Foto: Luise Wagener

500 Quadratmeter Leinwand

Seit diesem Herbst erstrahlt die Fassade des Wohnheims Storkower Straße in neuem Glanz. Die Künstlerin und Grafikdesignerin Anna Rupprecht hat die Seitenwand des Hochhauses neu gestaltet.

17.12.2019

von Daniela Kummle

Anfang des Jahres hatte das studierendenWERK in einem Wettbewerb kreativ arbeitende Studierende dazu aufgerufen, sich mit einem Entwurf für die Gestaltung der bis dato unspektakulären Seitenfassade zu bewerben.

Die Jury, bestehend aus Mitarbeiter*innen des Büros Kultur & Internationales und der Abteilung Studentisches Wohnen, entschied sich für die Kommunikationsdesignstudentin Anna Rupprecht, die mit ihren farbenfrohen, detailverliebten grafischen Arbeiten bereits im Magazin The New Yorker vertreten war.

Als sie von dem Wettbewerb hörte, wusste Anna Rupprecht sofort, dass sie sich bewerben würde. „Da ich im Jahr zuvor einen anderen Wettbewerb gewann, bei dem ebenfalls eine Hauswand temporär mit meiner Illustration bemalt wurde, hatte ich bereits ein Gefühl, in welcher Dimension man arbeiten kann, um ein eindrucksvolles Bild zu erzeugen“, erzählt sie.

Ihre Arbeiten, die sie bereits im KUNSTRAUM des studierendenWERKs ausstellen durfte, haben einen stark narrativen Charakter und einen eigenwilligen Stil mit hohem Wiedererkennungswert. So überrascht es nicht, dass ihre Illustrationen bei Magazinen international gefragt sind.

Auch das Motiv auf der 500 Quadratmeter großen Außenwand des Wohnheimblocks in der Storkower Straße erzählt eine Geschichte: „Die Grundpfeiler des Bildes bilden die Formen mit blauem Hintergrund, die zum einen Protagonisten (mögliche Studierende) sowie Elemente des Alltags unterschiedlicher Kulturen, die sich auch in einem Wohnheim finden könnten, hervorheben. Darum spinnt sich ein Wollfaden, der aus einem Knäuel in der Mitte des Bildes hervorgeht. Ein junger Mann häkelt aus dem Faden eine Decke. All das soll für eine Art des Verbindens stehen, des Geschichtenschreibens, Verwebens und Kennenlernens, so wie es automatisch an einem Ort entsteht, an dem viele junge Leute zusammenkommen. Das Bild ist außerdem so aufgebaut, dass es auf der Hauswand eine Dynamik erzeugt, die für Lebendigkeit und Innovation stehen soll. Ich wollte eine Art Symbolbild für das Studierendenwohnheim Storkower Straße erschaffen.“

Anna Rupprechts Bilder entstehen zunächst in Form von analogen Skizzen. Danach setzt sie diese digital mit einem Grafik-Tablet um. Für freie Arbeiten greift sie aber auch ganz klassisch zu Leinwand und Acrylfarbe. Ihre Vorbilder sind vielfältig: „Ich habe einige Vorbilder, welche vor allem Frauen sind. Mein bekanntestes Vorbild ist wohl Frida Kahlo, die als eine der ersten Frauen den Kunstmarkt revolutionierte und mich sehr inspiriert hat. Sie sah sich selbst als ihre eigene Muse. Meine derzeitige Lieblingsillustratorin ist die Irin Laura Callaghan, die ebenfalls mit dünnen Linien und vielen Mustern arbeitet. Ich mag außerdem Künstler wie David Hockney oder Jean Michel Basquiat, die einen eigenen Stil prägten. Im Generellen bin ich großer Fan alter japanischer Illustrationen.“

Für die Bewohner*innen des Wohnheims ist ihr Zuhause nun ein bisschen bunter und interessanter geworden. Und wir dürfen gespannt sein, wo wir Anna Rupprechts Bilder künftig noch entdecken werden.

 

Das Motiv von Anna Rupprecht in der Gesamtansicht

Das studierendenWERK bedankt sich bei allen Studierenden, die Arbeiten für den Wettbewerb eingereicht haben. Hier die Plätze 2 und 3 der Jury-Auswahl:

2. Platz: Anne Kutz

3. Platz: Thi Kieumi Nguyen

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