Foto: Felix Noak / stW BERLIN
Sohn und Eltern streiten sich

Friede, Freude, Crêpe: einen Konflikt richtig lösen

Wir geraten schnell rein, und umso schwerer wieder raus. Die Rede ist von einem Konflikt. Ihn richtig zu lösen, erfordert einiges an Arbeit.

27.05.2021

von Mandy Krause

Im Workshop „Konstruktiver Umgang mit Konflikten“ sind wir uns schnell darüber einig: Konflikte kennt jeder, doch sie richtig zu bewältigen klappt nicht immer ganz. Stellen wir uns deshalb folgendes Szenario vor: Alex zieht sich abends gern zum Zocken zurück. Ulli meckert. Alex zieht sich zum Zocken zurück und Ulli meckert. Alex zieht sich … oder, wo ist hier eigentlich der entsprechende Exit?

Am Anfang braucht es einen Namen

Was Alex und Ulli erleben, ist eine Streiterei, die viele von euch auf Anhieb vor Augen haben. Alex agiert, und Ulli reagiert. Oder ist es gerade andersherum? Ulli meckert und deshalb zieht es Alex vor den Computer? Wir wissen es nicht. Und die beiden wissen es vermutlich selbst nicht. Um dieser Spirale zu entkommen, müssen Alex und Ulli das, was zwischen ihnen steht, erst einmal erkennen und benennen. Für Ulli könnte der Zwist „Keine Zweisamkeit am Abend“ heißen, für Alex „Keine unverbindliche Rückzugsmöglichkeit“. Hat der Streit einen Namen, dann können die beiden, jeder für sich, auch die Säulen beschriften, auf denen der Streit so stabil zu stehen scheint.

Die Tatsachen umkehren

Für Alex sind die Säulen des Zwists wahrscheinlich: wenig Zeit für sich, Unverständnis, jeden Abend zu zweit verbringen. Für Ulli sind es zu wenig Absprachen, zu wenig Kontakt. Sobald sich Alex und Ulli bewusst machen, auf welchen Säulen ihr Streit so robust steht, können sie diese in Wünsche umkehren. Aus Unverständnis wird dann Verständnis, aus wenig Zeit für sich wird mehr Zeit für sich. In der Mediation macht man das anhand eines „Problemdreiecks“.

Das Problem richtig ansprechen – der Prozess der gewaltfreien Kommunikation

Aus dem, was Alex und Ulli jeweils belastet, aus den Säulen des Streits, haben sie nun Bedürfnisse formuliert. Doch die Ansprache ist häufig der Hauptzünder für einen Konflikt. Deshalb kann es helfen, sich an die vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg zu halten: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Viele versagen schon bei Schritt eins. Denn lediglich eine Beobachtung zu formulieren, ohne dass sie sofort in einem Vorwurf endet, ist Übungssache. Viel zu schnell landen die Streitenden schon im ersten Schritt bei einer Interpretation. Um wirklich bei einer Beobachtung zu bleiben, hilft es, sich eine wortlose Kamera vorzustellen. Was kann von ihr wirklich beobachtet werden? „Du hast nie Zeit“ sicherlich nicht. Ein „Ich habe am Montag und Dienstag allein im Wohnzimmer verbracht (1)“ jedoch schon. In der Schrittfolge weiter: An den Abenden war ich sehr einsam (2), ich wünsche mir mehr Zweisamkeit (3) und bitte dich, hin und wieder einen Abend mit mir gemeinsam zu verbringen (4). Ohne Punkt eins, erreichen Alex und Ulli auch Punkt zwei, drei und vier nicht mehr.

Die Gefühle und das Gegenüber

Auf diese Weise einen Streit zu lösen, ist keinesfalls einfach. Alex und Ulli müssen ihre Gefühle richtig benennen, ihre Bedürfnisse erkennen. Relevant ist nicht, wer den ersten Schritt macht. Relevant ist, dass beide bereit sind, den Streit zu lösen. Ohne auch nur eine Messerspitze an Bereitschaft, landen beide machtlos in einer Lose-lose-Situation. Sich zuallererst zu fragen, welchen Mehrwert ein gelöster Streit bringt, hilft, um ihn an der Wurzel anzupacken.

 

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