in Zeiten von Corona ergeben sich oftmals zusätzliche Schwierigkeiten.

06.04.2021

von Viktoria Eckert

Das Werkblatt hat dazu mit Julian Maresch gesprochen, er ist Schreibtutor im Schreibzentrum des studierendenWERKs BERLIN. 

 

Hausarbeiten schreiben in Pandemiezeiten – ist das deiner Erfahrung nach einfacher oder schwieriger?

Leider zeigen meine Erfahrungen mit den Beratungen seit der Pandemie, dass es vielen Studierenden sehr viel schwerer fällt, Hausarbeiten und Abschlussarbeiten in Zeiten von Corona zu schreiben – selbst solchen, denen es davor vergleichsweise leichtgefallen ist. Gründe, die dabei immer wieder genannt werden, sind z. B. Konzentrationsschwierigkeiten von zu Hause aus oder die Unmöglichkeit, an anderen Orten zu arbeiten.

Haben die Leute, die zur Schreibberatung kommen, andere Probleme als vor Corona?

Ja und nein. Ich würde sagen, dass die grundlegenden Probleme bleiben – also beispielsweise eine gute Fragestellung oder kleine, überschaubare Aufgaben zu formulieren, die leicht abzuarbeiten sind. Zu diesen bereits vorhandenen Probleme kommt aber bei fast allen Studierenden eine erhöhte Schwierigkeit hinzu, von zu Hause aus konzentriert, diszipliniert und engagiert an ihren Schreibprojekten zu arbeiten.

Klagen Studierende aktuell vermehrt über Schreib- und Motivationsprobleme?

Genau das sind die Probleme, die mittlerweile noch häufiger auftreten als vorher – selbst bei den Studierenden, die sich eigentlich auch selbst als sehr engagiert und diszipliniert wahrgenommen haben. Ich denke, es ist auch wichtig, dass sich die Studierenden immer wieder selbst darüber bewusst werden, dass sie nach wie vor in einer extremen Ausnahmesituation leben, die aufgrund ihrer langen Dauer nur aufgehört hat, sich wie eine anzufühlen. Und dass es helfen kann, sich immer wieder vor Augen zu halten, dass es den anderen Studierenden auch so geht. In diesen Zeiten seine eigenen Ansprüche an sich selbst angesichts der besonderen Situation zu reflektieren und realistische Pläne zu erarbeiten, kann eine Hilfe darstellen.

Was sind die häufigsten Herausforderungen für Studierende, wenn es um das Verfassen einer Haus- oder Abschlussarbeit geht?

Da das wissenschaftliche Arbeiten aus sehr vielen Aufgaben besteht, die gleichzeitig unter einen Hut gebracht werden müssen, also beispielsweise dem Schreiben von kongruenten, orthographisch und grammatikalisch korrekten, als auch sprachlich schönen Texten, die dann auch noch mit den richtigen Quellen an den richtigen Stellen unterfüttert werden müssen, ist es oft hilfreich, sich einmal der Vielschichtigkeit dieser anfangs scheinbar unüberwindbaren Aufgabe bewusst zu werden. Da den Anfang zu finden, fällt vielen schwer.

Wie gehst du persönlich mit Schreibblockaden und näher rückenden Deadlines um?

Eines meiner absoluten Steckenpferde ist die Pomodoro-Methode geworden. Dabei geht es darum, sich vor dem Arbeiten konkrete Aufgaben zu stellen, die man dann in 25-minütigen Arbeitseinheiten mit 5-minütigen Pausen zwischendurch abarbeitet. Das mag sich simpel anhören, aber mir hilft es sehr, zu wissen, dass ich mich erstmal nur für 25 Minuten konzentrieren muss. Wenn es dann wirklich darum geht, mit Zeitdruck mehrere Sachen gleichzeitig abzuarbeiten, führe ich auch immer einen Wochenplan, der mir genaue und nicht verhandelbare Arbeits-, aber auch Pausenzeiten vorgibt. Das hilft mir, mich zu den eigentlichen Arbeitszeiten zu konzentrieren, aber danach auch abschalten zu können. Wenn es aber nicht unbedingt sein muss, lasse ich diesen letzten Schritt gerne weg, denn ich finde es auch toll, nicht jeden Aspekt meines Lebens im Voraus planen zu müssen.

Verrätst du den Leser*innen zum Schluss bitte noch ein paar Tipps und Tricks, die das Schreiben einer Haus- oder Abschlussarbeit in jedem Fall erleichtern?

Hier kann ich gerne nochmal ein paar Sachen zusammenfassen, die ich auch schon im Laufe des Interviews gesagt habe: Aufgaben in überschaubare Teilaufgaben herunterbrechen, eine Fragestellung festlegen, regelmäßige Arbeits- und Pausenzeiten einzuhalten, aber auch immer wieder über die Arbeit und den Arbeitsprozess zu sprechen und zu reflektieren, können das Arbeiten an wissenschaftlichen Texten auf Dauer angenehmer – und manchmal sogar spaßig machen. Gerade beim Gespräch über die Haus- oder Abschlussarbeit können wir als Schreibtutor*innen im Schreibzentrum des studierendenWERKs dabei dem einen oder der anderen das Ohr leihen, das die Freund*innen vielleicht nicht immer bereit sind zu geben. Wenn ihr merkt, dass ihr feststeckt, dann macht doch einfach mal einen Beratungstermin mit uns aus, denn unsere ausgebildeten Schreibberater*innen sind nicht nur gute Zuhörer*innen, die größtenteils selbst noch studieren, sondern haben auch den einen oder den anderen Trick auf Lager, der euch das Arbeiten etwas erleichtern kann. Wir freuen uns auf euch!

 

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