Foto: Luise Wagener

Die Mensa-Challenge

Kann man sich für 50 Euro einen Monat lang schmackhaft und ausgewogen in der Mensa ernähren? Cosima und Mascha haben es ausprobiert.

07.01.2020

Auch wer – wie die meisten Studierenden – lediglich über ein knappes Budget verfügt, möchte sich abwechslungsreich und gesund ernähren. Geht das überhaupt in der Mensa? Die beiden Werkblatt-Redakteurinnen Cosima Kopp und Mascha Malburg haben jeweils eine MensaCard mit 50 Euro in die Hand bekommen. Während sich Cosima omnivor ernährt, versucht Mascha, vegan zu leben. Die Herausforderung für beide: einen Monat lang jeden Wochentag in der Mensa essen.

Mascha Malburg, Foto: Jana Judisch

Reichen 50 Euro um einen Monat lang vegan in der Mensa zu essen?

Klimaschonend, gesund und günstig auswärts essen – das klingt für viele Studis erstmal utopisch. Ich habe getestet, wie weit ich mit einer 50-Euro-MensaCard komme.

von Mascha Malburg

Das Experiment startet an einem Montag mit Bohneneintopf und Salat. Stolz lege ich meine nagelneue lila Mensakarte auf das Zahlgerät ­– noch 46,60 Euro. Sehr gut. Cosima, die ihr Tablett vor mir platziert hat, legt den Kopf skeptisch zur Seite. Sie macht das Experiment jetzt schon zwei Wochen und rechnet vor: „2 Euro und 27 Cent pro Tag darfst du maximal ausgeben, sonst kommt‘s nicht hin.“

Also starte ich am nächsten Tag einen neuen Versuch. Heute bin ich allein und inspiziere in aller Ruhe die Ausgaben und Preistafeln. Wenn ich einen Salat möchte, muss ich die günstigsten Gerichte wählen, die nur wenig mehr als einen Euro kosten. Meistens sind das Eintöpfe, Suppen, Reiscurry – eben Dinge, wo nicht noch die Beilagen oben draufkommen. Für mein Experiment sollen die auch noch vegan sein. Am Eingang finde ich ein Plakat mit den Zusatzstoffen. Die 30 steht für Milchiges, 23 ist Ei. Auch die 21 kann ich nicht essen, weil ich kein Gluten vertrage.  21, 30, 23, 21, 30, 23 … Und tatsächlich: Es gibt veganen, glutenfreien Grünkohl mit Kartoffeln für 1,45. Jetzt noch einen Salat in der kleinen Schale vorsichtig nach klassischer Mensa-Kunst aufstapeln. Eine halbe Stunde und sehr viel Zahlenkuddelmuddel im Kopf später stehe ich an der Kasse. „2,20!“, triumphiere ich und strahle die irritierte Kassiererin an.

Mit dem Ausblick, die nächsten vier Wochen meine Sparerfolge nur mit dem Mensapersonal zu teilen, bin ich allerdings nicht sehr glücklich. Also mache ich Mensa-Dates aus. „Wir haben uns so lange nicht gesehen, hast du morgen Mittag vielleicht Hunger?“ „Du willst mit mir was besprechen? Gerne, ich kann immer von zwölf bis vierzehn Uhr dreißig.“ Nach nur einer Woche habe ich eine richtige kleine Mensa-Familie zusammengefunden. Wenn Mette nicht kann, kann Svea, und Joachim geht auch fast jeden Tag. Oft wird das gemeinsame Essen zu einem richtig guten Gespräch. Das Besteck in der Hand, greift niemand zum Handy, und wenn man gerade nicht weiß, worüber man sprechen soll, spricht man eben über das Essen. Es hat etwas Intimes, zu erfahren, was andere nicht ausstehen können und bei welchem Gericht sie die Gabel hastig zum Mund führen. Für eine Freundin ist der Milchreis Kindheitserinnerung, ein Freund besprenkelt jegliches Essen mit Olivenöl – er hat italienische Wurzeln.

Mit der Zeit werde ich zum Profi. Oft weiß ich schon anhand der Gerichte, wie teuer sie ungefähr sind. Das Bioessen ist meistens vegan, kostet aber auch mehr. Fast immer gibt es ein Fleischersatz-Falafelstyle-Patty-Irgendwas-Teilchen, bei dem ich mir dann aber nur eine Beilage leisten kann. Am Liebsten greife ich zu den Eintöpfen und Suppen. Das passt zum verfrorenen November. Und meistens ist da auch noch ein Baum auf der Anzeige, das bedeutet, dass das Essen besonders klimaschonend ist und zum Beispiel aus der Region kommt, was den Sinn meines Veganismus-Experiments wunderbar ergänzt.

Es gibt aber auch Tage, an denen es nicht so läuft. Einmal ist nichts in meinem Budget vegan und ich greife frustriert zum kalten Kartoffelsalat, ein anderes Mal bemerke ich zu spät die kleinen Speckwürfel in der Suppe. Irgendwann checke ich, dass das Salatdressing Ei enthält. Ich muss hier also auflösen, dass die Überschrift im Prinzip eine Lüge und dreistes Clickbait ist. Trotzdem werde ich von Tag zu Tag motivierter. Ich sammle fleißig Gerichte mit Bäumen und grünen Punkten. Eine sehr grobe Rechnung verrät mir, dass ich schon fast 20 Kilogramm CO2 eingespart habe.

