Foto: Felix Noak / stW BERLIN
Studentin im Hörsaal

Auf Nummer Sicher? – Versicherungsschutz für Studierende

Sicher, sicherer, versichert? Sich im Dschungel der Versicherungen zurechtzufinden ist eine echte Herausforderung.

12.11.2021

Aber welche Versicherungen sind wirklich notwendig und welche befriedigen nur das eigene Sicherheitsgefühl? Diese und weitere Fragen beantwortete der Jurist und Versicherungskaufmann Jonathan Prill im Online Vortrag „Auf Nummer sicher“. Werkblatt-Autorin Wendy hat die Veranstaltung für euch besucht und die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst. 

Foto: Felix Noak / stW BERLIN

Welche Versicherungen brauche ich?

Zunächst solltest du dich erkundigen, welche Versicherungen verpflichtend sind. Dazu gehören in Deutschland zum Beispiel die Kranken- und Pflegeversicherung sowie die KFZ-Haftpflichtversicherung, wenn du ein Auto besitzt. In Berlin beispielsweise bist du als Hundehalter zudem verpflichtet eine Hundehaftpflichtversicherung abzuschließen.

Als nächstes gilt es deinen Bedarf zu ermitteln. Die Entscheidung für oder gegen eine Versicherung ist letzten Endes sehr individuell und stark von deiner Risikobereitschaft abhängig. Sieh dir deine Lebenssituation und deine Vermögenswerte an. Dazu gehören neben Gegenständen wie deinem Laptop oder deiner Wohnung auch Ungegenständliches wie deine Arbeitskraft oder dein eigenes Leben. Was davon möchtest du schützen? Wie hoch ist das Risiko, dass etwas passiert? Wie groß ist dein Bedürfnis, abgesichert zu sein und welche Beiträge kannst du dir finanziell leisten?

Welche Besonderheiten gibt es für Studierende?

Als Studierender bist du bei unmittelbar an den Schulabschluss angeschlossener Erstausbildung häufig über deine Eltern mitversichert (Bachelor und Master, wenn der Master unmittelbar angeschlossen wurde.) Das kann neben der gesetzlichen Krankenversicherung (bis zum 25. Lebensjahr) beispielsweise auch bei der Haftpflicht- oder der Rechtsschutzversicherung der Fall sein. Hier kann jedoch keine allgemeingültige Aussage getroffen werden. Lies unbedingt in den jeweiligen Versicherungsverträgen nach, ob du über deine Eltern mitversichert bist oder nicht. Trifft dies auf dich nicht mehr zu, kannst du mit einem Partnertarif Geld sparen – aber natürlich nur, wenn du einen festen Partner oder eine WG hast, mit dem/der du dich gemeinsam versichern möchtest.

Must-Have: Die private Haftpflichtversicherung

Die private Haftpflichtversicherung deckt Schäden ab, die du einer anderen Person verursachst.

Diese Versicherung ist recht günstig für ca. 50 bis 100 Euro im Jahr zu haben. Sie ist grundlegend und deckt eine große Bandbreite an möglichen Schadensfällen ab. Deshalb ist sie in der Regel für jede*n zu empfehlen. Achte aber unbedingt darauf, dass eine Deckungssumme von mindesten 10, besser 50 Millionen Euro vertraglich festgelegt ist. Aber Achtung: Häufig deckt die Versicherung keine Miet- oder Leihobjekte ab. Lässt du also die geliehene Kamera eines Freundes fallen, musst du leider selbst in die Tasche greifen.

 

Optional: Unfallversicherung & Hausratversicherung

Sowohl bei der Arbeit als auch während des Studiums ist man in der Regel automatisch gesetzlich unfallversichert. Die Versicherung greift in der Universität/am Arbeitsplatz sowie auf dem Weg dorthin. (Achtung: Der Schutz greift nicht, wenn du Umwege machst.)

Mit einer privaten Unfallversicherung kannst du zusätzlich dein Privatleben absichern. Die Versicherung zahlt in der Regel aber nur bei körperlichen Einschränkungen, die dauerhaft eine teilweise oder vollständige Invalidität verursachen (wie z.B. Erblindung oder Verlust eines Körperteils).

