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41.660 Euro – geschenkt!

Für viele Studierende steht BAföG für Forderung statt Förderung. Ab August tritt eine neue Reform des Gesetzes in Kraft. Warum sich ein Antrag am Ende auszahlt.

10.07.2019

von Mandy Krause

„Mehr Bildungsgerechtigkeit und Bildungschancen: Dafür steht das BAföG seit mehr als 45 Jahren.“ So schreibt es das Bundesministerium für Bildung und Forschung auf seiner Webseite zum Thema BAföG. Seit knapp einem halben Jahrhundert ist das Berufsausbildungsförderungsgesetz präsent. Und auch wenn die Studierendenzahlen über die Jahre hinweg kontinuierlich steigen, geht die Zahl der Antragstellenden zurück. Studierende wagen also nicht mal mehr den Versuch, ihren Anspruch auf BAföG überprüfen zu lassen. Woran liegt das?

557.000 Studierende wurden im Jahr 2017 durch Beiträge des BAföG gefördert. Dabei betrug die durchschnittliche Förderhöhe knapp 500€. Ab August wird die neue BAföG-Reform wirksam. Darin inbegriffen ist nicht nur eine Anhebung des Förderungshöchstsatzes, sondern u. a. auch eine Erhöhung der Wohnkostenpauschale und der Zulage für die Kranken- und Pflegeversicherung. Statt der aktuellen maximalen Förderung von 735 Euro können Studierende zukünftig mit bis zu 861 Euro monatlich finanziert werden.

Dass nur ein Bruchteil der Studierenden in Deutschland davon Gebrauch machen will, liegt am negativen Image des BAföG. Bürokratische Hürden, die unüberwindbar scheinen, die Sorge vor den Rückzahlbeträgen nach Abschluss des Studiums und die Frage, ob sich die Mühe für einen Antrag überhaupt lohnt, halten Studierende davon ab, es wenigstens zu versuchen.

Christian Gröger-Hafermann, Leiter des Berliner Amtes für Ausbildungsförderung, sieht heutzutage den entscheidenden Vorteil im modernisierten Antragsverfahren. „Wer seinen Antrag online ausfüllt, profitiert von der Plausibilitäts- und Vollständigkeitsprüfung, die im Hintergrund läuft“. Widersprüchliche Angaben und offen gebliebene Felder werden direkt angezeigt und können somit korrigiert werden. Wer sich dennoch bei manchen Angaben unsicher ist, könne sich an die Mitarbeiter*innen des InfoPoints wenden oder dies über ein Anschreiben mitteilen, so Gröger-Hafermann. Neben der persönlichen Hilfestellung können sich Antragstellende zudem online Unterstützung holen. Das Studierendenwerk Karlsruhe bietet zusätzliche Hinweise zum Ausfüllen der einzelnen Formblätter mithilfe von Video-Tutorials auf Youtube.

Darüber hinaus kursieren nach wie vor Mythen über die Rückzahlbedingungen. „Die Hälfte muss zurückgezahlt werden“ und „10.000 Euro Schulden macht jede*r BAföG-Empfänger*in“ ist fest in den Köpfen verankert. Wahr ist tatsächlich, dass ein Teil des ausgezahlten BAföG-Betrags später einmal zurückgezahlt werden muss. Doch von der Hälfte kann nicht in jedem Fall die Rede sein. Wer beispielsweise über ein komplettes Bachelor- und Masterstudium hinweg den Höchstsatz erhält, zahlt am Ende nur noch ein Fünftel zurück. Eine Finanzierung über 5 Jahre hinweg mit dem zukünftigen möglichen Höchstsatz von 861 Euro im Monat ergibt eine Gesamtfördersumme von 51.660 Euro. Lediglich 10.000 Euro holt sich der Staat nach Studienabschluss zurück.

Auch durchschnittlich bessere Einkommensverhältnisse werden als ein Grund für die ausbleibenden Anträge gesehen. Damit Familien aufgrund ihres Einkommens eine Förderung nicht mehr um Haaresbreite verfehlen, wird mit der neuen Reform auch gleichzeitig die Grenze für Freibeträge erhöht.

Auch in der Zukunft wird es trotz Digitalisierung keine gänzlich unbürokratische Lösung geben können. Um den Beitrag zu bemessen, sind immer bestimmte Angaben und Nachweise notwendig. Wer dennoch den bürokratischen Aufwand als einzigen Grund sieht, keinen Antrag zu stellen, der kann auf den Servicegedanken des BAföG-Amtes setzen. „Wir sind ein Amt FÜR Ausbildungsförderung. Unsere 120 Mitarbeiter*innen sind sehr daran interessiert, allen Antragsteller*innen die notwendigen Informationen zu geben, die es für einen lückenlosen Antrag braucht“, so der Leiter des BAföG-Amtes. Wichtig sei es, den Antrag rechtzeitig zu stellen. Sobald der Studienort bekannt ist, können die Studierenden mit dem Sammeln aller Nachweise loslegen.

Mit der Umsetzung der neuen BAföG-Reform könnte also für viele Studierende die Rechnung aufgehen: Die Zeit, die sie in die Beantragung investieren, haben sie während des Studiums um ein vielfaches wieder raus.

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