Foto: NELLY SCHIPKE
Die menschenleeren Außenanlagen des Wohnheims Sigmunds Hof

Das Leben im Wohnheim in Zeiten von Corona

Gastautorin Nelly wohnt in einem Wohnheim des studierendenWERKs. Wie hat Corona das Zusammenleben dort verändert?

25.03.2020

Gastbeitrag von Nelly Schipke

Ich wohne seit dem Wintersemester 2019/20 im Wohnheim Siegmunds Hof, welches sich im Bezirk Mitte befindet und ein Zuhause für mehr als 500 Studierende bietet. Das Thema Corona beschäftigt natürlich auch uns Wohnheimbewohner*innen und hat Einfluss auf unseren Alltag.

Die Gemeinschaftsräume, wie das Fitnessstudio und die Musikräume, sind in Siegmunds Hof seit einer Woche geschlossen. In den Bädern hängen nun Beschreibungen, wie man sich richtig die Hände wäscht. Auch die Wohnheimtutor*innen bieten keine persönlichen Sprechzeiten mehr an, sie sind jedoch immer noch per Telefon und E-Mail erreichbar.

Das Leben seit dem Ausbruch des Coronavirus hat sich also auch im Wohnheim verändert. Da momentan Semesterferien sind, ist es sowieso leerer als sonst, doch auffällig ist, dass kaum Menschen zwischen den insgesamt zwölf verschiedenen Häusern umherlaufen. Seit Montag gelten in Berlin Kontaktbeschränkungen und der Hashtag #wirbleibenzuhause wird immer häufiger in den sozialen Netzwerken genutzt. Doch durch die Vielzahl an digitalen Möglichkeiten ist der Austausch untereinander natürlich trotzdem möglich. Weil das Wohnheim aus so vielen Häusern besteht, gibt es mehr als nur eine WhatsApp-Gruppe, um sich auszutauschen. Vor Corona wurden diese Gruppen gerne genutzt, um nicht mehr Genutztes zu verschenken oder zu verkaufen sowie gemeinsame Aktivitäten zu planen. Doch nun dominiert das Thema Corona. Es wird sich über die Maßnahmen, die Deutschland ergreift, ausgetauscht oder auch darüber, wo man die MensaCard zum Bezahlen im Waschraum noch aufladen kann, seitdem die Mensen geschlossen sind. Außerdem werden Artikel und Videos, wie beispielsweise die Rede der Kanzlerin zu Corona, geteilt und sich auch gegenseitig ermahnt, die Lage nicht zu unterschätzen.

Bei uns in der WG steht seit Kurzem sogenannte Arztseife, welche schonend für die Hände bei besonders häufigem Händewaschen sein soll – eine der letzten Seifen, die ich in einem Drogeriemarkt an dem Tag ergattern konnte. Eine Mitbewohnerin hat einen fast 5-kg-Sack Reis in unserer Küche abgestellt, so etwas gab es vor Corona nicht. Die Supermärkte in der Nähe vom Wohnheim haben ebenfalls mit dem Nachfüllen von Toilettenpapier und Nudeln an den leeren Regalen zu kämpfen, da die Menschen auch hier seit Ausbruch des Virus deutlich größere Mengen einkaufen.

Ein Bewohner aus einem Einzelapartment im Wohnheim berichtet: „Also ich hatte auch vor Corona nicht so viel Kontakt zu meinen Nachbarn und das ist bisher so geblieben.“ Er erzählt außerdem, dass er weniger rausgeht und sich einen kleinen Vorrat an Lebensmittel angelegt hat. Bei dem letzten Besuch, den er empfangen hat, verzichteten beide auf die Umarmung. Generell sieht man seit der Kontaktbeschränkung und natürlich auch aufgrund des sonnigen Wetters, dass sich mehr Bewohner*innen auf ihren Balkonen aufhalten. Von einigen der Balkone kann man sogar einen Ausblick auf die Spree genießen.

Besonders die Studierenden in Flurgemeinschaften, welche sich Küche und Bad teilen, müssen auf ihre Hygiene achten, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren und andere nicht zu gefährden. Ein Bewohner, der mit sieben weiteren Studierenden auf einem Stock lebt, berichtet, dass er sich seit dem Ausbruch des Coronavirus die Hände viel öfter wäscht und meint: „Ich habe keine Angst vor Corona, aber ich würde gerne die Semesterferien anders verbringen.“

 

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