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Blick von der Karl-Marx-Allee Richtung Westen zum Fernsehturm. Schild:

Frühling trotz Corona

Euch fällt die Decke auf den Kopf? Die Redaktion hat ihre persönlichen Tipps zusammengestellt, wie man den Frühling 2020 genießen kann.

17.04.2020

Celia

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Struktur und kein Stress

Das Coronavirus hat Deutschland seit Wochen fest im Griff. Zwar verkündete Angela Merkel jüngst erste Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen, bis wir aber zurück zu einer echten Normalität finden, wird es noch einige Zeit dauern.

Also heißt es weiterhin abwarten, zuhause bleiben, arbeiten, sich irgendwie beschäftigen. Die Tage können lang werden. Wochenenden gehen wie fließend in Wochentage über und es kann schwierig sein, den Überblick über das eigene Leben und Schaffen zu bewahren. So geht es mir auf jeden Fall. Um mich dennoch zu motivieren, jeden Tag aufzustehen, muss ich mich manchmal selbst überlisten. Dazu gehört es beispielsweise, dass ich mich zwei bis drei Mal die Woche mit Freund*innen zum Frühsport verabrede, über Zoom, Skype, Facetime oder irgendeine andere App. Das ist am Anfang eher gewöhnungsbedürftig, aber nach ein paar „Meetings” hatten wir den Dreh raus. Inzwischen macht es Spaß und hilft mir, meinen Tag zu strukturieren.

Struktur. Das ist sowieso das Stichwort. Mit festen Abläufen kann ich Ordnung in meine Tage bringen und wenigstens den Anschein eines „normalen” Alltags  bewahren. Seien es tägliche Abendessen mit meinem Mitbewohner, meine nächtlichen Joggingrunden durch Moabit oder der erste Kaffee des Tages aus der French Press. All das sind Kleinigkeiten, aber diese festen Abläufe erleichtern es mir, den Überblick nicht zu verlieren in der Corona-Zeit.

Ein anderer, noch viel wichtigerer Tipp ist aber, einfach mal gar nichts zu machen und sich dabei nicht schlecht zu fühlen! Sobald klar war, dass wir nun alle für eine Weile viel Zeit in unseren Wohnungen verbringen werden, poppten auf meinen Social-Media-Kanälen die ersten Möglichkeiten zur Selbstoptimierung auf. Von Webinaren über Yoga und Pilates- Videos bis hin zu Aufforderungen, den schon so lange aufgeschobenen Frühjahrsputz zu erledigen. Überall hieß es, jetzt sei die Zeit produktiv zu werden, diese neue, unverhofft freie Zeit zu nutzen, damit man anschließend als neuer, besserer Mensch aus der Isolation hervorgeht. Das mag für manche Menschen der richtige Weg sein, muss es aber nicht. Sich in Krisenzeiten verloren zu fühlen und weniger oder gar nicht produktiv zu sein, ist vollkommen normal und nichts, wofür man sich schämen sollte. Wir müssen alle individuell Methoden finden, um diese Phase zu meistern. Auch wenn das vielleicht bedeutet, sich einfach irgendwo hinzupflanzen, die Wand anzustarren und Däumchen zu drehen.

 

Mandy

Foto: MANDY KRAUSE

Frühlingsstimmung dort, wo noch keiner ist

In der kleinen Universitätsstadt Tomsk in Westsibirien schneit es im März noch verlässlich. Ein Frühling ist noch nicht in Aussicht. Doch trotz anhaltender Minusgrade und physischer Isolation lässt sich die Zeit gut verbringen.

Es war bereits Mitte März, als der Schnee sich noch meterhoch an den Straßenrändern auftürmte. An einem Nachmittag, ich kam gerade aus der Uni zurück, da sah ich vor unserem Wohnheim einen LKW wegfahren – beladen mit Schnee.

Das musste ich der Welt zeigen. Ich schnappte meine Kamera und spazierte los. Allein. Ich hielt alles fest: die Schneeformationen auf den Dächern, zugeschneite Autos und im endlosen Weiß versunkene Gartenzäune.

Das war vor einigen Wochen, als hier in Sibirien das Virus noch genauso wenig Thema war wie ein zeitnaher Frühling. Jetzt sind auch die Menschen in Tomsk dazu angehalten, sich physisch zu isolieren. Im Umgang mit der vielen Zeit hilft mir persönlich meine Kamera. Fotografieren – ein Hobby, zu dem ich sonst viel zu selten komme.

Der Frühling ist noch auf dem Weg nach Sibirien. Ende April lautet hier die Prophezeiung der Bewohner*innen. Und bis dahin sind wir wohl auch nach wie vor gezwungen, allein zu sein.

Doch mit der Kamera in der Hand kommt die Frühlingsstimmung auch so. Auch in Zeiten von Corona.

 

Daniela

Foto: DANIELA KUMMLE

Allein unterwegs

Dass Bewegung an der frischen Luft ausdrücklich erlaubt ist, lasse ich mir nicht zweimal sagen. Bei dem strahlend schönen Sonnenschein, den uns die letzten Wochen beschert haben, fällt mir das Drinnenbleiben auch wirklich schwer.  

Nach einem Tag im Homeoffice geht es erstmal an die frische Luft für eine Joggingrunde. Ein weiteres Highlight dieser Tage: einkaufen und kochen. Wer sonst immer nur die gleichen vier bis fünf Gerichte kocht, mag jetzt vielleicht die Gelegenheit nutzen und Neues ausprobieren. Was esst ihr gerne im Restaurant, habt euch aber bisher nicht zugetraut, es selbst zu kochen? Ich habe es neulich mal mit einer Pho bo versucht ­– das Ergebnis war tatsächlich besser als erwartet.

Da es unnötige Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln derzeit zu vermeiden gilt, ist das Fahrrad mein ständiger Begleiter. Insbesondere die Wochenenden nutze ich gerne für Radtouren oder Erkundungsfahrten durch die Stadt. Kennt ihr den Mauerradweg? Keine Sorge, die ganzen 160 Kilometer muss man nun wirklich nicht an einem Tag fahren. Je nachdem wo man wohnt, kann man sich eine eigene kleinere oder größere Tour zurechtlegen oder eine der empfohlenen Etappen abfahren.

Da wir wohl noch eine ganze Weile nicht reisen können, ist jetzt die Zeit, Berlin zu erkunden. Kennt ihr noch nicht jede Straße innerhalb des Rings? Wohnt ihr vielleicht im Wedding, wart aber noch nie in Friedenau? Auch abseits der üblichen Szenekieze lässt sich Schönes und Überraschendes entdecken. Beim RBB findet ihr z. B. eine Liste der 30 spannendsten Berliner Kieze zur Inspiration. Ich habe neulich z. B. endlich die Ceciliengärten von meiner To-see-Liste abgehakt. Wenn das mit dem Lockdown noch länger so bleibt, fahre ich vielleicht sogar mal nach Spandau.

 

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