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Fasten: Zero Waste

Am Ende eines Jahres passt der von der Autorin und Bloggerin Shia Su produzierte Müll in ein einziges Einmachglas. Wir haben uns mit der Zero-Waste-Aktivistin unterhalten.

26.04.2019

von Celia Parbey

Worum geht es bei der Zero-Waste-Methode? 

Für mich persönlich geht es darum, im Alltag so wenig Müll wie möglich anzusammeln. Was aber nicht bedeutet, dass ich gar keinen Müll mehr produziere. Auch bei mir ist das Einmachglas am Ende des Jahres voll. Jede*r hat einen anderen Zugang zu diesem Thema. Jede*r steckt in einer anderen, individuellen Lebenssituation und hat andere Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um Nachhaltigkeit umzusetzen. Man muss schauen, was man mit den Ressourcen, die man hat, hinbekommt.

Bei Zero Waste könnte einem zuerst Verzicht in den Sinn kommen, weil bestimmte Produkte zum Beispiel nicht mehr gekauft werden dürfen. War das für dich am Anfang ähnlich? 

Für mich hatte das eigentlich von Anfang an schon nichts mit Verzicht zu tun. Ich habe nur irgendwann realisiert, dass ich gar keinen Bock mehr auf diesen ganzen Müll im Alltag hatte. Ich hatte den Wunsch nachhaltiger zu leben und dass ich das nicht getan habe, hat mich total geärgert. Müll rausbringen war auch nie eine meiner Lieblingstätigkeiten.

Ich finde es immer sehr witzig, wenn die Leute von Verzicht sprechen. Ganz ehrlich, was hat dieser ganze Müll mit Lebensqualität zu tun? Im Gegenteil, ich habe ohne sehr viel mehr an Lebensqualität dazugewonnen. Meine Lebensmittelallergien, Heuschnupfen und Neurodermitis sind dadurch viel besser geworden.

Hast du einen praxisnahen Tipp, wie man Zero Waste ganz einfach im Alltag umsetzen kann? Hygieneprodukte kommen ja zum Beispiel fast immer verpackt.

Ich teile es in Lebensbereiche auf. Der Bereich, in dem der meiste Müll anfällt, sind die Lebensmittel. Dann kommen Drogerieartikel, also Körperpflege und Putzmittel. Wenn man diese zwei Bereiche müllfreier gestaltet, ist schon viel geschafft. Um Lebensmittel so verpackungsfrei wie möglich einzukaufen, gibt es verschiedene Optionen: Zum Wochenmarkt gehen oder Supermärkte direkt ansprechen und dazu auffordern, möglichst verpackungsfrei Obst und Gemüse anzubieten. Und dann gibt es natürlich, und damit macht man sich das Leben am einfachsten, die Unverpacktläden. Da gibt es alles, was man für den unverpackten Alltag so braucht – auch ökologischere Alternativen zu gängigen Drogerieartikeln, festes Shampoo, zum Beispiel. Von den Inhaltsstoffen ist es wie normales Shampoo, nur eben in fester Verpackung. Man kann aber auch ein Bisschen kreativer werden und Roggenmehl nehmen.

Wie lange hat es gedauert, bis du dich an den neuen Lebensstil gewöhnt hattest?

Das hat sicherlich mindestens eineinhalb Jahre gedauert. Es war keine Entscheidung von einem Tag auf den anderen. Ich musste mich zum Beispiel immer wieder daran erinnern, immer einen Stoffbeutel dabei zu haben. Am Anfang habe ich es noch ganz oft vergessen, aber sobald es einmal Gewohnheit ist, wird es einfacher. Heute läuft das auf Autopilot.

Glaubst du, Zero Waste ist auf individueller Ebene die nachhaltigste Zukunftsstrategie? Und ist es wichtiger, dass zuerst große Firmen anfangen, nachhaltigere Unternehmensstrategien zu fahren?

Es ist sehr schwer zu sagen, wer zuerst was anfangen muss. Das gibt es ein Henne-Ei-Problem. Ich glaube, die Hauptsache ist es, da anzufangen, wo wir auch Kontrolle drüber haben. Natürlich muss politisch Druck auf Unternehmen ausgeübt werden, aber erstmal habe ich Kontrolle über mein eigenes Konsumverhalten. Deshalb bietet sich Zero Waste auch für jeden an, ob man politisch aktiv ist, oder nicht. Jede Person, der Nachhaltigkeit wichtig ist, kann das im Alltag umsetzen. Natürlich immer in unterschiedlicher Ausprägung. Perfekt gibt es aber nicht und darauf kommt es auch gar nicht an. 

Lebensmittel lassen sich auch ganz ohne Plastik transportieren und aufbewahren. Foto: wastelandrebel.com

Diese Dinge nimmt Shia zum Einkaufen mit. Foto: wastelandrebel.com

Der Müll eines Jahres. Foto: wastelandrebel.com

Alles hat seine Ordnung. Foto: wastelandrebel.com

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