Foto: STW BERLIN
Die Künstlerin Rie Yamada bei der letzten Emerging-Lines-Ausstellung in Paris.

Emerging Lines – Interview mit Claudia Brieske

Am 26. April eröffnet im KUNSTRAUM Potsdamer Straße zeitgleich mit dem Gallery Weekend die Ausstellung „Emerging Lines: Junge Talente aus Berlin, Paris, Wroclaw und Riga“.

04.04.2019

von Celia Parbey

 

Können Sie das Projekt „Emerging Lines“ einmal vorstellen?

„Emerging Lines“ ist ein Projekt, das aus der Zusammenarbeit zwischen dem CROUS Paris [französisches Pendant zum studierendenWERK, Anm. d. Red.], der Kunsthochschule Riga, der Kunsthochschule Wroclaw (Breslau) und uns, dem studierendenWERK BERLIN, entstanden ist. Die Initiative ging vom CROUS Paris aus, die im Vorfeld schon mit Riga und Wroclaw zusammengearbeitet haben. Die Idee dahinter war es, ein Kunstprojekt auf die Beine zu stellen, für das jeweils acht verschiedene künstlerische Positionen aus vier verschiedenen Ländern zusammenkommen. Dafür werden jeweils zwei Studierende aus jeder Stadt entsandt, die dann gemeinsam mit den anderen Studierenden eine Ausstellung vorbereiten. Sie begegnen sich an vier verschiedenen Orten, konzipieren den Aufbau miteinander und organisieren gemeinsam den Raum. So entsteht ein internationales Kunstprojekt.

Warum der Titel „Emerging Lines“?

Die „Emerging Lines“ stehen auch für die „Emerging Artists“. Wir und unsere Partnerorganisationen bringen Studierende zusammen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen. Für viele Teilnehmer*innen ist das das erste Mal, dass sie öffentlich ausstellen. Außerdem kommen sie durch das Projekt das erste Mal auf einer internationalen Basis zusammen. Das ist eine Besonderheit.

Wie verlief die Zusammenarbeit unter den Studierenden mit dem CROUS Paris, der Akademie für Kunst und Design in Wroclaw und der Kunstakademie in Riga?

Das hat bisher wunderbar funktioniert. Wir haben uns mit den anderen Institutionen vor einem Jahr getroffen und noch mal Ideen gesammelt und das Projekt „Emerging Lines“ gemeinsam in einem Workshop konzipiert. Alle vier Institutionen sind vom selben Spirit, deshalb sind wir uns auch sehr schnell einig gewesen, was diese Ausstellungsserie bewirken soll. Uns geht es in erster Linie darum, dass die Studierenden sich vor Ort kennenlernen und schauen können, wie sie ihre eigenen Arbeiten in den ganz verschiedenen Räumen positionieren. Wir wollen sehen, wie sie reagieren, wie sie kommunizieren, wie sie sich die Räume aufteilen, wie sie sich mit ihren Arbeiten aufeinander beziehen. Unsere Hauptaufgabe ist eher im Hintergrund. Wir sind beim Kuratieren und Aufbauen tätig. Das klappt wunderbar.

Wie wurden die Künstler*innen für das Projekt ausgewählt?

Jede Partnerorganisation wählt zwei Studierende für das Projekt aus. In Riga schreiben sie dafür einen Wettbewerb aus. Das studierendenWERK und die anderen Institutionen schicken Studierende, die sich bei uns schon in einem Ausstellungsprojekt bewährt haben und von denen wir schon wissen, was sie können und wo wir sie platzieren. Das ist für uns sehr wichtig, weil die Ausstellungen in die Bildhauerei, in den Medienkunstbereich und in den installativen Bereich hinein reichen. Da muss man die Ausstellungsorte kennen. In Riga zum Beispiel ist es ein wirklich altes Gebäude. In Breslau gibt es eine hypermoderne, neu gebaute Galerie mit verglaster Front mitten in der Stadt. Die Galerie de CROUS ist ein typischer Galerieraum, und wir vom studierendenWERK haben ein Parkhaus, ein ganz anderer Raum, der aber ein typischer Berliner Off-Space ist. Jeder Raum hat ganz spezielle Anforderungen, mit denen die Studierenden lernen müssen umzugehen. Im Kunstraumprogramm machen wir sehr viele Ausstellungsprojekte. Dort schauen wir dann, welche Künstler*innen mit ihren Arbeitsansätzen besonders zu diesem oder jenem Ort passen.

Was erwartet die Besucher*innen in Berlin? Auf was für Werke können sich die Zuschauer*innen freuen?

Für die Ausstellung in Berlin kommen spannende Künstler*innen zusammen. Aus Wroclaw kommen ein Maler und eine Installationskünstlerin, die mit Keramik arbeitet. Es gibt eine Performancekünstlerin, die aus Paris geschickt wird, die mit ganz feinen, zarten Gesten arbeitet. Sie kommt mit einem weiteren Pariser Installationskünstler. Vom studierendenWERK BERLIN schicken wir Jonas Büssecker und Jingjing Du, die beide bereits bei uns im Kunstraum Keller ausgestellt haben. Jingjing Du wird  mit einem großen Wasserbecken und mit architektonischen Modellen arbeiten, die sich in der Wasserfläche spiegeln. Jonas Büssecker spannt Gurte durch den Raum. In diese Gurte sind verschiedene Dinge mit eingespannt. Das ist eine raumgreifende bildhauerische Position. Es kommen noch Videos und Animationen dazu. Das ist der erste Überblick, den ich geben kann. Der Rest bleibt eine große Überraschung.

Handelt es sich um ein einmaliges Projekt?

Wir starten dieses Jahr die wachsenden Linien, diese „Emerging Lines“. Es soll eine regelmäßige Serie entstehen, die im nächsten Jahr weitergeht. Nicht jede Stadt ist verpflichtet, jährlich teilzunehmen. Es ist ein offenes, europäisches Kunstprojekt, an dem sich in Zukunft auch andere Städte beteiligen könnten.

#Kultur & Freizeit