 

Eine Hausratversicherung macht besonders dann Sinn, wenn du teure Werte in deiner Wohnung hast. Das könnte zum Beispiel technisches Equipment sein oder auch eine besonders hochwertige Küche oder Wohnzimmereinrichtung. Auch wenn du ein teures Fahrrad hast, kann eine Hausratversicherung sinnvoll sein. (Achtung: Prüfe, dass Fahrraddiebstahl mitversichert ist)

Wenn du dich dafür entscheidest, sollte grobe Fahrlässigkeit unbedingt im Versicherungsumfang enthalten sein. Wenn du ein abschließbares WG-Zimmer hast, kannst du übrigens auch dieses absichern lassen.

 

Heiß diskutiert: Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Bei der Berufsunfähigkeit scheiden sich die Geister. Man zahlt einen recht hohen monatlichen Beitrag und erhält dafür im Falle einer Berufsunfähigkeit eine monatliche Rente. Die Beitragshöhe unterscheidet sich stark je nach Alter und gewähltem Beruf. So wird ein*e Handwerker*in wegen des höheren Risikos wesentlich höhere Beiträge zahlen als ein*e Büroangestellte*r. Die Entscheidung über die BU ist für Studierende besonders relevant, denn je früher man einsteigt, umso günstiger die Beiträge. Außerdem hat bei einigen BUs der Berufswechsel keine Auswirkungen auf die Beitragshöhe. Somit kannst du als „risikoarmer“ Student langfristig von besonders günstigen Konditionen profitieren. Diese Entscheidung ist stark individuell abhängig und es kann keine allgemeingültige Empfehlung dafür oder dagegen ausgesprochen werden. Achte im Falle eines Vertragsabschlusses aber unbedingt auf den „Verzicht auf Abstrakte Verweisung“.  Sonst kann es sein, dass du auf einen anderen Job verwiesen wirst, wenn du deine Hauptbeschäftigung nicht mehr ausüben kannst.

 

Bin ich bei Auslandsaufenthalten weiterhin geschützt?
Krankenversicherung: Im EU-Ausland lautet die Antwort ja. Für die Absicherung kürzerer Reisen von einigen Wochen außerhalb der EU gibt es günstige Tarife für rund 10 Euro im Jahr. Wenn du einen längeren Auslandsaufenthalt planst, solltest du dich zusätzlich absichern.

Haftpflicht: Bei der Haftpflichtversicherung kommt es auf deinen Versicherungsvertrag an. Die meisten decken einen Auslandsaufenthalt von bis zu einem Jahr ab, manche aber auch nur einige Monate. Prüfe das also unbedingt, bevor du aufbrichst.

Reiseversicherung: Deutsche im Ausland und ausländische Studierende in Deutschland können überlegen, eine Reiseversicherung abzuschließen. Es gibt zum Beispiel Pakete mit Haftpflicht-, Unfall- und Unterbrechungsversicherung in einem. Damit kannst du ein breites Versicherungsspektrum für deinen Auslandsaufenthalt abdecken.

Wo kann ich mich beraten lassen?

Es gibt drei Arten von Beratern. Den Versicherungsvertreter, den -makler und den Versicherungsberater. Der Versicherungsvertreter erhält eine Provision für seine Tätigkeit und handelt im Interesse der Versicherung. Der Makler erhält zwar auch Provisionen (Courtage genannt), doch steht er in deinem Lager, haftet bei Fehlern seinerseits und er berät dich im Schadensfall. Dadurch ist diese Form der Beratung in vielen Fällen hochwertiger. Obwohl Versicherungsberater und -makler Provisionen erhalten, musst du für den Vertragsabschluss nicht mehr bezahlen, als wenn du die Versicherung selbst abschließen würdest. Bei beiden ist die Beratung für dich kostenlos.

Einen Versicherungsberater hingegen musst du für die reine Beratungsleistung bezahlen, da dieser keinen Versicherungsvertrag für dich abschließt und somit auch keine Provisionen erhält.

Jonathan Prill rät besonders bei komplexeren Versicherungen wie einer BU zur Beratung durch einen Vertreter oder Makler. Einfachere Versicherungen wie die Haftpflicht- oder Hausratversicherung kann man auch online selbst abschließen. Aber Achtung: Es kursieren auch viele Unwahrheiten im Netz, informiert euch also umfassend.

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