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Frauenhände mit einerm Taschenrechner und aufgeklapptem Laptop mit einer Tabelle

Endgültig entschieden: Die erste Ausbildung fällt nicht unter Werbungskosten

Die Erstausbildung gehört zum Leben dazu, so das Bundesverfassungsgericht. Daniela Wiesner vom Lohnsteuerhilfeverein erklärt, was das für Studierende heißt.

23.09.2020

von Mandy Krause

Anfang des Jahres hat das Bundesverfassungsgericht bestätigt, dass die Kosten für die Erstausbildung nicht als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend gemacht werden können. Was ändert sich jetzt für Studierende?

Vor dem Bundesverfassungsgericht wurde darüber gestritten, ob die Kosten einer Erstausbildung als Werbungskosten abzugsfähig sein sollten.

Grundsätzlich sind die Aufwendungen für die Erstausbildung als Sonderausgaben zu berücksichtigen und es kann kein Verlust generiert werden. Es wurde als ungerecht empfunden, dass die Kosten für die Erstausbildung nicht als Werbungskosten abgesetzt werden können. Nach Auffassung des Gesetzgebers gehört die erste Berufsausbildung typischerweise zu den Grundvoraussetzungen für die Lebensführung, weil sie Vorsorge für die persönliche Existenz bedeutet und dem Erwerb einer selbstständigen und gesicherten Position im Leben dient.

Die Erstausbildung fällt also unter den Bereich der Sonderausgaben. Was genau sind Werbungskosten und was sind Sonderausgaben?

Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen (§ 9 EStG). Es muss demnach einen objektiven Zusammenhang zwischen den Aufwendungen und der beruflichen Tätigkeit geben. Sonderausgaben im Sinne des deutschen Einkommensteuergesetzes (§ 10, § 10a EStG) sind Aufwendungen, die weder Betriebsausgaben noch Werbungskosten sind und auch nicht wie Betriebsausgaben oder Werbungskosten behandelt werden.

Welche Ausgaben gehören zu den klassischen Studienkosten?

Zu den studienbedingten Aufwendungen zählen Studiengebühren, sofern diese anfallen, Prüfungsgebühren, Zinsen für Bildungsdarlehen, Fahrten zur Universität/Hochschule, Aufwendungen für Fachliteratur, Studienbücher, Kopien, Bürobedarf, ein häusliches Arbeitszimmer oder Aufwendungen für ein Notebook, Drucker, Taschenrechner oder Reise-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten für vorgeschriebene Studienreisen oder Exkursionen. Die Auflistung hier ist nicht abschließend. Zwingend notwendig ist es alle Rechnungen aufzubewahren, denn Kontoauszüge reichen nicht.

Und der Semesterbeitrag?

Wichtig ist die Frage, was wirklich Kosten sind und was Ausgaben, für die Studierende aber eine „Gegenleistung“ empfangen. Mit dem im Semesterbeitrag festgelegten Anteil für das Semesterticket können Studierende zum Beispiel die BVG nutzen. Wirkliche Kosten innerhalb des Semesterbeitrags sind nur die Semestergebühren von ca. 50 Euro.

Lohnt sich eine Steuererklärung trotzdem?

Die Abgabe einer Steuererklärung ist sinnvoll, wenn Lohnsteuern bezahlt wurden und das zu versteuernde Einkommen im Jahr im Grundfreibetrag (2020: 9.408 €) liegt, sodass die gezahlten Steuern erstattet werden. Es besteht eine Abgabeverpflichtung, wenn der*die Studierende neben dem Studium eine selbständige Tätigkeit angemeldet hat. In der Regel entstehen den meisten Studierenden ja kaum Aufwendungen, wenn an einer staatlichen Hochschule studiert wird. Die Frage, ob sich eine Steuererklärung lohnt, muss jedoch immer individuell betrachtet werden.

 

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