Foto: Felix Noak

Hast du BAföG beantragt?

Immer weniger Studierende finanzieren ihr Studium mit BAföG. Doch woran liegt das?

25.11.2019

von Cosima Kopp

Als ich vor drei Jahren mein Studium anfing, war mir klar, dass ich BAföG bekommen würde. Zum Studium war ich nach Berlin gezogen, wohne zur Miete in einer eigenen Wohnung und meine Mutter arbeitet im Einzelhandel. Im Vorfeld hatte ich schon viele Geschichten gehört, von “der Antrag ist viel zu lang und kompliziert” bis zu “ich bekomme viel zu wenig, da arbeite ich lieber”. Und ich muss zugeben: Ja, der Antrag kann beim ersten Ausfüllen wirklich nervig sein, besonders spezifische Begriffe sorgten bei mir nicht nur einmal für Verwirrung.

Mittlerweile habe ich den Antrag schon so oft ausgefüllt, dass ich das auch schon im Schlaf machen könnte. Und Dank BAföG-Online mit dem praktischem Uplpoad-Portal kann ich immer wieder auf meine gespeicherten Daten vom letzten Jahr zurückgreifen.

Die Anzahl von Studierenden, die BAföG beziehen, sinkt seit Jahren stetig. Im Jahr 2018 erhielten nur noch rund 518.000 Studierende bundesweit BAföG, das sind etwa 7 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch in meinem Freundeskreis stellte ich fest: Kaum jemand bezieht BAföG. Die meisten haben nicht einmal den Online-Rechner ausprobiert, geschweige denn einen Antrag gestellt. Doch woran liegt das? Um der Frage auf den Grund zu gehen, habe ich andere Studierende gefragt: Hast du BAföG beantragt? Und wenn nicht, was sind deine Gründe dafür?

“Ich habe es nicht beantragt, da meine Eltern zu viel verdienen”, war wohl die häufigste Antwort auf meine Frage. So auch bei einem Studierenden, der mir erzählte, dass er von seinen Eltern finanziell unterstützt wird, obwohl sie nicht reich sind. Trotzdem verdienen beide als Lehrer bzw. Lehrerin zu viel, damit er BAföG-berechtigt wäre. Elternunabhängiges BAföG gibt es nur in Ausnahmefällen, wenn zum Beispiel vor dem Studium bereits eine betriebliche  Ausbildung absolviert wurde und danach für mehrere Jahre gearbeitet wurde.

Zur Berechnung des BAföG-Satzes zählt außerdem das eigene Vermögen, hiervon bleiben 7.500 Euro  anrechnungsfrei  (8.200 Euro ab Herbst 2020). Das Vermögen der Eltern wird nicht mit eingerechnet. Daher hat ein anderer Student gar nicht erst über die Stellung eines Antrags nachgedacht, da er ein zu hohes Eigenkapital besitzt.

“Ich habe keinen Antrag gestellt, da mir bereits durch diverse Rechner klar war, dass ich nichts bekommen werde. Meine Mutter starb kurz vor dem Beginn meines Studiums und ich habe einen Anteil an unserem Haus geerbt. Mein eigenes Vermögen war zu hoch, obwohl das natürlich gebunden war. Ohne das hätte ich sogar fast den Höchstsatz bekommen”, erzählt ein anderer Student.

Dem gegenüber stehen diejenigen, die sich ihr Studium selbst finanzieren. Viele berichten von ihrem Teilzeitjob in der Gastronomie, in Einkaufsläden oder als Promoter. Die Freiheit, nicht darauf achten zu müssen, wie viel man verdient, schätzen sie wert. So erhielt eine Studentin in ihrem ersten Studienjahr BAföG, entschied sich dann aber dazu, sich fortan durch diverse Jobs zu finanzieren, da sie dadurch mehr Geld zur Verfügung hat. Was vielen jedoch nicht bewusst ist: Ein Minijob kann BAFöG gut ergänzen, da bis zum Brutto von 450 Euro das BaföG nicht gemindert wird. Nur ein höherer Betrag wird zum Teil vom BaföG abgezogen.

Ein weiterer Grund gegen einen Antrag scheint bei vielen Unsicherheit zu sein. Beispiele wie “ich schaffe keine Regelstudienzeit” und “ich war mir unsicher bezüglich des Studiengangs” zeigen, dass BAföG auch eine Verpflichtung ist. Es gibt jedoch Ausnahmen und auch bei Überschreitung der Regelstudienzeit und beim Fachrichtungswechsel  kann in vielen Fällen weiter BAföG bezogen werden. Nach meiner Erfahrung lohnt es, sich direkt vor Ort im BAföG-Amt persönlich beraten zu lassen.

Die Gründe dafür, BAföG nicht zu beantragen, sind divers und individuell. Abschließend lässt sich jedoch sagen, dass jede*r zumindest den Online-Rechner machen sollte. Selbst ein geringer Satz kann hilfreich sein, denn bei den wenigsten stammt das verfügbare Geld aus nur einer Quelle. So setzt sich dies oftmals aus Kindergeld, BAföG und Einkommen durch einen Minijob zusammen.

 

Warum sich ein Antrag lohnt und was sich mit der BAföG-Novelle für euch verbessert, könnt ihr hier nachlesen.

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