Am Ende wird es nochmal richtig spannend. Für die letzte Woche bleiben mir gerade einmal 9,60 Euro. Am Donnerstag blubbert das teure Chili sin Carne sehr verführerisch. Montag ist Montag und ich brauche einen Schokosojapudding zum Dessert. Retten kann mich jetzt – wie so oft – nur noch eine Abgabefrist. Die restlichen Tage sitze ich gestresst Zuhause am Schreibtisch und vermisse die vollen Tabletts. Am 10.12. schließlich endet das Experiment mit einer wunderschönen Reispfanne. 4,45 Euro bleiben auf der Karte. Auch wenn ich hier und da ein bisschen geschummelt habe – dieser Monat hat mir gezeigt: Man kann echt mit wenig Geld gesund und klimaschonend in der Mensa essen – und viel schöner als allein Zuhause ist es noch dazu.

Cosima Kopp, Foto: Jana Judisch

Einen Monat Mensa für 50 Euro

Die Challenge: Einen Monat (oder 22 Wochentage) lang in den Mensen des studierendenWERKs Berlin essen. Das verfügbare Guthaben von 50 Euro darf nicht überschritten werden. Die Gerichte sollen lecker, gesund und sättigend sein.

von Cosima Kopp

1. Tag
Das Mittagessen in der Mensa gehört für viele zu ihrem regulären Tagesablauf dazu, bei mir kann man die Male, die ich in die Mensa gegangen bin, gefühlt an einer Hand abzählen. Ich ging sonst äußerst selten in die Mensa, denn häufig fanden meine Seminare zur Mittagszeit oder erst nachmittags statt. Gespannt, ob ich diese Herausforderung meistern würde, machte ich mich mit der MensaCard gewappnet auf zur Mensa Nord am Campus der Humboldt-Universität und der Charité. Im Vorfeld hatte ich schon viel Positives über die Mensa Nord gehört und auch auf mich machte sie einen guten ersten Eindruck.

Zahlreiche hungrige Studierende strömten in die Mensa und ordneten sich automatisch in Schlangen an. Ich als Alles-Esserin konnte mich kaum entscheiden. Nach langem Hin- und Herlaufen um die Anzeigetafeln zu vergleichen, entschied auch ich mich: Blumenkohl-Knusper-Medaillons an Soja-Joghurtdip mit Kartoffeln. Kostenpunkt: 2,80 Euro. Das Essen war lecker und ich fühlte mich gesättigt – ein erfolgreicher erster Tag.

7. Tag
Schnell merkte ich, dass ich nicht unvorbereitet in die Mensa gehen konnte, wenn ich alle 22 Tage dieser Challenge schaffen wollte. Bevor es in die Mensa ging, schaute ich mir den Essensplan online an. Besonders praktisch war dies an Tagen, an denen ich nicht viel Zeit zum Mittagessen hatte. Aber es half mir auch, mein Budget im Auge zu behalten. 22 Tage lang essen für 50 Euro ergibt ein Budget von 2,27 Euro pro Tag. Ich war skeptisch, ob dies möglich ist.

In den Mensen half mir das Ampelsystem, wodurch schnell ersichtlich wurde, welche Gerichte in das Kriterium “gesund” passten. An diesem Tag entschied ich mich für das Süßkartoffelpüree mit Zucchini-Mix und Tomatensauce. Kostenpunkt: 1,65 Euro.

16. Tag
Die anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten legten sich schnell und ich hatte das Gefühl, zum richtigen Mensaprofi zu werden. Heute ging ich zur Abwechslung in die Mensa Süd an der Humboldt-Universität, hier hatte ich mich mit Freunden verabredet. Lunchdates sind eine super Möglichkeit, sich mit Leuten zu unterhalten, die man sonst oft nur im Vorbeigehen vor unserem Institut sieht. Meine Freundin entschied sich für den Fisch mit Reis, ich wählte die Gemüsebratlinge mit Nudeln an Kräutersoße und einen kleinen Salat. Kostenpunkt: 3 Euro.

22. Tag
Am finalen Tag der Challenge aß ich Italienische Pasta an fruchtiger Tomaten-Balsamicosauce. Kostenpunkt: 2,45 Euro.

Fazit
Mit dem Budget kam ich erstaunlich gut klar. Tage, an denen ich beispielsweise ein Rotbarschfilet mit Karotten-Lauch-Gemüse, Reis und einem kleinen Salat für 3,90 Euro aß, wurden ausgeglichen durch Tage, an denen ich unter 2 Euro für mein Mittagessen ausgab.

Außerdem war ich sehr positiv überrascht über die Vielfalt des Angebots. Von gefüllten Zucchini, über vegane Tofu-Bolognese bis hin zum Rotbarschfilet – für jeden Hunger wurde täglich etwas geboten. Ich hatte Spaß daran, auch mal neue Gerichte auszuprobieren, geschmeckt hat mir jedes davon.

Die anfänglichen Zweifel legten sich im Lauf des Monats, denn jetzt weiß ich: Einen Monat lang Mittagessen für 50 Euro? In den Mensen des studierendenWERKs BERLIN definitiv möglich!

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