Foto: Felix Noak / stW BERLIN
Studentin stellt einen Antrag über BAföG digital

50 Jahre BAföG

Am 1. September 2021 ist das Bundesausbildungsförderungsgesetz 50 Jahre alt geworden. Wie steht es heute um die Umsetzung der ursprünglichen Idee, Chancengleichheit im Bildungssystem herzustellen?

22.10.2021

von Mengna Tan

Dazu habe ich drei Studierende befragt, die bereits BAföG beantragt haben. Was wünschen sie sich und was sollte sich ändern?

Ben, Informatik an der Technischen Universität Berlin

Ich habe dieses Jahr meinen ersten BAföG -Antrag online erstellt und habe mir den Prozess schwieriger vorgestellt als er dann eigentlich war. Es gab aber auch ein paar Aspekte, die dann doch kompliziert waren. Zum Beispiel, dass Dokumente verlangt wurden, die ich noch gar nicht einreichen konnte, wie etwa meine Immatrikulationsbescheinigung oder meine Gehaltsbescheinigung. Bei der telefonischen Beratungsstelle musste ich dann leider sehr lange warten, bis ich drankam. Ein Glück bin ich nicht komplett auf mich allein gestellt, weil mein Bruder auch schon BAföG -Anträge erstellt hat. Zur Not hätte ich also jemanden, an den ich mich wenden könnte. Ich kann mir aber vorstellen, dass ein BAföG -Antrag für Studierende, die in ihrer Familie oder Bekanntenkreis niemanden haben, der sich auskennt, schon echt kompliziert sein kann.

Den Druck vom BAföG, in Regelstudienzeit zu studieren, spüre ich schon ein wenig und würde mir wünschen, dass BAföG auch unabhängig von der Regelstudienzeit möglich wäre. Ich würde mir auch wünschen, dass BAföG an die Lebenssituation angepasst wird. Zum Beispiel sind die Mieten hier in Berlin sehr hoch, da fände ich es gut, wenn auch dementsprechend der BAföG -Satz erhöht wird.

Wichtig wäre da auch ein elternunabhängiges BAföG. Ich habe keinen Kontakt zu meiner Mutter und trotzdem muss ich mich um die Unterlagen kümmern und mit ihr in Kontakt treten. Ich finde, da sollte die Kontaktaufnahme nicht über die Kinder gehen, sondern über das Finanzamt. Oder zum Beispiel gibt es auch Fälle, wo die Eltern zwar genug Geld verdienen, aber kein Unterhalt an die Kinder zahlen. Gerade für solche Fälle fände ich ein elternunabhängiges BAföG super.


Sarah, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Mit meinem Nebenjob und mit meiner Halbwaisenrente komme ich mit BAföG ganz gut klar. Allerdings denke ich, dass es für Studierende, die keinen Nebenjob haben, schon schwierig ist nur mit BAföG zurechtzukommen. In Magdeburg mag es vielleicht noch irgendwie gehen, aber in einer Stadt wie Berlin nicht. Zudem ist bei vielen Studiengängen ein Nebenjob auch gar nicht möglich.

Was ich besonders stressig finde, ist es, dabei noch in Regelstudienzeit zu studieren. Ein Glück gab es durch die Covid-Situation eine Verlängerung der Regelstudienzeit. Sonst wäre es echt nicht einfach gewesen, in Regelstudienzeit Studium und Nebenjob zu managen. Ich wünsche mir, dass der BAföG -Antrag einfacher gestaltet wird und dass der Beitrag erhöht wird, denn ohne Nebenjob kann das BAföG nicht alle Kosten decken.


Chiara, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Bei meinem BAföG-Antrag gab es einige Probleme. Zum einen habe ich zu wenig Geld bekommen, da das aktuelle Gehalt meiner Mutter weniger ist als früher. Das wurde beim BAföG -Antrag nicht berücksichtigt. Ich habe dann vom Aktualisierungsantrag erfahren und einen erstellt. So konnte ich dann noch eine Nachzahlung erhalten, die jedoch erst sehr spät ausgezahlt wurde.

Besonders blöd ist, dass ich eigentlich keinen Kontakt zu meinem Vater habe und durch den BAföG-Antrag dazu gezwungen bin, Kontakt aufzunehmen. Das möchte ich nicht und ich finde, das sollte sich ändern. Darüber hinaus finde ich auch, dass es beim BAföG die Möglichkeit geben sollte, zusätzliches Geld für Materialien im Studium und für Notfälle zu beantragen. Ich kann mir gerade zum Beispiel keinen neuen Laptop leisten, brauche aber einen neuen. Gerade angesichts der Onlinekurse und den Onlineprüfungen habe ich dadurch einen Nachteil.

Wirklich chancengleich ist das BAföG für mich somit nicht, denn die Bedingungen, in Regelstudienzeit studieren zu müssen, bei wichtigen Materialien für das Studium Abstriche machen zu müssen oder in Notfällen kein Geldpolster zu haben, steht nicht wirklich im Verhältnis zu Studierenden, die aus besser gestellten Haushalten stammen, die diese Materialien zur Not auch von den Eltern gestellt bekommen oder auch nicht unbedingt in Regelstudienzeit studieren müssen. Ich finde die Idee von BAföG zwar gut, aber BAföG ist in der Beantragung ein sehr aufwendiger Prozess und in den Anwendungsmöglichkeiten recht limitiert.

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