Foto: ANRITA1705/PIXABAY.COM
Schreibtisch mit Labtop, Handy, Schreibuntensilien und einer Tasse Espresso.

Anleitung zur erfolgreichen Corona-Prokrastination

Du willst den Lockdown nutzen und deine Abschlussarbeit schreiben? Erfahre das ultimative Misserfolgsrezept und mach’s wie ich!

22.04.2020

Gastbeitrag von Greta Alante*

Bei allen verheerenden Folgen der Coronakrise für Gesellschaft und Wirtschaft hat sie doch einen klaren Vorteil: Endlich habe ich als angehende Absolventin ganz viel Zeit, meine Abschlussarbeit zu schreiben! Während Krankenpfleger*innen, Postbot*innen & Co gerade dafür sorgen, dass das System nicht zusammenbricht, sollte ich an meinem Schreibtisch zu Hause doch wenigstens mein Studium auf die Reihe bekommen. Kein Spontanurlaub und kein Hauptstadt-Rave können mich mehr davon abhalten. Und sonst auch kein Treffen mit Freund*innen. Ich kann mich ja nicht einmal mehr damit ablenken, mich in der Coffeebar im Grimm-Zentrum zu verquatschen oder mich nach einer Stunde (wohlgemerkt hochkonzentrierter!) Arbeit in der Bibliothek mit einem ausgedehnten Mittagessen in der Mensa zu belohnen. Die Unibibliotheken sind zwar zu, aber auf JSTOR kann ich jetzt zum Beispiel auch von außerhalb des Campus zugreifen. Im Grunde hätte mir nichts Besseres als Corona passieren können!

Also dann, der Plan für die Tagesroutine während des Lockdowns mit meinem Freund sieht folgendermaßen aus: Während er zu unregelmäßigen Tages- und Nachtzeiten in seiner zu Hause eingerichteten Dunkelkammer Schwarzweißfotoabzüge macht, stehe ich pünktlich um 8 Uhr auf, frühstücke eine halbe Stunde, gehe kurz spazieren, mache um 9 Uhr ein Zoom-Meeting (von uns „Check-in Call“ getauft) mit Freund*innen und dann geht es los mit der Arbeit. Eine Stunde Mittagspause ist eingeplant – da essen wir gemeinsam. Nachmittags gibt es Kaffee. Abends folgt der „Check-out Call“, in dem ich den anderen erzähle, was ich alles so geschafft habe und wie produktiv ich war. Und dann mache ich ein kleines Workout mit der Fitness-App oder wir gucken die angefangene Serie auf Netflix weiter. Das lässt sich sowieso viel besser mit dem Abendessen kombinieren.

Insgesamt 7 Stunden Arbeitszeit pro Tag, 6 Tage pro Woche, 7,5 Wochen lang. In etwa 300 Stunden sollte die Arbeit doch machbar sein. Thema, Fragestellung und Kapitelstruktur stehen schon.

Und dann? Ja dann, wenn die Bachelorarbeit geschrieben ist, geht das Leben wieder richtig los. Im Facebook-Veranstaltungskalender finden sich bereits die ersten After-Corona-Partys. Länger als acht Wochen kann der Lockdown sowieso nicht dauern… oder?

Doch die Realität holt mich schnell ein. Die ersten Tage verlaufen unproduktiv, ich habe mit einer Schreibblockade zu kämpfen. Die Essenspausen sind länger als geplant und abends schauen wir doch drei Folgen „Bad Banks“ statt nur einer. Am fünften Tag wird mir bewusst, dass die Umsetzung der Lockdown-Routine gar nicht so einfach ist: Natürlich habe ich verschlafen. Nach dem verpassten Zoom-Meeting, zu vielen Tassen Kaffee und anderthalb Stunden Leeres-Word-Dokument-Anstarren höre ich laute Bässe aus der Dunkelkammer. Na gut, das ist immerhin besser für die Konzentration als die Push-Benachrichtigungen zu Corona, die ich dummerweise nicht ausgestellt habe.

Eine halbe Stunde später gebe ich es dann doch auf und lese auf den Newsseiten, warum Menschen in Deutschland massenweise Klopapier kaufen, welche Fragen sie bei Google rund um das Coronavirus eingeben und eine Kurzanleitung für ein Schutzmaskenschnittmuster. Ich beschließe, mir kurz einen Tee zu machen, bevor ich mich wieder vollkommen der Arbeit widme. Doch auf dem Weg in die Küche werde ich von meinem Freund aufgehalten: „Willst du nicht lernen, wie man Fotoabzüge macht?“, ruft er begeistert aus seiner Home-Dunkelkammer...

Es vergehen vier Wochen und ich habe immer noch kein Wort meiner Bachelorarbeit geschrieben. Dafür bin ich Expertin für alle Fakten zur Coronakrise und kann meine eigenen analogen Handabzüge machen. Nun überlege ich, ob ich nicht ein Corona-Tagebuch schreiben soll. Die Abgabefrist ist momentan ja sowieso angehalten und immerhin erlebe ich gerade einen historischen Moment, der festgehalten werden sollte!

*Name von der Redaktion geändert

 

Geht's dir genauso? Unsere Schreibtutorin hat ein paar Tipps, wie es auch zu Hause mit dem Schreibprojekt klappt. Wie du deine Leistungsfähigkeit im Homeoffice steigern kannst, erklärt Unternehmensberaterin Kristina Hermann. Oder probier doch mal die Online-Schreibzeit von unserem Schreibzentrum aus. Dort findest du auch weiterhin individuelle Beratung zu deinem Schreibprojekt.

#Campus Stories  #Good to Know – Tipps für den Studi-Alltag