Foto: FELIX NOAK
Hand bedient ein Smartphone mit der Corona-App.

Corona-Warn-App: Datenmonster oder Lebensretter?

Seit ihrer Einführung wird die Corona-Warn-App der Bundesregierung kontrovers diskutiert.

12.08.2020

von Marc Bräutigam

Indem sie über Kontakt mit potenziell infizierten Personen informiert, soll sie bei der Unterbrechung von Infektionsketten helfen. Doch ist die Anwendung effektiv? Und wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Ich habe drei Studierende gefragt, warum sie die App installiert haben – oder nicht.

Alexandra, 22, Studentin der Kunstgeschichte
„Die Corona-Warn-App habe ich installiert, denn ich finde es irgendwie komisch, sich dagegen zu stellen. Schon gar nicht aus Datenschutzgründen, Facebook speichert unsere Daten ja auch. Dennoch gibt es meiner Meinung nach ein großes Manko: Immer wenn ich nach Hause komme, schalte ich automatisch den Bluetooth aus, um Handyakku zu sparen. Wenn ich dann wieder das Haus verlasse und unterwegs bin, vergesse ich oft, den Bluetooth wieder einzuschalten. Wenn man dann nicht aufs Handy schaut, ist diese Funktion einfach deaktiviert. Man könnte dafür sicherlich eine bessere Lösung finden … Bei mobilem Internet und WLAN gibt es für Handys ja auch die Funktion, dass die sich jeweils ein- und ausschalten, je nachdem, ob man im Haus ist oder nicht. Insgesamt ist es eine gute Sache, die App zu installieren – gleichzeitig bringt es aber wenig, wenn die Hauptfunktion der App einen Teil der Zeit nicht aktiviert ist.“

Nilüfer, 27, Studentin der Politikwissenschaften
„Ich habe aus Prinzip ein Problem mit der Nutzung der App, weswegen ich sie mir auch nicht heruntergeladen habe. Dabei geht es mir weniger um den Datenschutz an sich als um die Art der preisgegebenen Daten: Grundsätzlich gebe ich mir zwar immer Mühe, dass meine Daten so wenig wie möglich erfasst werden – aus diesem Grund mache ich zum Beispiel kein Online-Shopping. Diese kommerzielle Verwendung meiner Daten finde ich aber noch weniger schlimm als das Hergeben meiner Gesundheitsdaten, da diese substanzieller sind und einen viel angreifbarer machen. Das kommt, wenn auch anonym erfasst, für mich momentan gar nicht in Frage. Der Gedanke, dass mein Bewegungsprofil in Kombination mit meinem Gesundheitszustand festgehalten wird, ist für mich echt unangenehm. Ich wäre bei einer kritischeren Lage des Infektionsgeschehens hier in Deutschland durchaus bereit, mir die App zu holen – sofern die Installation noch freiwillig wäre. Wenn es für den Schutz der Menschen unbedingt vonnöten wäre, würde ich das auch akzeptieren. Andere Maßnahmen erscheinen mir derzeit aber effektiver.“

Till, 24, Student der Volkswirtschaftslehre
„Ich habe die App vor einigen Wochen mit dem Gedanken heruntergeladen: ‚Was spricht dagegen?‘ Für mich stand die Installation nie zur Debatte, weil sie einfach keinen großen Aufwand darstellt – ein kurzer Download, schon läuft‘s. Ich denke, dass es wichtig ist, dass jeder in unserer Gesellschaft zumindest einen kleinen Teil dazu beitragen kann, sich selbst und andere zu schützen. In meine Haltung dazu spielt auch mit rein, dass ich den beteiligten Institutionen durchaus vertraue, auch was Dinge rund um den Datenschutz angeht. Da habe ich keine Bedenken. Ansonsten benutze ich die App nicht wirklich, sie läuft mit aktiviertem Bluetooth einfach im Hintergrund. Für mich steht die Warn-App im ‚Corona-Maßnahmen-Ranking‘ zwar nicht auf dem ersten Platz, erscheint mir aber auf jeden Fall sinnvoll, wenn sie schon einen kleinen Erfolg bei der Bekämpfung des Virus bringen kann.“

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