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Eine junge Frau arbeitet an einem Laptop.

Ein kreatives Online-Semester

Die Gastautorinnen Nelly und Xenia teilen ihre Gedanken zum anstehenden Online-Semester.

15.04.2020

Gastbeitrag von Nelly Schipke und Xenia Prüfer

Am 3. April informierte die Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung darüber, dass das kommende Sommersemester an den Berliner Hochschulen stattfindet – online. Wir sind beide Studierende im Master an einer Berliner Universität und für uns bedeutet diese Nachricht, dass ein Semester auf uns zukommt, das es so noch nie gab. Im folgenden Artikel haben wir unsere Hoffnungen und Bedenken zum Online-Semester 2020 aufgeschrieben.

Besonders für die Erstsemester wird das Online-Semester deutlich anders sein, denn Ersti-Fahrten oder auch andere Gelegenheiten zum Kennenlernen von Kommiliton*innen werden dieses Semester wegfallen – wobei gerade im ersten Semester Freundschaften geschlossen werden, die das ganze Studium und darüber hinaus andauern können. Dieses Kennenlernen muss jetzt digital stattfinden z. B. über Facebook- und WhatsApp-Gruppen, doch ist hier die Gefahr, dass in Online-Gruppen eher ein Informationsaustausch stattfindet, als dass echte Freundschaften geknüpft werden. Dies ist vor allem problematisch, da viele Erstsemester weit weg von ihrer Heimat gezogen sind, um in Berlin zu studieren und somit ihre Familie und ihr alter Freundeskreis nicht in ihrer Nähe sind. Eine Gefahr des Online-Semesters ist daher auch Vereinsamung.  

Die Universitäten hatten schon vor Corona E-Learning-Programme implementiert, beispielsweise arbeitet die FU schon länger mit den Lernplattformen Blackboard oder Moodle, welche das digitale Lernen unterstützen sollen. Doch benötigt es für ein vollständiges Semester online noch weitaus mehr Equipment. Vor einer Woche haben wir die E-Mail erhalten, dass unsere Uni sich früh um Beschaffungen im Bereich Hard- und Software gekümmert hat; dies lässt hoffen. Doch stehen sowohl Dozent*innen als auch Studierende vor der Herausforderung, sich in kurzer Zeit mit dem neuen technischen Equipment vertraut zu machen. Die Umsetzung von Laborpraktika oder anderen stark anwendungsorientierten Kursen ist leider auch noch nicht abschließend geklärt. Es wird in Mails an Studierende daher immer wieder von kreativen Lösungen gesprochen, wie diese genau aussehen, werden wir ab dem 20. April erfahren.

Ich (Xenia) habe die letzten Semester immer einen Sprachkurs belegt. Neben einer neuen Sprache lernt man eine andere Kultur und Studierende aus verschiedensten Studienrichtungen kennen. Beim E-Learning fällt vor allem der soziale Aspekt des Sprachkurses weg, die Kommunikation mit anderen Studierenden. Trotzdem glaube ich, dass es absolut möglich ist, eine Sprache online zu lernen. Mit der richtigen Didaktik sollte das kein Problem sein. 

Das didaktische Konzept für das Online-Semester ist für viele noch ein großes Fragezeichen. Ein Online-Semester muss ohne die Präsenz im Raum, die Diskussionen und Fragen, die während und nach der Lehrveranstaltung gestellt werden können, stattfinden. Aber durch das Online-Semester wird sich die Online-Didaktik bestimmt weiterentwickeln und neue Formate entstehen – es werden alle, Studierende und Lehrende, etwas daraus lernen und neue Möglichkeiten finden. 

Finanziell gesehen gibt es für viele Studierende Herausforderungen: An vielen ist die Krise nicht spurlos vorbei gegangen. Jobs wurden gekündigt, Stunden bei der Arbeit drastisch gekürzt. Für ein Online-Semester brauchen Studierende aber das richtige Equipment, also Laptops, die E-Learning ermöglichen. Auch befinden sich viele in der schlimmen Lage, Mieten und Lebenshaltungskosten nicht zahlen zu können. Positiv auf die Finanzen wirkt sich aus, dass viele Ausgaben wegfallen: Kaffee zwischendurch in der Mensa, Partynächte, Kurzurlaube mit Freund*innen an der Ostsee. 

Hoffentlich wird das neue Online-Semester flexibel gestaltet, sodass man als Studierende*r nicht zu festen Zeiten am Laptop arbeiten muss. Schöner wäre es, die Flexibilität der Situation zu nutzen, selbst zu entscheiden, wann wir die Kurse belegen. Das könnte sich auch positiv auf die finanzielle Lage auswirken, damit man flexibler arbeiten kann. 

Wir sind schon sehr gespannt darauf, wie unsere Uni die Herausforderung meistern wird und gehen mit gemischten Gefühlen ins Sommersemester 2020. Ein Online-Semester finden wir gut – jetzt muss nur die Ausführung stimmen!

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