Foto: FELIX NOAK
Studentin füllt am Tablet einen BAföG-Antrag aus.

BAföG in Zeiten von Corona

Welche Änderungen haben sich seit Corona auf das BAföG ergeben? Christian Gröger-Hafermann, Leiter der Abteilung BAföG im studierendenWERK BERLIN, äußert sich im Gespräch zu den Neuerungen.

25.08.2020

von Mandy Krause

Herr Gröger-Hafermann, welche Nachteile im Bezug auf das BAföG haben sich seit Pandemiebeginn herausgestellt?

Ein großes Problem lag zu Beginn natürlich darin, dass viele Studierende ihre Jobs verloren haben. Wir konnten jedoch auch feststellen, dass eine große Anzahl derer schnell eine neue Arbeit gefunden hatte, zum Beispiel im medizinischen Bereich. Deshalb erkenne ich streng genommen im Zusammenhang mit BAföG keine schwerwiegenden Nachteile, bis auf die Tatsache, dass es nach wie vor keine Möglichkeit der persönlichen Beratung gibt. Das federn wir aber durch die Möglichkeit der Online-Antragstellung ab, die ein Weg zu uns ins Haus im Regelfall entbehrlich macht.

Die Antragstellung birgt für viele ja dennoch Fragen. Wie gehen die Mitarbeiter*innen des studierendenWERKs damit um?

Sicherlich stellt die Pandemie auch für uns eine einschneidende Erfahrung dar. Aufgrund der Kontakt- und Abstandsgebote haben wir den Kund*innenkontakt komplett einstellen müssen. Wir sind daraufhin in einen Notbetrieb übergegangen. Erst seit Juli haben wir unter angepassten Arbeitsbedingungen wieder einen regulären Arbeitsbetrieb. Davon ausgenommen sind nach wie vor aber die persönlichen Sprechstunden. Anfragen fangen wir aktuell telefonisch oder über E-Mail ab. Hier spüren wir natürlich auch einen erhöhten Beratungsbedarf. Im Moment sind wir dabei, zwei Beratungsräume einzurichten, in denen unter Wahrung aller gesundheitsschützenden Maßnahmen persönliche Sprechzeiten im Einzelfall möglich sein sollen.

Was ändert sich für Studienanfänger*innen?

Der Beginn des kommenden Wintersemesters ist, wie üblich, der 1. Oktober. Auch wenn der universitäre Regelbetrieb wohl auf Anfang November verschoben wird, hat das keine Auswirkungen auf die Auszahlung des BAföGs. Wir werden ab dem 1. Oktober 2020 bewilligen und zahlen.

Die Rede ist aktuell von einer Anpassung/Verlängerung der „individuellen Regelstudienzeit“. Was genau heißt das für BAföG-Empfänger*innen?

Behinderungen in der Lehre, die durch die Pandemie zustande kamen, sollen nicht den BAföG-Empfänger*innen zur Last fallen, d. h. die jeweils individuelle Förderhöchstdauer soll dadurch nicht tangiert werden. Das Land Berlin strebt in dieser Hinsicht eine Änderung des Hochschulgesetzes zu Beginn des kommenden Wintersemesters an, um Studierende, die von Verzögerungen im Studienverlauf betroffen sind, entsprechend zu entlasten.

Welche Neuerungen treten darüber hinaus in Kraft?

Neu ist zum Beispiel, dass Einkünfte aus Jobs, die einen pandemiebedingten Hintergrund haben, von der Einkommensanrechnung im BAföG ausgenommen sind. Dies betrifft vor allem solche Jobs, die eine gewisse gesellschaftliche Verpflichtung beinhalten, wie beispielsweise in der Pflege. Diese Freistellung soll solange gelten, wie auch die pandemische Lage in der Bundesrepublik bestehen bleibt.

Wie ist der Stand für internationale Studierende?

Für internationale Studierende gibt es keine durch Corona verursachten Umstellungen. Spannend bleibt aber die Frage, ob es einen Zulauf an internationalen Studierenden geben wird oder nicht.

Steigt die Zahl der Anträge aktuell eher?

Wir konnten einen leichten Anstieg seit März und April feststellen. Wir vermuten auch, dass es zu einem Mehr an Aktualisierungsanträgen in der nächsten Zeit kommen wird; da spielt dann z. B. die mögliche Kurzarbeit der Eltern und/oder ein Arbeitsplatzverlust hinein. Unabhängig davon wünschen wir uns natürlich immer mehr Anträge, auch weil wir glauben, dass schon kleine Änderungen der Lebensverhältnisse (z. B. eine eigene Wohnung/Umzug in eine WG) sich positiv auf eine mögliche Förderung auswirken können. Darüber hinaus gibt es ganz sicher auch eine große Dunkelziffer an potentiellen Antragsteller*innen, die einen Anspruch hätten, diesen aber – vielleicht auch aus Angst vor dem Aufwand – nicht geltend machen.

Welche Nachweise sollten Studierende nun sammeln, um keine Einbußen zu kassieren?

Wenn Lehrveranstaltungen pandemiebedingt ausgefallen sind, reicht uns in der Regel eine kurze Zusammenstellung der Umstände zur Glaubhaftmachung. Wir prüfen dabei den Einzelfall. Bei den meisten Studiengängen gab es aber eine reibungslose Umstellung auf eine digitale Lehre ohne jegliche Ausfälle. Da unterscheidet sich die Pandemie auch nicht von anderen Verzögerungsgründen, die wir tagtäglich prüfen.  

 

Detaillierte Informationen zum Thema BAföG und Corona findet ihr auch in unseren FAQ.

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