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Drei Studierende sitzen auf einer grünen Wiese.

Die Uni der Zukunft: Forderungen und Wünsche der Students for Future

Welches nachhaltige Potential steckt in unseren Universitäten? Was läuft gut und was muss verbessert werden?

11.05.2021

von Wendy Sexton

Ich habe mit Paula von der HU und Michelle von der TU Berlin gesprochen. Sie sind an ihrer jeweiligen Universität Teil der „Students for Future“-Bewegung. Im Folgenden erzählen Sie, wie aus ihrer Sicht die Universität der Zukunft aussehen könnte.

 

Was läuft aus klimapolitischer Sicht schon gut an euren Universitäten?

Paula, HU:
„Eine unserer Forderung war es, dass eine Kommission für eine nachhaltige Universität eingeführt wird, eine sogenannte KNU. Und diese KNU gibt es jetzt. Sie trifft sich einigermaßen regelmäßig und es sind auch studentische Vertreter*innen dabei. Außerdem wurden zwei Klimamanager*innen eingestellt. Diese Stellen beschäftigen sich damit, wie die Universität nachhaltiger und klimaneutral werden kann. Das war schon einmal ein ganz wichtiger Schritt, der erst passiert ist, nachdem wir Studierenden Druck aufgebaut haben.“

Michelle, TU:
„Wir führen Gespräche mit dem Hochschulpräsidium an der TU, sitzen in den verschiedenen Kommissionen und versuchen etwas zu pushen. Ich glaube, wir haben es auch geschafft etwas loszutreten. Wir haben es geschafft, dass sich die Uni Gedanken über Klimagerechtigkeit macht und sich fragt, wie die Universität klimaneutral werden kann. Aber es muss viel, viel schneller gehen.“

Was könnte an der Uni besser laufen?

Paula:
„Das Problem ist, dass es gar nicht transparent ist, wie gravierend die Zahlen sind. Der erste Schritt ist also eine Bestandsaufnahme: Wie viel CO2 emittiert die Universität als Institution überhaupt? Eine der ersten Aufgaben der KNU ist es, diese Zahlen zu erarbeiten. Die Klimamanager*innen können sich dann nach diesen Zahlen richten und Bereiche ausfindig machen, in denen wir schnell Dinge transformieren können und weitere Bereiche, die länger brauchen. Außerdem fordern wir Nachhaltigkeitsbeauftragte für alle Ebenen der HU, also im Präsidium, auf Fakultäts- und Institutsebene.“

Michelle:
„Es gibt tausend Ansprüche, die wir an unsere Uni haben. Wir stoßen immer wieder auf bürokratische Schwierigkeiten und ungeklärte Zuständigkeiten. Unsere größte Forderung ist natürlich, dass unsere Uni klimaneutral wird – so schnell wie es geht, allerspätestens (!!) bis 2030. Die Universität muss dafür den Weg ebnen. Wir haben im Moment nicht die Stellen, die wir bräuchten, um Nachhaltigkeit als großes Thema an der Uni zu etablieren. Man bräuchte beispielsweise Nachhaltigkeitsbeauftragte.
Das Berliner Hochschulgesetz soll auch eine Nachhaltigkeitsklausel bekommen. Diese ist aber im Moment viel zu schwammig formuliert. Es sollen konkrete Forderungen darinstehen, die dazu führen, dass wir Klimaneutralität erreichen. Sonst ist das Greenwashing, weiter nichts.
Wir fordern zum Beispiel auch Pflichtmodule für alle Studierenden im ersten Semester, die sich mit Nachhaltigkeit, Klimagerechtigkeit und sozialer Verantwortung auseinandersetzen. Wenn man sich in die Unistrukturen und Zuständigkeiten reindenkt, ist die Umsetzung leider nicht so einfach.“

Wie stellt ihr euch eine Uni der Zukunft vor?

Paula:
„Das ist eine gute Frage. Die Uni der Zukunft aus nachhaltiger Sicht würde ich mir so vorstellen, dass sie das Thema Nachhaltigkeit noch viel umfassender integriert. Sowohl in ihren Alltag als auch in die Lehrinhalte. Wir müssen alle wissenschaftlichen Disziplinen auf eine Art neu denken und durch eine nachhaltige Perspektive ergänzen.
Gerade als Uni müssen wir gesellschaftlich eine Vorreiterrolle einnehmen. Vor allem, weil wir ein Ort der Wissenschaft sind, sollten wir auch nach wissenschaftlichen Empfehlungen handeln. Auf dem Campus würde das konkret zum Beispiel so aussehen, dass man sich keine Uni ohne Solaranlagen mehr vorstellen kann, dass man den Campus mehr begrünt und zu einem lebenswerteren Ort macht.“

Michelle:
„Eine Uni der Zukunft ist für mich eine Institution, wo die Menschen so ausbildetet werden, dass sie später gerecht, sozial und umsichtig agieren können und Verantwortung in Bereichen übernehmen können, wo sie merken, dass Verbesserungsbedarf herrscht. Und das natürlich auch im nachhaltigen Sinne. Den Campus der Zukunft stelle ich mir ohne Plastik vor, mit sanierten Gebäuden und eigener Stromerzeugung. Und nachhaltiges Lernen ist natürlich auch superwichtig. Denn an der Uni sind Menschen, die das Potenzial haben, zu entwickeln, was notwendig ist, um am Ende klimagerecht zu werden.“

 

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