Foto: Christian Taube

Fasten: Konzentration auf das Wesentliche

Ein Swipe, zwei Klicks, einen Tag darauf liegt das Paket vor der Tür. Noch nie war es so einfach, Dinge zu kaufen.

04.04.2019

von Cosima Kopp

Onlineshopping rund um die Uhr und die Waren aus China werden immer günstiger. Viele dieser spontanen Käufe landen früher oder später im hinteren Eck einer Schublade und geraten in Vergessenheit. Die Werbeindustrie verkauft uns die Idee, immer das neuste iPhone oder die angesagtesten Sneaker besitzen zu müssen, um im Trend zu liegen. Unser sozialer Status wird darüber definiert, was wir haben und wie wir uns damit präsentieren. Auf Plattformen wie Instagram bekommen wir kontinuierlich den Lebensstil der Schönen und Reichen präsentiert – einen Lebensstil, den sich die Wenigsten leisten können.

In diesem Strudel des Konsums nicht unterzugehen oder sich diesem sogar zu entziehen, scheint unmöglich. Minimalismus setzt genau dort an und reduziert den ständigen Überfluss an Dingen auf das Wesentliche. Die Dokumentation Minimalism: A documentary about the important things zeigt, dass Minimalismus nicht gleich karge Wände und monochromes Design bedeutet. Die beiden Autoren Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus (das Duo nennt sich treffend The Minimalists) und andere erzählen darin, wie sie den Weg zum minimalistischen Lebensstil gefunden haben. Von Menschen, die in funktionellen Wohnungen mit Klappbetten oder in tiny houses wohnen, über minimalistisch lebende Familien mit Kindern, bis hin zu Colin Wright, dessen ganzer Besitz 51 Dinge sind. Mit zwei kleinen Reisetaschen reist er ohne festen Wohnsitz um die Welt.

Die Botschaft des Minimalismus scheint in vielen Teilen der Gesellschaft schon angekommen zu sein. Und wer nach der Marie-Kondo-Faltmethode seine Kleidung zusammenlegt, liegt momentan voll im Trend. In der Serie Aufräumen mit Marie Kondo hilft die Japanerin Leuten, die Masse an Dingen, die sich über die Jahre angesammelt haben, auszusortieren. Hierbei wendet sie Tipps aus ihrem internationalen Bestseller The life changing magic of tidying up an. Das Prinzip ist einfach: Nach Kategorien geordnet wird alles erstmal ausgeräumt, dann wird jeder Gegenstand einzeln in die Hand genommen. „Bereitet mir dieses Teil Freude?” Lautet die Antwort auf diese Frage „Nein”, muss der Gegenstand weg. Danach wird das Verbliebene so organisiert, dass alles seinen bestimmten Platz hat und zugänglich ist.

Bei der Reduzierung auf das Mindeste geht es weniger darum, keine neuen Anschaffungen zu machen, sondern viel mehr um die bewusste Auseinandersetzung damit. Was für einen Wert hat dieser Gegenstand für mich? Bringt diese Anschaffung eine Bereicherung für mein Leben? Der Schlüssel zum minimalistischen Leben liegt demnach darin, mit Intention zu handeln und dem eigenen Lebensstil entsprechend die Dinge anzupassen.

Warum also nicht mal Konsumfasten? Nutzt die Fastenzeit beispielsweise dazu, keine unüberlegten Einkäufe zu tätigen, die Schränke auszumisten und Platz für das wirklich Wesentliche zu schaffen.

Aktuell läuft eine Ausstellung in den Mensen des studierendenWERKs, die das Thema Fasten aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Am 23. Mai findet als Abschluss ein gemeinsames Fastenbrechen in der TU Mensa Hardenbergstraße statt.

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