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Der heutige

Eine Reise in die Vergangenheit

Dienstleister für Studierende – so versteht das studierendenWERK BERLIN seinen Auftrag. Ein richtiger Kümmerer. Doch wie war das eigentlich früher? Das Werkblatt begibt sich auf eine Reise durch die vergangenen Jahrzehnte.

08.06.2020

von Mandy Krause

Wir leben in einer Zeit, in der wir mit der Immatrikulation an einer Berliner Hochschule den Rundumservice des studierendenWERKs gleich mitbekommen. Doch seit wann gibt es eigentlich das studierendenWERK? Was war das Honnefer Modell? Und seit welchem Jahr lässt man es sich bargeldlos in der Mensa schmecken?

Ein Selbsthilfeverein – wie alles einmal begann

Nach dem Ersten Weltkrieg sind die Menschen den verheerenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen ausgesetzt. Damit Studierende ihr Studium fortsetzen können, gründen sie studentische Selbsthilfevereine und akademische Hilfswerke. Notunterkünfte, Kleiderstuben und Mensen entstehen. Der Grundstein für die uns heute bekannten Studierendenwerke ist gelegt. Ein erster Zusammenschluss solcher Vereine heißt ab dem Jahr 1929 bereits Deutsches Studentenwerk e.V.

Doch diese Bezeichnung hält sich nur vorübergehend. Mit der Machtergreifung Adolf Hitlers wird der Vereinszusammenschluss zu sogenannten Reichsstudentenwerken überführt. Erst gegen Anfang der 1970er Jahre löst man die Vereinsstrukturen generell auf und sämtliche Studentenwerke werden zu Anstalten des öffentlichen Rechts.

Zum 1. April 1973 wird das Studentenwerk Berlin gegründet – durch die Fusion des Studentenwerks der FU und des Studentenwerks Charlottenburg e.V. Nach der Wiedervereinigung werden die Wirtschafts- und Sozi­aleinrichtungen der Ostberliner Hochschulen in das Studentenwerk Berlin integriert. Ein 400-Millionen-Programm gilt der Sanierung der Ostberliner Wohnheime.

Wohnen – damals und heute

Das Studentenwerk Berlin gründet sich vor allem aus einer Notlage heraus: ein erheblicher Anstieg an Studierenden aus allen Einkommensschichten verursacht neue Herausforderungen in der Versorgung. Das allgemein bekannte Problem der Wohnungsnot geht demnach einige Jahre in die Geschichte zurück. Mitte der 1970er Jahre findet sich nur für acht Prozent der Studierenden ein Platz in einem der damals insgesamt sieben Wohnheime des Studentenwerks. Die Studierenden mit Wohnraum zu versorgen, liegt im Fokus der Arbeit. Im Jahr 1973 stehen 2.200 Plätze zur Verfügung. Die Aktion „Studierende suchen Zimmer“ wird in TV, Rundfunk und Zeitung geschaltet und soll Abhilfe schaffen. Mit den Jahren ändern sich auch die Maßnahmen. Während 1980 aufgrund von Sparplänen der Landesregierung die Mieten für Neueinzüge um 40 Prozent steigen, kämpft man 2005 mit der Aktion „Get the WOHNHEIM Feeling“ und einem Tag der offenen Tür gegen die Leerstandsquote. Heutzutage ist ein Platz im Wohnheim stets mit Warten verbunden. Im Jahr 2015 stehen insgesamt 2.500 Studierende auf der Warteliste für einen der inzwischen insgesamt 9.500 Plätze. Das 2018 ins Leben gerufene InfoCenter studi@home berät Studierende in Wohnangelegenheiten. Gleichzeitig wird der Bau von neuen Wohnheimen vorangetrieben.

