Foto: MARCEL YILMAZ
Momo Bera im Regen vor einem U-Bahn-Eingang

Ein Abend im Zeichen von Lyrik und Prosa

Am 28. Januar fand im Rahmen von Berlin Stories eine stimmungsvolle Online-Lesung statt, auf deren Höhepunkt eine neue Stadtschreiberin gekürt wurde. Das Werkblatt stellt sie euch vor.

05.02.2021

von Viktoria Eckert

Zu Beginn des Abends richten sich die Gastgeberinnen Bianca Othmann und Theresa Brehm mit einleitenden Worten ans digitale Publikum. Das studierendenWERK habe den Wettbewerb zur Stadtschreiber*in bereits 2018 ins Leben gerufen und möchte jungen Menschen auf diesem Weg die Möglichkeit eröffnen, über ein Jahr hinweg Texte zum studentischen Leben in Berlin zu verfassen und schriftstellerische Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Und das Konzept fällt auf fruchtbaren Boden, jedes Jahr darf eine Jury aus zahlreichen Einsendungen und Bewerbungen wählen.

2020 konnte Dana Vowinckel das Rennen für sich entscheiden und sich als Stadtschreiberin ein stückweit selbst verwirklichen. Dieser Abend bietet für sie nun den passenden Rahmen zur Präsentation ihres Abschlussprojekts.

Im Anschluss folgt die Bekanntgabe von Berlins Stadtschreiberin des Jahres 2021: Die 26-jährige Kreuzbergerin Momo Bera hat die Jury von sich überzeugt und folgt auf Dana Vowinckel. Sie studiert an der Universität der Künste und hegt eine Leidenschaft für die Malerei. Diese Tatsache findet ebenfalls Ausdruck in ihrem ersten vorgetragenen Text mit dem Titel „Deckweiß“ und einem Gedicht zur „Farbenlehre März '20“.

Nach dieser ersten Kostprobe ihres Könnens erhalten nun die anderen Autor*innen der Shortlist die Chance, eine Auswahl ihrer Werke vor Publikum zu präsentieren. Auf diese Weise taucht man z. B. ein in „Sommernächte am Tag“ von Kristina Vasilevskaja, lauscht verschiedenen Miniaturen von Emily Philippi und wird von Konstantin Helms Text „Schneekugel“ literarisch an verschiedenste Orte Berlins gebracht. Ein mehr als gelungener Abschluss dieses Abends voller Lyrik und Prosa.

Jetzt dürfen wir gespannt sein, mit welchen Inhalten uns die neue Stadtschreiberin durchs Jahr begleiten wird. Eins steht schon mal fest: eintönig wird’s auf keinen Fall!

3 Fragen an Momo Bera

Foto: MARCEL YILMAZ

Was bedeutet es für dich, Stadtschreiberin von Berlin zu sein?

Wenn mir die „wunderschöne“ Frage gestellt wurde, woher ich komme, habe ich noch nie geantwortet, ich sei Deutsche, sondern schon immer gesagt, ich bin Berlinerin. Genauso wie mein Zuhause hat das Schreiben auch immer zu meiner Identität gehört. Beides zu kombinieren fühlt sich deswegen sehr richtig an. In all seiner Vielfältig- und -schichtigkeit denke ich nicht, dass man der Repräsentation dieser Stadt gerecht werden kann und das versuche ich deswegen auch gar nicht. Trotzdem sehe ich es als Herausforderung für mich, nicht in eine Romantisierung abzudriften, sondern mich auch literarisch mit den Abgründen dieser Stadt auseinanderzusetzen. Davon gibt es genug.

Was sind deine Pläne für die Zeit als Stadtschreiberin?

Ein Plan ist, eine Reihe von Farbgedichten zu entwickeln, die sich an der DIN-Norm deutscher Tuschkasten orientieren beziehungsweise spielerisch-assoziativ mit diesen Farben umgehen sollen. In einem Kasten befinden sich 12 Farben, das heißt, pro Monat entsteht ein Farbgedicht. Ansonsten ist noch alles offen und das mag ich auch so.

Du bist ja auch künstlerisch sehr begabt, möchtest du diese Fähigkeit in dein Wirken als Stadtschreiberin einfließen lassen?

Dass ich auch male, verbindet sich zwangsläufig mit dem Schreiben, denke ich. Mir wurde schon öfter gesagt, dass viele meiner Gedichte malerisch wirken. Und auf den Leinwänden finden sich auch schriftliche Fragmente und Textbausteine wieder. Vielleicht entwickelt sich für das Stadtschreiber*Innen-Projekt daraus auch noch etwas weiter, aber das kann ich jetzt noch nicht genau sagen.

P.S.: Die Literaturanthologie des studierendenWERKs ist unter dem Titel "In der Weserstraße sonnt sich ein Haus" erschienen und bündelt Texte aus allen literarischen Projekten des Bereichs Kultur & Internationales von 2018 bis 2020. Ein kostenloses Exemplar erhaltet ihr unter: Kultur@stw.berlin

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