Foto: CONGERDESIGN/PIXABAY.COM
Adventskalender

Für Adventskalender ist man nie zu alt!

In Kindheitstagen sind Adventskalender fester Bestandteil der Vorweihnachtszeit, aber auch unter Studis erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Was ist die Geschichte dieser Tradition, inwiefern gibt es Trends oder internationale Besonderheiten?

01.12.2020

 von Viktoria Eckert

Ich lege gleich zu Beginn dieses Artikels ein Bekenntnis ab: Ich bin 26 Jahre alt und stolze Besitzerin eines Adventskalenders. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis bin ich damit keine Ausnahme, ganz im Gegenteil.

Ein Blick in die Historie zeigt, dass der Adventskalender seinen Ursprung in Deutschland hat und zwar im Protestantismus des 19. Jahrhunderts. Während den Kindern die Zeit bis Weihnachten damals z. B. durch das Aufhängen von 24 Bildern oder dem Wegwischen von 24 Kreidestrichen verkürzt wurde, gab es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts erste Adventskalender in gedruckter Form. Diese Exemplare wurden oftmals von Illustrator*innen oder Künstler*innen gestaltet und hatten ihre beliebteste Phase in den 1920er Jahren.

Adventskalender mit Türchen schlossen sich an diese Zeit an, überraschten Kinder mit Bildern, kleinen Gebäckstücken oder Schokolade. In Zeiten des Nationalsozialismus fand eine Instrumentalisierung dieses Brauchs für politische Zwecke statt, christliche Symbole wurden z. B. durch Darstellungen deutscher Soldaten ersetzt, um die Bevölkerung am Kriegsgeschehen an der Front teilhaben zu lassen.

Von der Nachkriegszeit bis heute hat die Vielfalt an Adventskalendern ungeahnte Ausmaße angenommen: Ob der Klassiker mit Bildern oder Schokolade, kleinen Spielzeugen oder Büchern zum Vorlesen – der Fantasie eines Kindes sind keine Grenzen gesetzt. Und auch jung gebliebene Kinder bzw. Erwachsene kommen auf ihre Kosten: Da wären Adventskalender für Teeliebhaber*innen oder gefüllt mit Chips und anderem ungesunden Naschzeug, ebenso ist das Hinfiebern auf Weihnachten in Gestalt von Bier- und Weinadventskalenden möglich – also quasi unter mehr oder minder starkem Alkoholeinfluss. Auslastung fürs Köpfchen bieten Modelle mit täglichen Rätselaufgaben, deren Lösung sich dann erst durch eifriges Mitdenken und logisches Kombinieren an Heiligabend offenbart. Und auch Paare können sich die Adventszeit auf unterschiedlichste Art und Weise versüßen lassen. Ich denke es wird anhand dieser Aufzählung mehr als deutlich, dass auch und erst recht in der „Welt der Erwachsenen“ in dieser Hinsicht keinerlei Restriktionen existieren – sicherlich auch abhängig vom individuellen finanziellen Budget und den eigenen Wertvorstellungen.

Um dem Kommerz etwas entgegenzusetzen und dem Adventskalender eine persönliche Note zu verleihen, erfreuen sich auch selbstgebastelte Modelle immer größerer Beliebtheit und sind in vielen Fällen sogar wiederverwendbar, was in Zeiten von Klimawandel und Ressourcenschonung definitiv einen Pluspunkt darstellt.

Wie bereits eingangs erwähnt, handelt es sich beim Adventskalender um einen evangelisch-lutherischen Brauch; die Feier von Weihnachten am 24. Dezember reiht sich in diese Tradition ein. So werden z. B. in der Türkei oder Russland keine Türchen in der Adventszeit geöffnet, auch der Bevölkerung in asiatischen Ländern ist der Brauch im Wesentlichen unbekannt.

Im Studierendenwohnheim leben Studierende aus ganz unterschiedlichen Ländern, dementsprechend divers ist die Gestaltung der Adventszeit: Einige haben den Brauch des Adventskalenders für sich übernommen, andere nicht. In Ländern Skandinaviens existiert z. B. die Tradition einer Adventskalenderkerze, welche Tag für Tag ein stückweit abgebrannt wird.

Alle Traditionen und Bräuche haben im Grunde dasselbe Ziel: zusätzliche Freude in die Vorweihnachtszeit zu bringen – und dafür ist man ja nun wirklich nie zu alt!

#Kultur & Freizeit  #Lifestyle