Freitischmarken und Eintopf für 1,10 DM

Insgesamt 11 Mensen, 17 sogenannte Erfrischungsräume und ein A-la-carte-Restaurant betreibt das Studentenwerk Berlin im Jahr 1976. Zur Wahl stehen damals der Eintopf für 1,10 DM und das Gedeck für 1,60 DM. Freitischmarken gehen an bedürftige Studierende und können gegen ein kostenloses Mensaessen eingetauscht werden. Schon 1979 startet die erste Mensa-Aktionswoche unter dem Motto „So kochen unsere Nachbarn“. Zu kosten gibt es marinierte Auberginen und Lammfrikassé mit Eier-Zitronen-Soße. Andere Aktionen, wie die „Eintopf-Aktion“ 1980 oder „Küche und Kultur aus Indien“ aus dem Jahr 1986 erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Mensen entwickeln sich zu einem Aushängeschild des studierendenWERKs. Von der gastronomischen Ampel, dem Richtungsweiser für eine ausgewogene Ernährung, über die Gründung der deutschlandweit ersten vegetarischen Mensa im Jahr 2010, bis hin zur Eröffnung der ersten veganen Mensa versuchen sich die Speisebetriebe den Bedürfnissen der Studierenden anzupassen.

Die Verwaltung des BAföGs und anderer Hilfen zum studentischen Leben

Mitte der 1970er Jahre sind Drogen ein Thema von höherer Brisanz, worauf das Studentenwerk Berlin mit der Errichtung einer Drogenberatungsstelle reagierte. Die „Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs und zur Beratung Drogenabhängiger e.V.“ nahm in den Räumlichkeiten in der Nähe der TU-Mensa Hardenbergstraße ihre Arbeit auf. In jener Zeit gibt es auch für Studierende aus Vietnam spezielle Unterstützung. Im Jahr 1991 gründet sich das erste berlinweite gemeinsame BAföG-Amt in der Behrenstraße in Berlin-Mitte. Schon seit den 1950er Jahren liegt die Studienförderung in den Händen der Studentenwerke, damals noch mit dem Honnefer Modell, dem Vorläufer des BAföGs.

Auch der Bereich Kultur hat sich entwickelt. Während sich seit 1974 erste Theatervorverkaufskassen etabliert hatten und den Studierenden vergünstigte Tickets ermöglicht wurden, sorgt heutzutage das Büro Kultur & Internationales für eine kreative Auszeit während des Studiums.

Und ganz am Rande, aber nicht weniger spannend …

1980: Gründung einer Beratungsstelle für Studierende mit Behinderung

1998: Das erste offizielle Logo entsteht.

2001: Ein neues offizielles Logo folgt.

2003: Die erste Printausgabe des Werkblatts erscheint.

2005: Einführung der MensaCard

2006: 374 Kita-Plätze an 5 Standorten

2009: Der „Tag der Studienfinanzierung“ findet erstmalig statt.

2012: Verleihung des Frankfurter Preises („Großer Preis der deutschen Gemeinschaftsgastronomie“) für die Speisebetriebe

2014: Inbetriebnahme des ersten eigenen Windrads (Die erzeugte elektrische Energie wird komplett zur Warmwassererzeugung in der Mensa Har­denbergstraße genutzt; daneben gibt es auf dem Dach eine Photovoltaikanlage.)

2015: Veröffentlichung des Mensa-Kochbuchs „Fit durchs Studium“

2016: Die BAföG-Antragsverwaltung geht online.

2017: Umbenennung in „studierendenWERK BERLIN“

2019: Das Werkblatt gibt es nun online.

 

Titel der ersten Werkblatt-Ausgabe aus dem Jahr 2003

Mensa-Aktion aus dem Jahr 1986

So sah das erste offizielle Logo des Studentenwerks Berlin aus.

Den großen Saal im Studentenhaus kennen die heutigen Studierenden als „Freiraum". In den 1950er Jahren fanden hier aber noch keine Kulturveranstaltungen statt, denn der Raum diente als Speisesaal der TU-Mensa.

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