Foto: Jan Eric Euler / DSW
Junge Menschen auf einer Wiese, im Vordergrund verschiedene typografische Zeichen

Der bunte Strauß der Gender-Varianten

Der geschlechterbewusste Sprachgebrauch, das sogenannte Gendern, ist vor allem im Bereich der Universität verbreitet und besonders in den Geisteswissenschaften alltäglich geworden.

30.06.2021

von Wendy Sexton

Viele Studierende wie Lehrende setzen die geschlechtergerechte Sprache bereits im Schriftlichen und im täglichen Sprachgebrauch souverän um. Von einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen kann allerdings noch keine Rede sein. Die Formen des Genderns sind so vielfältig wie die Diskussionen, die sich um die Thematik drehen. Da kann man schon mal den Überblick verlieren.

Wie sieht nun aber eine geschlechtergerechte Sprache idealerweise aus? Den einen richtigen Weg gibt es im Moment nicht. Richtig gendern heißt eher, der Situation angemessen gendern. Im Folgenden schauen wir uns die verschiedenen Formen der gendergerechten Sprache mit ihren jeweiligen Vor- und Nacheilen an.

 

Paarformen und genderneutrale Personenbezeichnungen: Als Paarform bezeichnet man die Nennung sowohl der weiblichen als auch der männlichen Wortform (Bsp.: Studentinnen und Studenten). Allerdings schließt diese Variante nicht binäre Identitäten nicht mit ein.

Die generderneutrale Personenbezeichnung wird mit dem Partizip I gebildet (Bsp.: Studierende). Der Vorteil beider Varianten liegt in der guten Lesbarkeit insbesondere auch für Screenreader, die viele sehbehinderte und blinde Menschen nutzen.

Klammern und Schrägstrich: Diese Form des Genderns ist bekannt (Beispiel: Student(in) oder Student/in). Der entscheidende Nachteil besteht darin, dass durch das Einklammern der weiblichen Form eine Hierarchie entstehen kann. Auch beim Schrägstrich bildet die weibliche Form nur ein Anhängsel an die männliche Form, was von manchen als Abwertung betrachtet wird.  

Binnen-I: Das Binnen-I ist in gewisser Weise die Weiterführung des Schrägstrichs (Bsp.: StudentIn). Diese Variante war besonders in den 1980ern und 1990ern verbreitet. Menschen, die sich keinem binären Geschlecht zuordnen, werden hierbei jedoch nicht mitgedacht und die weibliche Form ebenfalls nur als Anhängsel an den männlichen Wortstamm angehängt.

Gendersternchen und Gender_Gap: Das Gendersternchen ist inzwischen sehr verbreitet. Das Schöne daran ist, dass es auch nicht binäre Geschlechter mit einschließt. Die Strahlen des Sternchens können als Symbol für die verschiedenen Richtungen einer Identität gelesen werden. Auch der Unterstrich, „Gender_Gap“ genannt, schließt vielfältige Identitäten mit ein. Sowohl Sternchen als auch Unterstrich suggerieren eine Leerstelle, die Raum für verschiedene Geschlechteridentitäten lässt.

Genderdoppelpunkt: Der Genderdoppelpunkt ist inzwischen immer häufiger zu sehen. Hinter dieser Idee steckt die Annahme, dass zum Beispiel Screenreader für sehbehinderte Menschen den „Gender-Gap“ durch den Doppelpunkt automatisch mitsprechen können. Laut des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes ist der Doppelpunkt beim Gendern für sehbehinderte Menschen aber ebenso problematisch wie Schrägstrich, Sternchen und Unterstrich. Je nach Einstellung wird nämlich auch der Doppelpunkt von Screenreadern häufig mitvorgelesen oder durch eine besonders lange Pause gekennzeichnet. Auch müssen Sonderzeichen in der Blindenschrift (Brailleschrift) durch spezielle Ankündigungszeichen gekennzeichnet werden, was den Lesefluss erschwert. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband bevorzugt deshalb geschlechtsneutrale Formulierungen oder die Anwendung der Paarform.

Gendern im Gesprochenen: Der Genderstern sowie der Gender-Gap können im allgemeinen Sprachgebrauch durch eine kurze Pause mitgesprochen werden. Das mag zwar am Anfang ungewohnt sein, doch kennen wir diesen sogenannten glottalen Verschlusslaut tatsächlich schon von anderen Worten wie The-ater oder Spiegel-ei.Mit dem gleichen kurzen Stocken spricht man dann zum Beispiel auch Student-innen aus.

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