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Create your Future! – Der Klimakongress an der TU

Berliner Schüler*innen demonstrieren seit Monaten für mehr Klimaschutz, während Forschende an den Unis zu immer bedrohlicheren Prognosen kommen.

27.09.2019

von Mascha Malburg

Es ist dringend Zeit, beide zusammenzubringen. „Create your Future!“ hat das an der TU Berlin geschafft. 

Junge Stimmen schallen durch den Lichthof der Technischen Universität. Wie auf einem Marktplatz sind ringsherum kleine Stände aufgebaut, an denen sich Schüler*innen, Studierende und Professor*innen drängen. Die Ware: Ideen, die die Welt retten.

Drei Tage lang sind die Schüler*innen des nahe gelegenen Schiller-Gymnasiums in die TU umgezogen, um gemeinsam mit Berliner Vereinen und Firmen klimarelevante Themen zu diskutieren und eigene Lösungen zu entwickeln. „Create your Future“ heißt das Projekt. „Weil jeder von uns daran erinnert werden sollte, dass die Zukunft abhängig von seinem eigenen Handeln ist“, sagt Nicole. Die junge Frau spricht ernst, langsam. Gemeinsam mit Fridays for Future hat sie das Projekt in den letzten Monaten organisiert.

Heute, am letzten Tag, präsentieren die Schüler*innen ihre Ergebnisse auf dem Klimakongress. Da ist zum Beispiel Esther, die gemeinsam mit Studierenden der TU ein Modell für ein klimafreundliches Haus auf Haiti gebastelt hat. Souverän erklärt sie, dass ihr „Earthship“ aus Materialien gebaut ist, die sonst weggeworfen werden und sich durch einen geschlossenen Energie- und Versorgungskreislauf auszeichnet. Umweltbewusste Architektur orientiere sich an den örtlichen Bedingungen. So haben ihre Mitschüler*innen für das Modellhaus in Alaska auf die richtige Isolierung geachtet, während Esther im sonnigen Haiti mit halbkugelförmigen Fenstern die Glühbirnen ersetzt. Am ersten Tag hat sie das alles theoretisch gelernt: Erneuerbare Energien, ökologischer Fußabdruck und Recycling standen auf dem Stundenplan. „Aber die Studenten waren richtig locker und haben uns alles mit Memory beigebracht“, lacht sie.

Suan tritt derweil nervös von einem Fuß auf den anderen. Gleich geht er auf die Bühne, seine Freunde filmen schon live für Instagram. Er hat gemeinsam mit Paul vom ökologischen Verkehrsclub Deutschland ein Mobilitätskonzept für seine Schule aufgestellt. „Wir fordern einen Projekttag im Jahr, an dem wir uns mit unserer Mobilität auseinandersetzen und noch mehr darüber lernen!“, erklärt er.

„Es ist wichtig, dass wir unsere Wünsche laut und deutlich äußern“, hatte die Moderatorin zuvor gesagt. Die Schüler*innen scheinen das verinnerlicht zu haben. Sie wissen: Das Thema geht sie eigentlich mehr an, als ihre Lehrer*innen. Wenn die Menschheit so weitermacht, werden sie die Hälfte ihres Lebens auf einer Erde leben, die 2 bis 3 Grad wärmer ist als vor der Industrialisierung. Welche gravierenden Folgen das hätte, erklärt Dr. Carl-Friedrich Schleussner. In Fridays-for-Future-Kreisen ist der junge Physiker bekannt durch seine öffentlichen Klimavorlesungen an der HU. Mit einfachen, klaren Worten beschreibt er das Szenario einer 1,5-, 2- und 3-Grad-Erwärmung der Erde. Was viele nicht wissen: „Es reicht nicht, die Treibhausemissionen zu reduzieren. Wir müssen auf null kommen.“  Der Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt sei vergleichbar mit einer Badewanne, in der das Wasser steigt. „Auch wenn wir es schaffen, dass sich die Wanne langsamer füllt, wird sie früher oder später überlaufen.“, sagt er und blickt in ernste Gesichter. Im Lichthof ist es ziemlich still geworden.

„Wir wachen gerade erst auf – und das reichlich spät“, mahnt Prof. Dr. Dr. Martina Schäfer, die seit 20 Jahren Nachhaltigkeitsforschung an der TU betreibt und bei Scientists for Future aktiv ist. Die TU sei zwar unter den Berliner Unis Vorreiterin in Sachen Klimaschutz: Gerade wurden alle 49 Gebäude der Uni auf ihre Energieeffizienz geprüft. Es gibt Ideen, die Abwärme zu nutzen, Dächer zu begrünen und komplett auf recyceltes Papier umzustellen. Doch damit die Uni wie geplant bis 2030 klimaneutral wird, fehle es vor allem an Geld aus öffentlicher Hand. Dazu brauche es klare politische Entscheidungen. Vom Klimapaket der Bundesregierung sei sie mehr als enttäuscht. Also handelt sie selbst. Gemeinsam mit weiteren Wissenschaftler*innen hat sie sich verpflichtet, keine Kurzstreckenflüge mehr zu nehmen. Ihre Generation habe lange geschlafen, gibt sie zu. 

Die Veranstaltung zeigt: Fridays for Future hat es geschafft, das ehemalige Nischenthema Klimawandel in all seiner Bedrohlichkeit auf die Tagesordnung zu setzen. „Ich erkenne die Fakten an – das allein ist meine Motivation“, sagt Organisatorin Nicole. Mit „Create your future“ hat sie die Erkenntnisse der Wissenschaft mit den Forderungen der Schüler*innen an der Uni zusammengebracht. „Damit wir den Wettlauf gegen die Zeit gewinnen.“

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