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Auf in die neuen Zwanziger!

Am 12. Dezember präsentierten sich die größten Talente des Jahres bei „Mix it! Nacht der Talente“ auf der Bühne im Freiraum. Das Werkblatt war dabei.

06.01.2020

von Friedrich Reip

Wie schon in den vergangenen Jahren bildete die Nacht der Talente gewissermaßen Höhe- und Schlusspunkt der zahlreichen, in etlichen Rubriken ausgetragenen Talentwettbewerbe aus dem Jahr 2019: Bands & Chöre, Singer-Songwriting, Dance, Spoken Word und Klassik. Zudem gab es zwei „Open Stage“-Abende. Dabei ging es nicht allein um Ruhm und Ehre: Denn wer sich im Finale von Mix it! durchsetzt, erhält auch 1000 Euro Preisgeld – eine Summe, mit der sich eine noch frische Karriere in Kunst oder Unterhaltung mit Schwung anstoßen lässt.

Neben Manuel Kowol, der schon frühere Ausgaben von Mix it! moderiert hatte, fand sich dabei eine weitere alte Bekannte auf der Bühne: Christines Zeides, die mit ihrem fantastischen „Faust“-Programm zwischen Wortkunst und Fingerpuppen-Theater die 2017er-Ausgabe der Talentnacht gewonnen hatte. Gemeinsam fanden sie sich nach einer im launigen Preview-Film gezeigten Zeitreise in die (19)20er-Jahre zurückversetzt – Anlass für zeitgemäß schicke Frisuren und Outfits.

Den Auftakt des Abends absolvierten Julia und Steven, die im Namen ihres Duos Beflügelt und Vergeigt auch schon ihr Instrumentarium versteckt haben. So ausgerüstet trugen sie zwei Eigenkompositionen vor: das dramatische Doppel „Prelude to Pirates“ und „Pirates Storm Theme“, das man sich auch gut als Filmmusik vorstellen konnte. Mit Musik ging es auch weiter – allerdings in viel größerer Besetzung und weniger klassisch. Drugs und Numbers spielen erst seit einem Jahr zusammen und setzten anfangs auf stillen Kammer-Pop, der vor allem dank Sängerin Eva an Tori Amos denken ließ, ehe das kurze Set der Band plötzlich funky und mittels eines Drum-Solos auch groovy wurde.

Danach nahm Mix it! einen Schlenker – hin zu den bissigen, meist in Hochgeschwindigkeit vorgetragenen Beobachtungen in Karoline Fritz’ Spoken-Word-Programm „Wenn du fällst, tut es gar nicht mehr so weh“. Kaum war das letzte Wort gesprochen, da regierte auch schon wieder die Musik. Mariya Hristova alias Mims Blue gab als Multitalent an Klavier beziehungsweise Gitarre zwei Pop-Rock-Songs zum Besten – u. a. das stimmungsvolle „Being Real Or Being Fake“, dessen Live-Premiere das Publikum sogar zum Mitsingen brachte!

Bei der kulinarischen Verpflegung hatte man sich entschlossen, mit der Zeit zu gehen. So kamen ausschließlich vegane Häppchen auf die Platten, Kanapees mit Auberginen-Walnuss-Aufstrich oder gefüllte arabische Teigtaschen – eine tolle Überraschung! Entsprechend gestärkt ging es in die zweite Hälfte des Abends, die von Tommy Khang Lieu alias Crackedlimit eröffnet wurde: „Welcome to my World“ war der Titel seiner hochenergetischen, komplett improvisierten Breakdance-Performance. Als nächstes stand das Trio Solidarity Crème auf die Bühne, wo es mit Geige, Gitarre und Bass einen experimentierfreudigen, ansteckend gutgelaunten World-Music-Jam zusammenbastelte. Für noch einmal eine ganz andere Note sorgte zu guter Letzt Beba, der sich erst wenige Wochen zuvor qualifiziert hatte. In seinem inspirierenden englischsprachigen Programm „Das hässliche Entlein“ kombinierte er Comedy, Ballett und Jonglage und brachte obendrein ein Einhorn auf die Bühne. – Mehr Zirkus geht nicht. Das Publikum belohnte Beba dann auch mit dem ersten Platz.

„Es hat wieder total viel Spaß gemacht – Mix it! wird jedes Mal professioneller“, zeigte sich Petra Mai-Hartung, Geschäftsführerin des studierendenWERKs BERLIN, begeistert von der jüngsten Ausgabe. Damit dürfte eines klar sein: Mix it! ist bereit für ganz große Zwanziger Jahre!

 

Petra Mai-Hartung verkündet den Gewinner. Foto: STW BERLIN

Spoken-Word-Künstlerin Karoline Fritz, Foto: STW BERLIN

Beflügelt und Vergeigt, Foto: STW BERLIN

Beba und sein Einhorn, Foto: STW BERLIN

Interview mit Mix it!-Gewinner Beba

Du engagierst dich im sozialen Bereich und arbeitest auch dort mit Zirkus-Elementen. Erzähl uns ein bisschen mehr darüber, wo und wie das passiert!

Seit sechs Jahren arbeite ich als Sozialer Zirkustrainer mit verschiedenen gefährdeten Gruppen und unterstütze die Entwicklung von sozialen Projekten, die für und mit Menschen in Not durchgeführt werden. Ich habe mit mehreren NGOs in verschiedenen kulturellen Umgebungen sowohl in Europa als auch im Nahen Osten gearbeitet und Projekte entwickelt, die sich hauptsächlich darauf beziehen, wie menschliche Bedürfnisse durch Kunst, Kultur und Sozialpädagogik in benachteiligten Gebieten und gefährdeten Gruppen erfüllt werden können. Zirkusaktivitäten sind ein erstaunliches Werkzeug, um einen sicheren Raum für gefährdete Menschen zu schaffen und sie zu stärken. Darüber hinaus erreichen sie durch die Erfahrung des Zirkus viele verschiedene soziale und persönliche Fähigkeiten, wie z. B. Selbstvertrauen, Kommunikationsfähigkeiten, Sprachkenntnisse, kognitives oder emotionales Einfühlungsvermögen oder Teamarbeit.

Woher stammt die Inspiration für das „Entlein“-Programm?

Ich glaube, ich lasse mich immer von diesem Satz von Herman Melville inspirieren: “We cannot live only for ourselves. A thousand fibres connect us... and among those fibres, as sympathetic threads, our actions run as causes, and come back to us as effects.” Für das "Entlein"-Programm wollte ich über einige Themen nachdenken, die in unserer Alltagsgesellschaft sehr präsent sind: das Bedürfnis eines jeden, akzeptiert zu werden, anerkannt zu werden und zu etwas zu gehören.

Wie hast du den Abend erlebt? Du musstest ja lange hinter der Bühne warten.

Am Anfang war ich sehr nervös wegen meines Auftritts, aber es hat mir sehr viel Spaß gemacht, die anderen Aufführungen zu sehen. Es hat mir geholfen, nicht über meine Leistung nachzudenken und mich zu entspannen. Ich bin auch froh, dass Freunde von mir gekommen sind, um mir zuzusehen und sie haben mir geholfen, mich zu entspannen. Dank dieser beiden Dinge hat mir der Abend sehr gut gefallen.

Wie wirst du die Siegprämie investieren?

Nichts Verrücktes. Ich werde die Siegprämie benutzen, um meine Miete und die Gebühr der Universität zu bezahlen.

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